
Tödlicher Unfall bei Kandel im letzten Jahr: Das Fahrzeug zertrümmert, der Fahrer hatte keine Chance.
Fotos und Grafiken: Polizeidirektion Landau
Südpfalz – Die Polizeidirektion Landau hat die Verkehrsunfallstatistik 2015 für die Südpfalz herausgeben.
Die Tendenz: Steigende Unfallzahlen, aber ein Rückgang der Verkehrsunfälle, an denen Kinder beteiligt waren.
Statt dessen gibt es jedoch einen deutlicher Anstieg der Verkehrsunfälle mit Senioren.
Sorgen macht der Polizei auch die Gruppe der „Jungen Fahrer“ – da stieg die Zahl der Unfälle ebenfalls an.
15 Verkehrsteilnehmer starben im letzten Jahr bei Unfällen, drei mehr als im Jahr 2014.
Nahezu gleich blieb hingegen die Zahl der Verletzten. So erlitten 318 Personen (2014: 322) schwere Verletzungen, die Anzahl leichtverletzter Personen stieg leicht auf 1064 (1046).
Gestiegen sind auch die Unfallfluchten bei gleichbleibender Aufklärungsquote.
Verkehrsunfallentwicklung in der Südpfalz mit steigender Tendenz
Im Bereich der Polizeidirektion Landau wurden im Jahr 2015 insgesamt 9594 Verkehrsunfälle polizeilich erfasst.
Das bedeutet gegenüber dem Vorjahr einen Zuwachs von 397 Unfällen (4.32 %) und im Vergleich der letzten sechs Jahren einen absoluten Höchststand der Unfallzahlen.
Bei 203 Verkehrsunfällen stand der Unfallverursacher unter dem Einfluss alkoholischer Getränke oder Betäubungsmitteln. Dies entspricht einer Steigerung gegenüber dem Vorjahr um 29 Unfälle.
Alkohol
Gleichzeitig wurden bei zahlreichen Verkehrskontrollen 1091 (1169) Fahrzeugführer unter Alkohol- bzw. Drogeneinfluss festgestellt. In 498 Fällen konnten Fahrzeugführer von einer Trunkenheitsfahrt abgehalten werden.
Viele Wildunfälle
Nach wie vor befindet sich unter den Verkehrsunfällen ein hoher Anteil an Wildunfällen. 1188 (1145) Verkehrsunfälle wurden durch in der Regel plötzlich auf die Fahrbahn laufendes Wild verursacht, immerhin rund 12,4 % der Gesamtunfälle.
Handy am Steuer
Die Polizei beobachtet mit Sorge die immer größere werdende Zahl von Verkehrsteilnehmer, die trotz hoher Geldbußen und Punkteandrohung während der Fahrt Gebrauch von ihren Smartphones oder Mobiltelefonen machen. Experten schätzen, dass rund 10 % aller Verkehrsunfälle auf diese Ablenkungen zurück zu führen sind.
Der Nachweis durch die Polizei gestaltet sich im Einzelfall jedoch schwierig.
Unfallgeschehen in der Südpfalz
Die tödlichen Unfälle verteilten sich auf alle Inspektionen und auf die Polizeiwache Annweiler.
Die Polizeiinspektion Landau verzeichnete vier tödliche Unfälle, die Inspektionen Germersheim und Edenkoben jeweils drei, Wörth zwei sowie Bad Bergzabern und die Polizeiwache Annweiler jeweils einen.
Jeder Verkehrsunfall mit tödlichem Ausgang stellt für sich genommen ein tragisches Ereignis dar. Besonders bewegend war im vergangenen Jahr jedoch ein Unfallgeschehen zwischen Altdorf und Venningen, bei dem ein 28-jähriger Pkw-Fahrer aus ungeklärter Ursache auf die Gegenfahrbahn geriet und dort mit dem Pkw einer jungen Familie zusammenstieß.
In diesem Fahrzeug starb der 33-jährige Vater noch am Unfallort. Seine hochschwangere Frau erlitt schwere Verletzungen, das Kind musste per Notkaiserschnitt auf die Welt gebracht werden, verstarb jedoch wenige Wochen nach dem schrecklichen Ereignis.
Die ebenfalls im Fahrzeug sitzende dreiährige Tochter des Paares wurde leicht verletzt. Der Unfallverursacher selbst erlitt lebensgefährliche Verletzungen.
Ein nachfolgendes Fahrzeug konnte nicht mehr rechtzeitig abbremsen und fuhr in die Unfallstelle, wodurch dessen Fahrzeugführer ebenfalls leichte Verletzungen davon trug.
