
Kohls Witwe Maike Kohl-Richter mit dem Sarg des verstorbenen Altbundeskanzlers.
Fotos: Pfalz-Express/Licht
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Speyer – Mit einem militärischen Ehrenzeremoniell der Bundeswehr sind am Samstagabend die offiziellen Trauerfeierlichkeiten für Helmut Kohl zu Ende gegangen. Beim Requiem im Dom nahmen rund 900 geladene Gäste Abschied vom Altbundeskanzler.
In Speyer traf sich das Who is Who der deutschen Politik, aber auch der ehemalige US-Präsident Bill Clinton, der ungarische Ministerpräsident Victor Orban oder Jean-Claude Juncker, der Präsidenten der Europäischen Kommission, gaben Kohl die letzte Ehre.
Kanzlerin Angela Merkel traf als erste Politikerin in Speyer ein. Sie zeigte sich volksnah, ging zu den Absperrungen, schüttelte Hände und sprach mit Bürgern.
Zuvor hatte sie beim Europäischen Staatsakt in Straßburg eine Rede gehalten und gesagt, sie verneige sich vor dem Altkanzler und seinem Andenken. Nach dem Trauerakt, dem ersten seiner Art für einen Politiker, wurde der Sarg nach Ludwigshafen geflogen, wo die Bevölkerung von Kohls Heimatstadt bei einem Trauerkondukt Abschied nehmen konnte.
Dann ging es per Schiff nach Speyer. Kohl war am 16. Juni im Alter von 87 Jahren in Ludwigshafen gestorben.
Bundestagspräsident Norbert Lammert, Bundespräsident Frank Walter Steinmeier, Außenminister Siegmar Gabriel, Innenminister Thomas de Maiziere, Verkehrsminister Alexander Dobrindt, Arbeitsministerin Andrea Nahles, Gesundheitsminister Herrmann Gröhe, CDU-Generalsekretär Peter Tauber, RLP-Ministerpräsidentin Malu Dreyer und viele Vertreter des rheinland-pfälzischen Landtags strömten in den Dom – die Liste der Polit-Prominenz war lang.
Aber auch alte Freunde von Kohl waren dort. So ein Jugendfreund, der jahrzehntelang jeden Freitagabend mit Kohl sauniert hatte, wie er dem Pfalz-Express erzählte: „Helmut ist immer pünktlich gewesen und hat fast nie einen Termin versäumt.“ Auch Gartenfeste habe man regelmäßig zusammen gefeiert, was mit zahlreichen Fotos dokumentiert wurde.
Beim Gottesdienst im Kaiserdom würdigte Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann den langjährigen Kanzler als „einen wahrhaft großen Staatsmann“ und als einen Architekten der Wiedervereinigung.
Die große Zahl hochrangiger Gäste zeige die „herausragende Bedeutung seiner Verdienste um Deutschland und Europa, ja um Versöhnung und Frieden in der Welt an“, so Wiesemann. Kohl habe seine pfälzische Heimat und sein deutsches Vaterland geliebt und aus einem „weiten, universalen Horizont heraus gelebt und gehandelt.“
Patriot und Europäer zu sein, seien für Helmut Kohl zwei Seiten ein und derselben Medaille gewesen. „Die deutsche Einheit, fest eingebunden in die Europäische Gemeinschaft, wird zu Recht immer mit Helmut Kohls Namen verbunden bleiben“, so der Bischof. Das „Zusammentreffen der Gunst der Stunde mit dem Menschen, der sie ergreift“ sei das „Geheimnis der Geschichte“.
Im Dom waren rund 900 geladene Gäste anwesend. Etwa 1.500 bis 2.000 Menschen feierten den Gottesdienst im südlichen Domgarten mit, wohin die Messe mit einer Bildschirmleinwand übertragen wurde. Der Platz war für 3.500 Personen kalkuliert worden.
Nach der Totenmesse wurde der Sarg Helmut Kohls beim Auszug aus dem Dom von Soldaten der Bundeswehr durch das Mittelschiff auf den Domplatz getragen, begleitet vom Läuten der Totenglocke.
Kohl wurde anschließend im engsten Freundes- und Familienkreis auf dem Speyerer Domherrenfriedhof beigesetzt. Seine Söhne blieben sowohl dem Trauerakt in Straßburg als auch dem Requiem in Speyer fern. Kohls älterer Sohn Walter hatte sich öffentlich kritisch geäußert, weil Maike Kohl-Richter einen europäischen Staatsakt forciert hatte, es keinen nationalen Staatsakt für seinen Vater gab und Kohl nicht im Familiengrab in Ludwigshafen neben seiner ersten Ehefrau (und Mutter von Walter und Peter Kohl) beigesetzt wird.
Beim Trauerakt in Straßburg hatte am Vormittag EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker Kohl als „Giganten der Nachkriegszeit“ bezeichnet. Auch EU-Ratspräsident Donald Tusk würdigte, dass Kohls Visionen immer „weit über die deutschen Interessen hinausgegangen“ seien. Bill Clinton sagte auf dem Trauerakt: „Ich liebe diesen Mann“, der sich für Freiheit, Frieden und Sicherheit eingesetzt habe. (cli/red)
Requiem im Dom (Fotos: Klaus Landry)

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