Berlin – Der deutsche Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber warnt vor „desaströsen und unumkehrbaren Folgen“ für die Welt, falls sich die USA unter Präsident Donald Trump aus den internationalen Klimaverhandlungen zurückzögen.
„Es wäre tragisch, wenn die USA als Partner im internationalen Klimaschutz ausfielen – auch für das Land selbst, da Nordamerika von zunehmenden Wetterextremen besonders hart getroffen würde“, sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.
„Würde das Pariser Klimaabkommen nicht umgesetzt, würden wir die direkten Folgen erst in 20 oder 30 Jahren spüren – und später noch viel schmerzhafter“, sagte Schellnhuber. Von Trump spräche dann allerdings niemand mehr, die Welt müsste sich mit den desaströsen und unumkehrbaren Auswirkungen seiner Politik eben abfinden.
Unter US-Klimaforschern herrsche blankes Entsetzen darüber, dass sich die USA vom Geist der Aufklärung verabschiedeten. „Darauf läuft es doch hinaus, wenn plötzlich die wissenschaftlichen Fakten nicht mehr als Entscheidungsgrundlage dienen sollen“, sagte Schellnhuber. Heute sei es „der Reflex der frustrierten Mittelschichten, eigene Interessen in den Vordergrund zu stellen und die Rücksichtnahme auf künftige Generationen einfach zu ignorieren“, kritisierte er.
Dieses Denken sei leider hoffähig geworden. „Und es brauchte Menschen wie Donald Trump, ihm ein Gesicht zu geben.“ Wider alle Vernunft sei die Menschheit auf dem Weg zurück in ein vordemokratisches Politikverständnis, in dem sich jeder selbst der Nächste sei. Aus Sicht des Klimaforschers müsse alles getan werden, um den Anstieg der globalen Mitteltemperatur auf unter zwei Grad zu beschränken.
„Entweder wir dekarbonisieren in den nächsten Dekaden die komplette Weltwirtschaft, oder wir können alle Vorstellungen über eine Klimastabilisierung auf beherrschbarem Niveau vergessen“, mahnte Schellnhuber, der die Bundesregierung und auch die EU berät.
Es sei ein fataler Verdrängungsprozess, wenn Klimaschutzpläne routinemäßig in die nächste Legislaturperiode geschoben würden oder Gewerkschaften jeden Arbeitsplatz in der Braunkohle verteidigten, kritisierte er. „Niemand will die Zumutungen aussprechen, die notwendig wären, um das gemeinsame Ziel zu erreichen.“ (dts Nachrichtenagentur)

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