
Entzündung der Osterkerze am Osterfeuer.
Foto: © Klaus Landry
Speyer – „Lumen Christi – Deo gratias“: Mit diesem Ruf wurde in der Osternacht die zuvor am Feuer entzündete Osterkerze in den dunklen Speyerer Dom getragen. Währenddessen reichte man das Licht an die Gläubigen weiter, die ihre Kerzen daran entzündeten und so den Raum nach und nach erhellten.
Im anschließenden Gottesdienst wandte sich Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann in seiner Predigt an die Gemeinde. Er sprach über die symbolische Bedeutung des Osterlichts: „Das wird uns an Ostern geschenkt: Ein Licht, Ihr Licht, das Sie jetzt in den Händen halten, das im Inneren mitgeht.“ Auch in Momenten, in denen vieles dunkel erscheine, könne dieses Licht Kraft geben.

Foto: © Klaus Landry
In der Osternacht wurde zudem der 18-jährige Leeven Schwan getauft. Wiesemann schilderte, dass der junge Mann sich bereits seit längerem zum Glauben hingezogen gefühlt habe und darin Kraft und Orientierung gefunden habe.
Der Bischof: „Da hat er gespürt, dass da jemand da ist, der ihn beim Namen ruft, der ihm sagt, es ist nicht egal, dass du da bist.“ Abschließend lud er die Gemeinde ein, den Taufglauben gemeinsam zu erneuern: „Wir dürfen alles Hoffnungsmüde ablegen und Kinder des Lichtes in dieser Welt sein.“

Foto: © Klaus Landry
Freiheit durch Auferstehung
Auch am Ostersonntag feierte Bischof Wiesemann ein Pontifikalamt im Speyerer Dom, musikalisch begleitet von Nachwuchs- und Aufbauchören des Mädchenchors und der Domsingknaben sowie den Dombläsern.
In seiner Predigt sprach der Bischof über aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen und nannte Beispiele wie die Epstein-Affäre sowie Deepfake-Betrug im Zusammenhang mit dem Schauspieler Christian Ulmen. Auch die Erinnerungen der Französin Gisèle Pelicot griff er auf. Ihr Buch trage den Titel „Eine Hymne an das Leben“, obwohl es von schweren persönlichen Erfahrungen geprägt sei. Besonders hob Wiesemann den Moment hervor, in dem Pelicot ihr Leid öffentlich machte.

Foto: © Klaus Landry
An die Gemeinde gerichtet fragte der Bischof, was Auferstehung im Kern bedeute. Nach christlichem Verständnis beschränke sie sich nicht auf ein Leben nach dem Tod, sondern wirke bereits im Hier und Jetzt, insbesondere im Zusammenhang mit der Taufe. Diese verstehe er als Quelle innerer Stärke, die Menschen gegen Angst, Ohnmacht und das Böse widerstandsfähig mache.
Durch das Handeln Jesu am Kreuz habe sich zudem die Sicht auf Macht und Leben verändert und Raum für ein gemeinsames, freieres Miteinander eröffnet. Daraus ergebe sich eine Freiheit, die Menschen dazu befähige, Verantwortung zu übernehmen und zwischen Gut und Böse zu unterscheiden.
Diese „Freiheit der Kinder Gottes“ versteht Wiesemann als Auftrag, sich für Würde, Leben und Mitmenschlichkeit einzusetzen. Eine solche Haltung könne dazu beitragen, destruktiven Entwicklungen entgegenzutreten und jene zu entlarven, die „im Narzissmus ihrer Machtspiele und im Zynismus ihrer Menschenverachtung unsere Welt zersetzen, Misstrauen säen, Gesellschaft spalten und Gemeinschaft zerstören“. Statt Resignation brauche es aktives Eintreten für das Leben und eine Haltung der Hoffnung.
Als Beispiel nannte er Menschen, die ihr Leid öffentlich machen und dadurch bei anderen etwas in Bewegung setzen. „Menschen, die vorher in ihrer Ohnmacht wie tot waren, atmen auf einmal auf.“
Eine solche Haltung brauche die Gesellschaft, um Vertrauen und Zusammenhalt zu stärken. Statt Resignation sei aktives Handeln gefragt: Man solle sich für das Leben einsetzen und einer Haltung der Hoffnung statt der Niedergeschlagenheit Raum geben. „Statt dem Klagelied des Zerfalls sollten wir den Aufstand des Lebens wagen und statt der kollektiven Depression eine österliche Hymne an das Leben.“

Bischof Wiesemann mit Täufling Leeven Schwan und seiner Tauf- und Firmpatin Stephanie Löffler.
Foto: © Thomas Ott

Foto: © Klaus Landry

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