Neun der tödlichen Verkehrsunfälle wurden durch Pkw-Fahrer, drei Unfälle durch motorisierte Zweiradfahrer und ein Unfall durch den Führer eines Lkw verursacht. In sieben Fällen war der Verursacher jeweils alleine beteiligt.
Bei fünf tödlichen Verkehrsunfällen war überhöhte Geschwindigkeit ursächlich. Vier weitere Unfallverursacher standen unter dem Einfluss von Alkohol und/oder Betäubungsmitteln. Jeweils zwei Unfälle wurden wegen Missachtung der Vorfahrt verursacht.
Grundsätzlich gelte, je schwerer die Unfallfolge, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass nicht angepasste Geschwindigkeit und/oder Alkohol oder Drogen zumindest mitunfallursächlich seien, so die Polizei.
Kinder fit machen für den Verkehr
Nach wie vor unternimmt die Polizei große Anstrengungen im Bereich der Verkehrsprävention in Kindergärten und Schulen, um durch Verkehrsunterricht die Kinder auf das sichere Verhalten im Straßenverkehr vorzubereiten.
Risikogruppe Junge Fahrer
Die Altersgruppe der sogenannten „Jungen Fahrer“ (18 bis 24 Jahre) war an insgesamt 2156 Verkehrsunfällen beteiligt. Dies entspricht 22,5 % aller Verkehrsunfälle im Jahr 2015.
Senioren unterschätzen Wirkung von Medikamenten
Ein nicht zu unterschätzendes Problem bei den Senioren bestehe in der Einnahme von Medikamenten und deren Wirkung auf die Verkehrstüchtigkeit, so die Polizei.
Oft würden Medikamente eingenommen, ohne auf die möglichen Nebenwirkungen zu achten.
Zudem ergäben sich oft aufgrund körperlicher und gesundheitlicher Beeinträchtigungen Einschränkungen hinsichtlich ihrer Fahrtüchtigkeit.
Bezüglich der Unfallursachen spielt Geschwindigkeit in dieser Altersgruppe eine untergeordnete Rolle. Weitaus größere Bedeutung erlangt hingegen die Unfallursache Wenden/Rückwärtsfahren, wegen Einschränkungen bei der Beweglichkeit, beispielsweise dem Kopfdrehen
Risikogruppe Radfahrer
An insgesamt 374 Verkehrsunfällen waren Radfahrer beteiligt, davon in neun Fällen Fahrer eines sogenannten Pedelec. Auffällig ist hier die relativ große Anzahl von Personenschäden.
Motorradfahren ist gefährlich
Motorisierte Zweiradfahrer waren im Jahr 2015 an 299 Verkehrsunfällen beteiligt.
Davon wurden in 215 Unfällen (72 %) mindestens ein Beteiligter verletzt. Fünf Motorradfahrer starben, 68 wurden schwer verletzt und weitere 151 erlitten leichte Verletzungen.
Diese Zahlen belegen das nach wie vor immens hohe Verletzungsrisiko motorisierter Zweiradfahrer.
In 157 Fällen war der Führer des motorisierten Zweirades der Hauptunfallverursacher. Die führende Unfallursache ist nach wie vor nicht angepasste Geschwindigkeit.
Risikogruppe Schwerverkehr
Im vergangenen Jahr wurden 1232 Verkehrsunfälle mit Lastwagen und Sattelzügen registriert. Dies entspricht rund 13 % der Gesamtunfälle und stellt im 5-Jahres-Vergleich einen Tiefststand dar,
Durch speziell im Bereich des Schwerverkehrs sowie des gewerblichen Güter- und Personenverkehrs ausgebildete Polizeibeamte wurden im Laufe des Jahres 2015 insgesamt 1.594 Fahrzeuge kontrolliert.
Dabei ergaben sich 451 Beanstandungen, also bei rund 28 % der kontrollierten Fahrzeuge.
Die Bandbreite der Einzelmaßnahmen erstreckt sich von der Verwarnung über Berichte an die Bundesanstalt für Güterverkehr bis hin zur Einleitung von Strafverfahren. In 17 Fällen wurde die Weiterfahrt untersagt, bis beispielsweise der technische Mangel behoben oder die Ruhepause nachgeholt worden war. (red/pol)

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Handy am Steuer für 10% der Unfälle verantwortlich…
…gerade gestern mal wieder einen Freund und Helfer mit Handy am Ohr gesehen und das war kein eingebauter Funk des Streifenwagens!