Montag 18.Mai 2026

Stadt Landau will Bebauungsplan für Innenstadtentwicklung neu ordnen – Ausschuss-Sitzung bringt kein Ergebnis

6. Mai 2026 | Kategorie: Landau, Regional, Regional

Das ehemalige Gummi-Mayer-Gelände, heute nur noch mit Euromaster als Mieter. Zu sehen Ecke Ostring (unten) Nordring (rechts).
Foto: Rolf H. Epple/Pfalz-Express

Landau. Die Stadt reagiert auf eine juristische Niederlage und will die Weichen für die städtebauliche Entwicklung im nordöstlichen Innenstadtbereich neu stellen.

Ein rund 1,7 Hektar großes Areal zwischen Nord- und Ostring sowie entlang der Straße „Am Großmarkt“, als Gummi-Mayer-Gelände bekannt, soll mit einem neuen Bebauungsplan überarbeitet werden. Ziel ist es, Planungssicherheit zurückzugewinnen – und zugleich ein zukunftsfähiges Nutzungskonzept für ein bislang untergenutztes Schlüsselgebiet zu etablieren.

Gerichtsurteil zwingt zum Handeln

Auslöser ist ein Urteil des Verwaltungsgerichts Neustadt vom April 2026. Dieses hatte einen ablehnenden Bauvorbescheid für einen Drogeriemarkt aufgehoben und Zweifel an der Wirksamkeit des erst 2025 in Kraft getretenen Bebauungsplans „B 9, Nordring–Industriestraße“ geäußert.

Nach Auffassung des Gerichts seien einzelne Festsetzungen rechtswidrig, weshalb das Vorhaben nach § 34 Baugesetzbuch zu beurteilen sei – also ohne verbindliche Steuerung durch einen Bebauungsplan.

Für die Stadt ist dies ein Einschnitt: Ohne rechtssichere Bauleitplanung droht der Verlust der Steuerungsfähigkeit, insbesondere bei der Ansiedlung großflächigen Einzelhandels. Ein Drogeriemarkt außerhalb des definierten zentralen Versorgungsbereichs widerspreche den strategischen Zielen der Stadtentwicklung und könne die Innenstadt schwächen.

Brachliegende Potenziale im Fokus

Im Zentrum der Planung steht ein privat gehaltenes Firmenareal, das seit Jahrzehnten weitgehend unverändert ist. Während ein Kfz-Werkstattbetrieb weiterhin aktiv ist, stehen größere Hallen- und Büroflächen leer oder werden nur eingeschränkt genutzt. Konkrete Nachnutzungskonzepte der Eigentümer sind bislang nicht erkennbar.

Die Stadt sieht hierin ein erhebliches Entwicklungspotenzial – nicht nur zur Nachverdichtung, sondern auch zur funktionalen Neuordnung eines bislang heterogenen Gebietes. Auch die angrenzende Straße „Am Großmarkt“, geprägt durch gestalterische Defizite und Nutzungskonflikte, soll in diesem Zuge neu gedacht werden.

OB Dr. Geißler und Bauamtsleiter Christoph Kamplade im Bauausschuss am 5. Mai.
Foto: Rolf H. Epple/Pfalz-Express

„KulturWohnHof“ als Leitbild

Kern der Neuplanung ist das Konzept eines sogenannten „KulturWohnHofs“. Dahinter verbirgt sich eine Mischung aus Wohnen, Kultur, Sport und gemeinschaftlichen Nutzungen, die dem Quartier eine neue Identität geben soll. Die Idee basiert auf einem breit angelegten Beteiligungsprozess mit Verwaltung, Bürgerschaft und Eigentümern.

Vier strategische Leitlinien prägen die Planung:

 • Klimagerechte Freiräume: Mehr Grünflächen, Entsiegelung und eine stärkere Vernetzung von Freiräumen sollen die hohe thermische Belastung reduzieren.
 • Zukunftsfähige Mobilität: Verkehrsberuhigung, sichere Fuß- und Radwege sowie neue Mobilitätsangebote stehen im Fokus.
 • Nachhaltige Innenentwicklung: Dichtere Bebauung bei gleichzeitiger ökologischer Aufwertung – etwa durch Dach- und Fassadenbegrünung.
 • Vielfältige Nutzungsmischung: Eine abgestufte Kombination aus Wohnen, Gewerbe und kulturellen Angeboten soll das Quartier beleben.

Christoph Kamplade
Foto: Rolf H. Epple/Pfalz-Express

Einzelhandel bleibt sensibler Punkt

Besondere Bedeutung kommt der Steuerung des Einzelhandels zu. Die Stadt verfolgt das Ziel, nur solche Handelsnutzungen zuzulassen, die den zentralen Versorgungsbereich ergänzen, ohne in Konkurrenz zu treten. Damit soll eine Zersplitterung der Einzelhandelsstruktur vermieden werden.

Planungsrechtlich wird derzeit geprüft, ob ein „Urbanes Gebiet“ oder eine Kombination mit einem Kerngebiet festgesetzt wird. Beide Optionen ermöglichen eine hohe Nutzungsdichte bei gleichzeitiger Mischung unterschiedlicher Funktionen.

Ausschuss für Stadtentwicklung, Bauen und Mobilität vom 5. Mai: Sitzung bringt kein Ergebnis

Der Tagungspunkt Bebauungsplan „B 11, Am Großmarkt “ der Stadt Landau in der Pfalz; Aufstellungsbeschluss gemäß § 2 Abs. 1 Baugesetzbuch (BauGB) wurde zur Überraschung einiger Ausschussmitglieder vor Sitzungsbeginn in den „Nicht-Öffentlichen“ Teil der Sitzung verlegt. Ein Ergebnis konnte dort offenbar nicht erzielt werden. Inwieweit sich der Stadtrat in einer der nächsten Sitzungen damit beschäftigen wird, ist noch offen. Dazu auch der Landauer OB Dr. Dominik Geißler.

Statements der Fraktionen Pfeffer&Salz, AfD, CDU, SPD, Grüne, FWG  und FDP/FW liegen dem Pfalz-Express vor und werden unter dem jeweiligen Link gesondert veröffentlicht.

Wirtschaftsförderer Martin Messemer stellte das Einzelhandelskonzept vor.
Foto: Rolf H. Epple/Pfalz-Express

Es ging um Marktsortimente…
Foto: Rolf H. Epple/Pfalz-Express

…und Standorte.
Foto: Rolf H. Epple/Pfalz-Express

 

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