Germersheim – Die CDU-Fraktion im Stadtrat hat beantragt, eine Straße oder einen Platz nach dem verstorbenen ehemaligen Bundeskanzler und Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz, Dr. Helmut Kohl, zu benennen.
„Neben den allseits bekannten Verdiensten von Dr. Kohl um das Land Rheinland-Pfalz, die Bundesrepublik, die deutsche und europäische Einigung hatte Dr. Kohl auch eine besondere Beziehung zu Germersheim“, heißt es in dem Antrag.
Und weiter: „Anfang der 1950er Jahre studierte Hannelore Kohl, damals Hannelore Renner (1933-2001), die spätere Ehefrau von Helmut Kohl, Englisch, Französisch und Spanisch am damaligen Auslands- und Dolmetscherinstitut in Germersheim. Helmut Kohl soll oftmals seine spätere Frau in Germersheim besucht haben.“
Vor diesem Hintergrund hat die Fraktion mit ihrem Vorsitzenden Dr. Wolfgang Sorge gebeten, eine Straße oder einen Platz nach dem Altbundeskanzler zu benennen. Welche Straße oder welcher Platz das konkret sein soll, könne bei der nächsten Sitzung besprochen oder festgelegt werden, so Sorge.
SPD: Hannelore Kohl hat ebenfalls Verdienste in Germersheim
Die SPD-Fraktion hat prinzipiell nichts dagegen, stößt sich aber an der Begründung, wie Markus Pfliegensdörfer, Vorsitzender SPD-Fraktion im Germersheimer Stadtrat, und SPD-Ratsmitglied Simon Bolz mitteilten.
Die Begründung des CDU-Antrags sei „befremdlich“, Hannelore Kohl verdiene eine eigene Ehrung, findet die SPD.
In einer Mitteilung heißt es, die Benennung von Straßen und Plätzen nach verstorbenen Bundeskanzlern sei eine „Ehrerweisung für deren Verdienste für Deutschland und Europa.“
Tatsächlich wurde vor noch nicht allzu langer Zeit in Germersheim ein Weg nach dem ehemaligen sozialdemokratischen Bundeskanzler Willy Brandt (1913-1992) benannt. Dass die Verdienste Kohls eine solche Ehrung ebenfalls rechtfertigten, stehe außerhalb jeder Diskussion, so Pfliegensdörfer und Bolz.
Befremdlich sei jedoch die angeführte Begründung der CDU-Stadtratsfraktion bezüglich der “besondere Beziehung” Kohls zur Stadt (Zitat siehe oben: `Hannelore Kohl (1933-2001), damals Hannelore Renner, Helmut Kohls spätere Ehefrau, studierte Anfang der 1950er Jahre in Germersheim und soll während dieser Zeit oftmals von ihrem späteren Ehemann in Germersheim besucht worden sein´).
„Diese Tatsache als Begründung und Rechtfertigung zur Benennung einer Straße nach dem Politiker Helmut Kohl mit anzuführen ist keinesfalls nachvollziehbar, hält man sich die privaten Entscheidungen Helmut Kohls, was die Bestattung betrifft, und dessen zweiter Ehefrau, was den Umgang mit der Familie betrifft, vor Augen“, schreiben die zwei Germersheimer SPD-Politiker. „Vielmehr sollte man sich würdevoll und wertschätzend daran erinnern, dass Hannelore Kohl sich durch ihr vielfältiges und langjähriges soziales Engagement, unter anderem für hirnverletzte Unfallopfer mit Schädel-Hirn-Trauma, persönliche Verdienste erworben hat.“
Pfliegensdörfer und Bolz schlagen vor: „Vor diesem Hintergrund solle eher angeregt und darüber debattiert werden, eine Straße in unserer Stadt nach deren ehemaliger Studentin Hannelore Kohl und ihrem späteren verdienstvollen Engagement zu benennen, ohne dabei die beantragte Namensgebung einer Straße nach Dr. Helmut Kohl in Frage zu stellen.“ (red)

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