Sonntag, 04. Dezember 2022

Ungeliebte Uni-Fusion: Minister Wolf kann nicht beruhigen

19. März 2019 | Kategorie: Landau, Regional

Der Landauer Stadtvorstand begrüßte Bildungsminister Wolf (2.v.r.) zu einem Infogespräch.
Foto: Pfalz-Express/Ahme

Landau. Kurz nachdem gestern Abend (18. März) Bildungsminister Wolf öffentlich im Landauer Rathaus Stellung zur geplanten Uni-Fusion genommen hatte, kam die Meldung, dass der Kaiserslauterer Stadtrat eine Resolution eben dazu in seiner Sitzung verabschiedet hatte.

Darin hieß es, dass der Gesetzentwurf erst im Landtag eingebracht werden solle, wenn beide betroffene Unis zu einem Konsens über die Modalitäten gekommen seien. Der Senat der TU Kaiserslautern hatte letzte Woche sogar die Forderung formuliert, den Fusionsbeschluss vorläufig auszusetzen.

Unbehagen deutlich spürbar

Unbehagen überall, so könnte man die Stimmung auch gestern Abend beschreiben. Die Landauer Stadtratsfraktionen, Verwaltung, die Präsidentin der Uni-Koblenz, deren Vizepräsidentin, zwei Vertreter des Landauer ASTA, Professor Holger Burckhart für das Expertengremium und auch einige Bürger waren zu einem Infogespräch ins Rathaus gekommen um Minister Wolfs Statements zu hören.
Fragen durften mit Rücksicht auf den zeitlichen Rahmen nur von den Fraktionsvorsitzenden gestellt werden.

Der Wirtschaftsstandort Landau solle keinen Schaden nehmen und die Stadtentwicklung solle durch Unklarheiten nicht in schwierige Situationen kommen, so OB Hirsch zu Beginn der zweistündigen Veranstaltung.

„Hochschulen müssen sich neu aufstellen bei einer Zunahme der Studentenzahlen um 20 Prozent in Rheinland-Pfalz“, so Wolf. Er beschrieb treffend den Prozess des Landauer Campus aus einem rein aufs Lehramt ausgerichteten Bildungsangebot hin zu einer mit vielen weiteren Profilen ausgestatteten Universität jenseits des Lehramts. Aufgrund der zunehmenden Größe und des Bildungsangebots mache eine Trennung (von Koblenz) Sinn.

TU Kaiserslautern und Campus Landau sieht Wolf zusammenpassend, weil „sie sich unterscheiden, aber auch ein gemeinsames Entwicklungspotential haben“.

Aufnahme zu Beginn des Abends – es kamen später noch Besucher dazu.
Foto: Pfalz-Express/Ahme

Neue Uni soll zum Wintersemester 2022 funktionsfähig sein

Den zeitlichen Rahmen konnte Wolf schon benennen: zu Beginn des Wintersemester 2022 solle die neue Uni funktionsfähig sein. Es gehe um gute Wissenschaft und gesellschaftliche Entwicklung – Beides müsse beachtet werden, so Wolf. Arbeitsgruppen sollen sich mit den Hochschulen und Vertretern der Städte zusammensetzen.

Fragen und Bedenken zum Zusammenschluss

In der ersten Fraktionsrunde wurden Fragen und Bedenken laut. Peter Lerch von der CDU-Fraktion, die den Antrag, Wolf einzuladen, im Stadtrat gestellt hatte, begann den Fragenreigen.

Wird es eine Neugründung geben, wie wird der Name der fusionierten Universität lauten, soll es einen externen Präsidenten geben? Und auch das Problem der möglichen Gremienmehrheit (der TU Kaiserslautern), der Landesmittel und der chronischen Unterfinanzierung der Landauer Uni, lagen ihm auf dem Herzen.

Armin Schowalter (SPD) sprach Wolf ein Kompliment aus: „Ihnen ist etwas Überraschendes gelungen, indem plötzlich Raum für Neues da ist“. Ergebnisoffene Gespräche wünschte er sich, wollte aber auch Näheres zu Vizepräsidenten, Namen, etwaiger Stabstelle und Wirken der Landauer Uni ähnlich der TU KL, in der Großregion, erfahren.

