Samstag, 31. Juli 2021

„Willkomm“ nimmt Neustadter OB-Kandidaten unter die Lupe: Wirtschaftspolitik zentrales Thema im Wahlkampf

25. Juni 2017 | Kategorie: Neustadt a.d. Weinstraße und Speyer, Politik regional, Regional
Podiumsdiskussion der Willkomm mit den drei Kandidaten. Foto: Pfalz-Express/Ahme

Podiumsdiskussion der Willkomm-Gemeinschaft mit den drei Kandidaten.
Foto: Pfalz-Express/Ahme

Neustadt. Im Herbst wird der neue Oberbürgermeister gewählt. Diese Wahl ist auch für die Neustadter Wirtschaft ein wichtiger Termin. Die drei Kandidaten für das Amt des Neustadter OBs heißen Ingo Röthlingshöfer (CDU), Marc Weigel (FWG) sowie Pascal Bender (SPD).

Die „Willkomm-Gemeinschaft“, die Interessenvertretung der in Neustadt an der Weinstraße ansässigen Unternehmen, erwartet nach eigenem Bekunden vom neuen Oberbürgermeister „wichtige Impulse für den Wirtschaftsstandort Neustadt“.

Damit die Neustadter Wirtschaft sich ein Bild von den Kandidaten und ihren Positionen machen kann, hatte die „Willkomm“ die Kandidaten zu einer Diskussionsveranstaltung ins Achat Hotel eingeladen. Die etwa dreistündige Veranstaltung wurde vom Offenen Kanal und der Antenne Pfalz aufgezeichnet.

Das Interesse war groß, kaum konnte der Raum die vielen Interessierten fassen, weitere Stühle mussten platziert werden.

Moderiert wurde die Veranstaltung von Sophie Gareis, die als Redakteurin und Moderatorin bei den Radiosendern Antenne Pfalz und Antenne Landau arbeitet, sowie von  Dr. Rupert Pobel (KlarText Beratung und Training), Diplom-Psychologe.

Vorab konnten die Gäste ihre Fragen notieren. Vorsitzender Winfried Walther, Dr. Andreas Böhringer und das weitere Willkomm-Team sichteten und bündelten die Fragen, die später von den drei Kandidaten im Wechsel beantwortet wurden.

Walther sprach in seiner Begrüßung von der „Meisterschaft“ und von einem „Dreikampf, bei dem es aber keine Absteiger“ geben werde.

Zunächst folgte eine kurze Vorstellungsrunde der drei Kandidaten Ingo Röthlingshöfer (CDU), Marc Weigel (FWG) sowie Pascal Bender (SPD).

Danach gab es drei thematische Blöcke. Jeder Kandidat hatte dabei sechs Minuten Zeit zur Vorstellung seiner Ansätze zur Frage des jeweiligen Blocks. Die Kandidaten waren vorab zu den Themen informiert worden.

Themenblock 1: Als Reaktion auf die mehrfache erschütternde Bewertung der Neustadter Wirtschaftspolitik durch die IHK-Standortanalyse hatte der Stadtrat ein „Wirtschaftsförderungskonzept“ vorgestellt. Die Willkomm Gemeinschaft hat Anfang 2015 dieses  „Wirtschaftsförderungskonzept“ ausführlich analysiert und kritisiert. Die Frage an die Kandidaten lautetete: Was ist Ihr Konzept der Wirtschaftsförderung und -entwicklung?

Themenblock 2: In vielen Städten, die sich der Bedeutung der lokalen Wirtschaft bewusst sind, werden Citymanager oder Stadtmarketing-Beauftragte von der Stadt beschäftigt. Häufig wird die lokalen Wirtschaftsvertretung durch Mitgliedschaft und Personal unterstützt. In Neustadt gab es interessante Ansätze, diese wurden in den letzten Jahren Schritt für Schritt zurück gefahren.
Fragen: „Wie sehen Sie die Rolle der Willkomm-Gemeinschaft in Neustadt und in Ihrer Wirtschaftspolitik? Wie stellen Sie sich die Kooperation zwischen Willkomm, WEG, und Stadtverwaltung konkret vor?“

