Freitag, 09. Dezember 2016

Bürgerinitiativen gegen Windkraft im Saalbau: „So kann es nicht weiter gehen“

26. November 2015 | 4 Kommentare | Kategorie: Neustadt a.d. Weinstraße und Speyer, Politik regional, Regional
Infoausstellung im Saalbau. Foto: red

Die Infoausstellung im Saalbau zum Thema Windenergie war gut besucht.
Foto: red

Neustadt. Am 21. November 2015 konnte man sich rund um das Thema Energiewende informieren und anschließend diskutieren. Eine kleine Ausstellung im Veranstaltungsort Saalbau informierte zu den Positionen der Initiative „Vernunftkraft“.

Eingeladen hatten vier Landesverbände von Bürgerinitiativen gegen Windkraft sowie die Bundesinitiative für vernünftige Energiepolitik, in der über 650 Bürgerinitiativen gegen Windkraft zusammengeschlossen sind. Thema war das Scheitern der auf Windkraft- und Photovoltaikanlangen als „Säulen“ ruhenden Energiewende.

Rund 500 Menschen füllten den Saalbau, darunter natürlich auch solche, die offensichtlich eine andere Meinung vertraten, was in der anschließenden Diskussion deutlich wurde.

Das Publikum lauschte konzentriert dem nicht ganz einfachen Thema. Foto: Pfalz-Express/Ahme

Das Publikum lauschte konzentriert dem nicht ganz einfachen Thema.
Foto: Pfalz-Express/Ahme

Obwohl sie eingeladen waren, waren Landeschefin Malu Dreyer (SPD) und Ministerin Evelyn Lemke (Grüne) der Veranstaltung fern geblieben und hatten auch keine Vertreter geschickt. Für sie hatte man Strohpuppen als Stellvertreter in die erste Reihe gesetzt.

Strohpuppen: Malu Dreyer und Evelyn Lemke. Foto: Vernunftkraft

Strohpuppen: Malu Dreyer und Evelyn Lemke.
Foto: Vernunftkraft

Der Einladung gerne gefolgt waren Christian Baldauf, Bundesvorstand und 1. Stellvertretender Landesvorsitzender der CDU, Dr. Volker Wissing (Landesvorsitzender der FDP in Rheinland-Pfalz sowie René Rock, Mitglied des Landtages und Mitglied des Landesvorstands der FDP Hessen.

Auf dem Podium: v.l. Dr. Ziegler, Foto: Pfalz-Express/Ahme

Auf dem Podium: v.l. Dr. Ziegler, Alexander Wendt, Detlef Ahlborn, Dr. Jürgen Ott, Christian Baldauf und Harry Neumann.
Foto: Pfalz-Express/Ahme

Baldauf beteiligte sich später auch noch an der Podiumsdiskussion mit Jean Lois Butré, Präsident der EPAW (war extra aus Paris angereist), Dr-Ing. Detlef Ahlborn, Windkraftexperte, dem Vorsitzenden der Vernunftkraft Dr. Nikolai Ziegler, Naturschützer Harry Neumann, Dr. Jürgen Ott, Präsident des Naturschutzvereins Pollichia und Alexander Wendt, Autor des Buchs „Der grüne Blackout.“

Der Oberbürgermeister der Stadt Neustadt, Georg Löffler, hielt ein Grußwort, für das ihn bestimmte Kreise im Vorfeld stark kritisiert hatten.

OB Löffler hielt ein Grußwort. Foto: Pfalz-Express/Ahme

OB Löffler hielt ein Grußwort.
Foto: Pfalz-Express/Ahme

Doch in der Stadt, in der 1832 Menschen für freie Meinungsäußerung auf die Straße gingen, müsse man auch andere Meinungen gelten lassen, so Löffler. „Ich kann hier keine Extremisten erkennen“, sagte Löffler, selbst ein Freund von Erneuerbaren Energien (er möchte zwei Windräder an der Autobahn zwischen Mußbach und Hassloch aufstellen), und blieb ganz gelassen.