Lukas Hartmann, Grünen-Fraktionschef monierte, den bisher „nicht besonders gelungenen kommunikativen Prozess“. Auch er fragte nach den Vorteilen einer Fusion und befürchtete, dass man nicht mit KL auf Augenhöhe sei, falls es zu einem Anschluss komme. Er machte den Vorschlag einer S-Bahn-Linie zwischen Kaiserslautern und Landau („Das Geld müsste jedenfalls nicht aus Ihrem Hause kommen“.

Wolfgang Freiermuth (FWG) sagte: „Es wird uns etwas übergestülpt, wir werden an die Wand gedrückt“. Er befürchtete auch wirtschaftliche Nachteile. „Möglicherweise ist Landau nur ein Anhängsel und kommt unter die Räder“, so Freiermuth. Das meint auch Dr. Migl von der Pfeffer und Salz-Fraktion: „Ich glaube nicht, dass Landau von einer Fusion profitieren wird“. Sie glaubt, dass Finanzprobleme verschleiert werden sollen.

Wolf: Finanzierung ist gewährleistet

Details könne man seitens der Landesregierung nicht vorgeben, so der Bildungsminister. Die Finanzierung sei durch den Hochschulpakt gewährleistet – die beiden Unis sollten ihre Forschungsschwerpunkte vorbringen und neue Studienangebote könnten entstehen. Die fusionierte Uni könne durchaus in eine Großregion ausstrahlen und einen Namen würden sich die Unis selbst geben. „Wir haben kein Umlegen eines Schalters, sondern eine kontinuierliche Entwicklung; es gibt keine Neugründung und auch keine Anbindung“, erklärt Wolf.

ASTA: Planloses Schalten – mangelnde Transparenz

Die beiden ASTA-Vertreter sprechen von „Planlosigkeit“, „unsicherer Zukunft“: „Wir brauchen feste Regelungen und kein Wischiwaschi“. Das Land müsse die finanziellen Grundpfeiler setzen. Man habe Entscheidungen ohne die Studenten getroffen. Außerdem: „“Kaiserslautern verschließt sich und wir sind nicht auf Augenhöhe“.

„Ich bin hier als Vertreterin des Ganzen wie auch der einzelnen Standorte“, so Uni-Präsidentin Kallenrode. „Es gibt die Uni Koblenz-Landau, man kann eine Fusion nicht so einfach übertragen“. Man müsse außerdem den Unistandort Landau erst einmal in die Lage versetzen, in eine Fusion eintreten zu können: „Über die rechtlichen Rahmenbedingungen bin ich nicht glücklich“.

Hirsch: Doppel-Uni auflösen für eine Doppel-Uni

„Es soll eine Doppel-Uni aufgelöst werden um in eine andere Doppel-Funktion einzutreten“. Das erinnere eher an eine Annexion als an eine Fusion“, so OB Hirsch, sichtlich verärgert. Man fühle sich als ungeliebtes Schwesterlein. Was Kaiserslautern „von sich gegeben hat, ist unterirdisch“, so Hirsch.

Expertenkommissions-Leiter: „Ich rede lieber von Zusammenführung“

Landau solle nicht zerrieben werden, fordert Professor Burkhart. Der Bildungsstandort Rheinland-Pfalz solle zukunftsfähig gemacht werden. Dafür müsse das Potential der Landauer Uni weiter entwickelt werden, zusammen mit Kaiserslautern, das in seiner „Solitärfunktion“ nicht bleiben könne. „Fusion höre ich nicht gerne, ich rede lieber von Zusammenführung“, so Burkhart. Man solle nach einer gemeinsamen „Dritten Ebene“ suchen mit klaren Strukturen.

Bei der sich anschließenden zweiten Fraktions-und Fragerunde zeigten sich die Fraktionsvorsitzenden und ASTA-Vertreter nicht überzeugt von dem Gehörten. „Sie müssen noch häufiger kommen“ meinte zum Beispiel Lukas Hartmann. Vizepräsidentin Schaumann sagte: „Wir brauchen ein gutes Klima und ein gemeinsames Interesse beider Partner“.

Wolf: „Wir müssen eine Einigung finden“

„Es gibt keinen detaillierten Plan, aber klare Ziele und einen Zeitrahmen dazu“, so Wolf. Man werde weitere Gespräche führen. „Machen Sie aber keine Strichliste“. Er machte aber ebenso deutlich, dass man eine Einigung finden müsse. In der heutigen Hauptausschuss-Sitzung wird noch einmal nichtöffentlich im Stadtrat über die gewonnenen Erkenntnisse gesprochen, kündigte OB Hirsch an. (desa)

Foto: Pfalz-Express/Ahme

 

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