Themenblock 3: Die zunehmenden Leerstände in der Stadt und in den Weindörfern reduzieren zum Einen die Attraktivität des Erscheinungsbilds der Stadt und zum Anderen die Vielfalt des Angebots von Handel und Dienstleistungen. „Welche Ansätze verfolgen Sie zur Reduktion der Leerstände in der Kernstadt und in den Weindörfern?“

Zu Themenblock I sagte Röthlingshöfer, es sei dies nicht ein Konzept des Stadtvorstands gewesen, sondern von OB Löffler und einem Arbeitskreis zu verantworten gewesen: „Wir brauchen keine One-Man-Show, sondern müssen die Stärken der Institutionen Willkomm, TKS, DLR, IHK und anderer bündeln.“ Dazu bedürfe es der Manpower aller und ein Gesamtkonzept, das die Stärken Neustadts hervorheben könne.

Pascal Bender beklagte: „Die Stadt lässt sich treiben“ und betreibe kein aktives Flächenmanagement. Wirtschaft müsse aktiv gestaltet und neu definiert werden. „Die WEG (Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft – eine 100 prozentige Tochtergesellschaft der Stadt Neustadt – die Red.) kann mehr, wenn man sie lassen würde“.

Dies bestonte auch Marc Weigel: Die WEG müsse personell gestärkt werden. Ein OB müsse Ideen vorlegen, “ doch den Weg kann er nicht alleine gehen“. Mehr Gewerbeflächen, ein Gründerzentrum sowie ein gutes Baustellenmanagement sind seine Stichpunkte.

Zum Themenblock II sprach Pascal Bender ein „klares Bekenntnis zur Willkomm“ aus. Sie sollte in TKS und WEG eingebunden werden. Regelmäßige Abstimmungstreffs sollten erfolgen. Er könne sich vorstellen, dass die Stadt auch Mitglied der Willkomm werden könnte. Im Übrigen könne er sich einen Citymanager, einen Kümmerer, vorstellen.

Marc Weigel: „Die Willkomm ist ein wichtiger Akteur, wenn es sie nicht gäbe, müsste man sie erfinden!“ Citymanager und WEG als strategischer Partner, kann auch er sich vorstellen.

Ingo Röthlingshöfer: „Citymanager ja, doch die Willkomm soll sich an diesem Projekt finanziell beteiligen.“ Es sei zwingend nötig, dass ein OB Mitglied in der Willkomm sei. Im Übrigen seien diese Fragen Chefsache und in einem entsprechenden Dezernat anzusiedeln.

Im Themenblock III ging es Marc Weigel um Digitalisierung und Demografie. Einem Ladensterben müsse entgegen gewirkt werden. Weigel überlegt von städtischer Seite aus für Unternehmer eine Online-Plattform zu schaffen. Attraktives Wohnen in der Innenstadt, ein schön gestalteter Bahnhofsvorplatz- Aufenthaltskultur als Weinerlebnisstadt und Veranstaltungsort, wurden von ihm angesprochen.

Ingo Röthlingshöfer sagt es klipp und klar: „Wer als Unternehmer heute das Internet nicht nutzt, dem ist nicht zu helfen“. Ob die Schaffung einer städtischen Plattform dafür nötig ist, wird von ihm bezweifelt, was auch Pascal Bender kritisch sieht.

Ein massives Leerständeproblem gäbe es nicht wirklich, so Röthlingshöfer. Dem widerspricht Bender.  Auch Bender begrüßt wie seine Mitbewerber einen möglichen City-Manager.

Die weiteren Fragen aus dem Publikum bezogen sich auf „Visionen“, „Neustadter Infrastruktur“, „Innenstadt für die Jugend“ sowie die „Verkehrsinfrastruktur“. Man darf auf weitere Gesprächs-und Diskussionsrunden mit den drei Kandidaten gespannt sein. (desa)

Im Achat-Hotel in Neustadt verfolgten die Zuhörer gespannt, was die Kandidaten zu sagen hatten. Foto: Pfalz-Express/Ahme

Im Achat-Hotel in Neustadt verfolgten die Zuhörer gespannt, was die Kandidaten zu sagen hatten.
Foto: Pfalz-Express/Ahme

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