„Energiewende erkennbar gescheitert“ lautete das Motto der Veranstaltung. Die Windkraft spalte das Land, zerstöre Natur, sei kontraproduktiv und teuer. „Weder Wind noch Sonne, noch beide zusammen können uns bedarfsgerecht versorgen“, so Detlef Ahlborn und zeigte in seinem Vortrag technische und physikalische Zusammenhänge auf.

Die sogenannte Grundlast, die es ermöglicht, dass Tag und Nacht ausreichend Strom zur Verfügung steht, lasse sich nicht nicht decken. „Nicht ein einziges konventionelles Kraftwerk konnte bislang durch die Energiewende abgeschaltet werden“, so Ahlborn.

Weil die „Erneuerbaren Energien“ nur in schwankender Form Energie zur Grundlast lieferten und weil das ständige Auf-und Abregeln der Kraftwerke viel Energie verschlinge, sei bisher auch kein CO2 eingespart worden, führte er aus.

Die Aussage, dass 30 Prozent des Stromes aus Erneuerbaren Energien stammen, „klinge auf den ersten Blick fantastisch“.
Dennoch machten Wind- und Sonnenenergie derzeit weniger als 5 Prozent der gesamten verbrauchten Energie aus.

Den Grund lieferte Ahlborn gleich mit: Der Stromverbrauch der privaten Haushalte mache etwa 26 Prozent des gesamten Stromverbrauchs aus, und dieser wiederum 20 Prozent des gesamten Energieverbrauchs.

„Das bedeutet, selbst wenn alle Bürger auf Erneuerbare Energien umstellen würden, wären erst weniger als 5 Prozent der Energiewende geschafft.

Aber es gibt ja auch noch die Industrie, welche eine zuverlässige Versorgung mit Energie benötigt.
Weil der Wind nicht immer weht, liefern Windräder durchschnittlich nur 18 Prozent ihrer möglichen Leistung.

Photovoltaik liefert nur an 900 von 8640 Jahresstunden mit voller Kraft Strom. Doch Strom muss bedarfsgerecht produziert werden, das heißt, genau in der Sekunde, in der ein Stromverbraucher das Licht oder den Herd einschaltet. Eine Lastverteilung (zum Beispiel Waschmaschine nur nachts laufen lassen) lässt sich nur in sehr engen Grenzen realisieren“, so Ahlborn.

Detlef Ahlborn im Vortrag. Foto: Pfalz-Express/Ahme

Detlef Ahlborn bei seinem Vortrag.
Foto: Pfalz-Express/Ahme

„Windkraft und Sonnenstrom ergänzen sich nicht (auch nachts weht oft kein Wind und auch
tagsüber ist es oft bewölkt). Daher müssen für 100 Prozent der benötigten Grundlast und rund um die Uhr konventionelle Kraftwerke bereit stehen, um die nötige Leistung zu erbringen.

Aus diesem Grund wurde durch die Energiewende bisher kein einziges Kraftwerk ersetzt, es wurden vor allem Atomkraftwerke durch Braunkohle ersetzt. Insgesamt ist die Luft seit der Energiewende nicht sauberer, sondern dreckiger geworden.
Bezahlbare und im ausreichenden Maße verfügbare Speichermöglichkeiten sind auf Jahrzehnte nicht in Sicht.“

Da Windkraft „Menschen, Tieren, Kultur- und Naturlandschaften in hohem Maße Schäden zufügt, im Verhältnis zu diesem Schaden aber einen äußerst geringen Nutzen liefert“, fordern die bundesdeutschen Initiativen gegen Windkraft ein sofortiges Moratorium.

Dasselbe forderte der mit einer umfangreichen Delegation französischer Bürgerinitiativen
in Neustadt anwesende Jean Butré aus Paris/Frankreich, Präsident der EPAW – European
Platform Against Windfarms, welcher über 900 Bürgerinitiativen in ganz Europa angehören.

Jean-Louis Butré (rechts) mit Übersetzer. Foto: Pfalz-Express/Ahme

Jean-Louis Butré (rechts) mit Übersetzer.
Foto: Pfalz-Express/Ahme

Harry Neumann, einer der bekanntesten Naturschützer in Rheinland-Pfalz, berichtete aus
erster Hand über die „verheerenden Folgen“ des Windkraftausbaus auf die Natur und
zahlreiche Vogelarten.

