
Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann bei der Osterpredigt 2025 im Dom.
Foto: (C) Klaus Landry
Speyer – Bischof Dr. Karl‑Heinz Wiesemann hat in seiner diesjährigen Osterpredigt im Speyerer Dom dazu aufgerufen, Ostern nicht als bloßen Kalendereintrag zu betrachten, sondern als Aufforderung, in einer von Krisen geprägten Welt wieder nach Hoffnung, Gerechtigkeit und Versöhnung zu suchen.
Mit einem Augenzwinkern verwies Wiesemann gleich zu Beginn auf einen aktuellen Werbeslogan: „Wenn Sie Ostern suchen, finden Sie es bei Aldi.“ Zugleich hinterfragte er, ob es tatsächlich stimmen könne, dass vielen Menschen das zentrale christliche Glaubensfest heute kaum noch etwas bedeute. „Ist es das, was man sucht, wenn man Ostern sucht?“, fragte er in die Reihen der Gläubigen.
Im Zentrum seiner Botschaft stand die Einladung, die Welt mit „Osteraugen“ zu betrachten – Augen, die den Blick vom Tod lösen und stattdessen Leben und Aufbruch erkennen. „Nein, es gibt keinen Stein in dieser Welt, der so schwer wäre, dass er nicht weggewälzt werden kann“, betonte der Bischof und fügte hinzu: Ostern zeige, „dass das Grab keine Endstation, sondern der Ort ungeahnter neuer Begegnung mit dem Leben“ sei.
Gleichzeitig warnte er vor den selbsternannten „Göttern“ unserer Zeit: „Die zerstörerischen Mächte in dieser Welt leben aus maßloser Selbstanmaßung. Sie halten sich für Gott und sind doch nur erbärmliche Sklaven ihres eigenen Narzissmus, ihrer Gier, ihres Wahns, ihres Hasses.“
An die Christen richtete er die Aufforderung, in schwierigen Zeiten Haltung zu zeigen: „Auch in unserer Welt braucht es Menschen mit nüchternen und mutigen Osteraugen, die durchblicken und der Perversion der Macht widerstehen.“
Inmitten von Kriegen, gesellschaftlichen Spannungen und wachsender Gleichgültigkeit gelte es, Ostern als Fest der Menschenwürde und der versöhnenden Liebe zu verstehen. „Ostern ist im wahrsten Sinn die Revolution des Lebens und Liebe gegen all die Kräfte, die die Angst und Hoffnungslosigkeit der Menschen ausnützen zu ihren Machtzwecken“, so Wiesemann.
Seinen Schlussgedanken widmete der Bischof einem Aufbruch ins Leben: „Wer sich mit Osteraugen auf den Weg macht, dem wächst die Hoffnung wieder zu.“
Musikalisch wurde der Gottesdienst von den Nachwuchs‑ und Aufbauchören des Mädchenchores und der Domsingknaben sowie den Dombläsern begleitet; auf der Orgel spielte Markus Eichenlaub. (red/cli)

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