
Die französische Tricolore am Ehrenmal auf dem Kandeler Friedhof.
Fotos: Pfalz-Express/Licht
Kandel – Wie in fast allen Städten und Gemeinden im Land wurde auch in Kandel am Volkstrauertag der Gefallenen der beiden Weltkriege und der Opfer von Gewalt und Gewaltherrschaft gedacht.
Am Ehrenmal des Friedhofs kam neben dem Bürgermeister der französischen Partnerstadt Reichshoffen, Walter Hubert, auch ein Vertreter der englischen Partnerstadt Whitworth. Lynda Barnes, die Bürgermeisterin, war verhindert und schickte statt dessen ihren Enkel Adam.
Landrat Fritz Brechtel, Verbandsbürgermeister Volker Poß, Altbürgermeister Günther Tielebörger und viele Vertreter der Stadt waren dabei. Auch Fahnenträger der Tricolore (Ehrenstandarte) aus Reichshoffen haben teilgenommen.
Das sei bislang einmalig, sagte Stadtbürgermeister Michael Niedermeier (CDU) in seiner Ansprache. „Die französische Tricolore und ein gemeinsames Gedenken von Deutschen, Franzosen und Briten auf einem deutschen Soldatenfriedhof.“ So setze man gemeinsam ein Zeichen für eine tolerante und freundliche Gesellschaft und gegen Nationalismus. Der Nationalismus habe die beiden Weltkriege ja erst möglich gemacht.

V.li.: Stadtbürgermeister Michael Niedermeier, Adam Barnes und Reichshoffens Bürgermeister Walter Hubert.
Einst Erzfeinde, stehe man nun „Seit an Seit“ zusammen für ein friedliches Europa. „Das ist Europa“, c´est L´Europe, this is Europe.“ Es sei eine Ehre, alle hier versammelt zu wissen.
Zurzeit erstarkten wieder nationalistische Kräfte, die die Demokratie wissentlich und willentlich in Gefahr brächten, sagte der Stadtbürgermeister. Unter anderem habe Alexander Gauland (AfD) gesagt, wenn Franzosen und Briten stolz auf ihren Kaiser oder den Kriegspremier Winston Churchill sein, hätten die Deutschen das Recht, „stolz zu sein auf die Leistungen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen.“ „Ich schäme mich, solche Politiker in unserem Land zu haben“, so Niedermeier.
Der junge Adam Barnes empfand es ebenfalls als eine Ehre, auf dem Friedhof zu sprechen, wie er sagte. Auch er appellierte an den Zusammenhalt in Europa. An der Freundschaft unter den Völkern müsse stets gearbeitet werden.
Auch Hubert Walter erklärte, dass es ihm eine Ehre sei, in der Partnerstadt gemeinsam der Toten zu gedenken. „Man muss wissen, wie man Frieden schafft“, so der Reichshoffener Bürgermeister, „sich bewusst sein, dass man auf einem Kontinent lebt.“
Werte wie Respekt und Toleranz müssten gemeinsam verteidigt werden, auch und gerade wenn es hin und wieder soziale und wirtschaftliche Probleme gebe. Dem „Gespenst des Nationalmus“ entgegenzutreten sei eine gemeinschaftliche europäische Aufgabe.
Umrahmt wurde die Veranstaltung vom Volkschor und dem Männerchor Frohsinn, der Stadtkapelle Kandel und mit Beiträgen von Schülern der IGS und Realschule Plus Kandel. (cli) (aktualisiert)

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