Harry Neumann. Foto: Pfalz-Express/Ahme

Harry Neumann.
Foto: Pfalz-Express/Ahme

Unabhängige Gutachten gebe es keine, da diese grundsätzlich von den Projektierern selbst in Auftrag gegeben würden. „Gefährdete Vögel fliegen in diesen Gutachten grundsätzlich immer in eine Richtung – weg von den Windrädern.“

Auch würden auffällig viele Bauarbeiten im Vorfeld von Planungen zur Errichtung von Windrädern
durchgeführt. Nicht selten würden auch Horste im Vorfeld beiseite geschafft oder geschützte
Vögel wie der Rotmilan vergiftet.

Nikolai Ziegler stellte die politischen Positionen und Aktivitäten des bundesweiten
Bündnisses Vernunftkraft dar.

Im Anschluss an die Fachvorträge kamen die Politiker zu Wort.

CDU-Politiker Christian Baldauf. Foto: Pfalz-Express/Ahme

CDU-Politiker Christian Baldauf.
Foto: Pfalz-Express/Ahme

Christian Baldauf, betonte, dass die Energiepolitik der rot-grünen Regierung in Rheinland-
Pfalz aus Sicht seiner Partei fehlgeleitet sei.

Er werde sich dafür einsetzen, dass das LEP IV geändert und die regionalen Planungsinstanzen zur Verhinderung eines Windrad-Wildwuchses wieder mit der entsprechenden Verantwortung versehen würden. „1000 weitere Windräder wird es mit der CDU definitiv nicht geben“.

Dr. Volker Wissing (FDP) teilte mit, dass der Vorsitzende des BUND Rheinland-Pfalz, Dr. Holger Schindler, ihm geschrieben habe, er solle auf dieser Veranstaltung nicht sprechen,
er wisse vermutlich nicht, „mit welchen Leuten er es dort zu tun habe“.

FDP-Politiker Dr. Volker Wissing. Foto: Pfalz-Express/Ahme

FDP-Politiker Dr. Volker Wissing.
Foto: Pfalz-Express/Ahme

Doch auch er sah keinen Grund, sich nicht der Diskussion zu stellen. Anders als der energiepolitische Sprecher von Bündnis 90/die Grünen, Dr. Bernhard Braun, der Windkraftgegner eine Woche zuvor im Landtag als Extremisten und Atomlobbyisten bezeichnet hatte, sehe er das bürgerliche Engagement der Bürgerinitiativen ausgesprochen positiv.

Die FDP sehe die dringende Notwendigkeit, wieder zu einer vernünftigeren, mehr nach marktwirtschaftlichen Regeln orientierten Energiepolitik zurück zu kehren.

René Rock (FDP Hessen) fand drastische Worte: „Wir wissen- die anderen glauben“ und: Wir müssen endlich Maß und Mitte finden und dürfen uns Argumenten nicht verschließen!“

Bei der abschließenden Podiumsdiskussion nahmen außer den Referenten noch Alexander
Wendt, Redakteur des Focus und Autor des Buchs „Der grüne Blackout“, sowie Dr. Jürgen Ott, Vorsitzender des pfälzischen Naturschutzvereins Pollichia, teil. Im Anschluss wurde lebhaft und ausdauernd diskutiert.

Dr. Ziegler, Alexander Wendt und Detlef Ahlborn. Foto: Pfalz-Express/Ahme

Dr. Ziegler, Alexander Wendt und Detlef Ahlborn…
Foto: Pfalz-Express/Ahme

Dr. Jürgen Ott, Christian Baldauf und Harry Neumann auf dem Podium. Foto: Pfalz-Express/Ahme

….sowie Dr. Jürgen Ott, Christian Baldauf und Harry Neumann auf dem Podium.
Foto: Pfalz-Express/Ahme

Es stellte sich zur Freude der Veranstalter heraus, dass auch einige interessierte Vertreter der grünen Parteien vor Ort waren, die mit dem Gesagten naturgemäß größtenteils nicht einverstanden waren.

Auch wenn gemeinsame Positionen hier eher in weiter Ferne lagen (ein Zuhörer mit Aluhut beschimpfte das Publikum gar mit „Ihr seid Pegida“), waren sich die Diskutanten immerhin einig: So kann es nicht weitergehen und eine neue Sichtweise der Politik, der Wirtschaftsweisen und eine grundlegende Veränderungen des Lebensstils würden notwendig sein. Ob mit oder ohne Windräder müsse jeder Bürger nach Abwägung aller Fakten für sich selbst entscheiden. (desa/red)

Sorgte für Erheiterung: Grüner Diskutant. Foto: Pfalz-Express/Ahme

Sorgte für Erheiterung: Grüner Diskutant.
Foto: Pfalz-Express/Ahme

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4 Kommentare auf "Bürgerinitiativen gegen Windkraft im Saalbau: „So kann es nicht weiter gehen“"

  1. B. Werling sagt:

    Wenn ich als Kind im Geschichtsunterricht saß und von Kriegen und ihren aberwitzigen Ursachen, Verfolgungen, Aberglauben, Hexen und Ketzern, Unterdrückung von wissenschaftlichem Wissen usw. hörte, war ich felsenfest überzeugt, all das nie erleben zu müssen – wir sind ja heute viel vernünftiger.

    Das war ein Irrtum.

  2. Johann Huber sagt:

    Meldung in der Süddeutschen Zeitung – Panorama, 28.Oktober 2014, Nordrhein-Westfalen.
    Zitat: „1500 Euro Strafe für die Jagd auf einen Maulwurf“
    Der Maulwurf steht seit 1988 unter Naturschutz. Die Richterin sah es als erwiesen an, dass der 75-jährige Rentner Lotahr K. EIN geschütztes Tier mit brutalen Mitteln gejagt hat. Weil der Zeuge allerdings kein totes Tier gesehen habe, blieb die Richterin mit ihrem Urteil deutlich unter der Forderung der Staatsanwaltschaft von 5500 Euro. Zitat Ende

    Tausende von den so.. geschützten Maulwürfen verenden qualvoll und unsichtbar beim Bau und vor allem beim Betrieb von WKA weil sie ja nicht, wie nachgewiesener Maßen die Wildschweine, Füchse und andere Tiere in Windradfreie Gegenden flüchten können.
    Nur die Anlieger von WKA und die Maulwürfe müssen die Folter Tag und Nacht ertragen – die ersteren werden krank die anderen sterben leise und unsichtbar. Mfg Johann Huber

  3. Jürgen Falkenberg sagt:

    An der deutschen Energiewende ist die ganze Bildungsmisere Deutschlands abzulesen: Physikalische An-Alphabeten ‚planen‘ die Stromversorgung der Zukunft mit aberwitzigen Subventionsmilliarden, mit denen sich dann zahllose Profiteure vom Windradinvestor bis zum Solardachbesitzer (wir werinnern uns an die Werbung ‚Ihre Geldruckmaschine‘) die Taschen vollstopfen. Und eine naiv-romantische Bevölkerung wird von Medien unter der Kontrolle ebenfalls physikalischer An-Alphabeten verdummt und glaubt, mit Windkraft etwas ‚Gutes‘ für die Umwelt und Ihre Kinder zu tun.

  4. Philipp sagt:

    Warum hat man nicht die Gelegenheit genutzt, das auf der Veranstaltung sichtbare Intelligenzgefälle in Energie umzusetzen? Das eine oder andere Kilogramm CO2 wäre da sicher einzusparen gewesen!

    Wenn das Zitat von Dr. Holger Schindler authentisch sein sollte, dann ist damit wohl jedem klar, dass der BUND Rheinland-Pfalz kein seriöser Gesprächspartner in Energiefragen ist.
    Bei so einer Einstellung sollte man überlegen, ob eine solche Person überhaupt ein seriöser Gesprächspartner in gesellschaftspolitischen Fragen sein kann.

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