Dienstag, 04. Oktober 2022

Mahnwache für Ukraine in Landau – Hunderte gegen „teigigen und aufgedunsenen Putin“

27. Februar 2022 | Kategorie: Kreis Germersheim, Kreis Südliche Weinstraße, Landau, Regional, Top-Artikel

Fotos: Pfalz-Express/Licht +Rolf H. Epple – FOTOSTRECKE AM TEXTENDE

Landau: Viele hundert Menschen sind am Sonntagnachmittag auf dem Rathausplatz zu einer Mahnwache für die Ukraine zusammengekommen.

Ein breites Bündnis von Parteien in Landau (Grüne, SPD, CDU, FWG, P&S, ) hatte dazu eingeladen. Es gab Redebeiträge und ein Gedicht zur Situation der Menschen in der Ukraine. Abgeschlossen wurde die Veranstaltung mit einer Schweigeminute. 

„Widerstand bis zum bitteren Ende“

Ein ukrainisches Ehepaar, mit dem der Pfalz-Express gesprochen hat, ist wütend und entsetzt über Putins Angriff auf ihr Heimatland. Die beiden leben seit Mitte der 90er Jahre in Landau, der Kontakt in die Heimat war dennoch intensiv und lebhaft. Der Mann stammt aus der Nähe von Kiew, die Frau aus Lemberg (Lwiw) im Westen der Ukraine. Es sei unfassbar, dass Putin in der Lage sei, so viel Leid anzurichten, sagten sie. „Wir sind fassungslos, dass so etwas im 21. Jahrhundert möglich ist.“

Der Bruder der Frau ist 40 Jahre alt und hat sich zum Kämpfen in der ukrainischen Armee gemeldet. Um ihn und die anderen Verwandten bangt man in größter Sorge. Aber: „Wir werden Widerstand leisten bis zum bitteren Ende.“ Für Präsident Wolodymyr Selenskyj habe man den größten Respekt.

„Russische Trolle blockieren“ 

Der Beigeordnete und OB-Kandidat der Grünen, Lukas Hartmann, sagte, auch seine Partei habe in der Vergangenheit zu viel Zurückhaltung gezeigt, als sich sein Parteikollege Robert Habeck (jetziger Wirtschaftsminister) schon vor Monaten für mehr Druck auf Russland  ausgesprochen hatte. Das sei nun zum Glück anders. Man müsse Putin entschieden Widerstand leisten.

In der Verwaltung bereite man sich auf Flüchtlinge vor. Hartmann rief dazu auf, russische Trolle im Internet zu blockieren und wachsam zu bleiben. 

„Gegen Diktatoren wappnen“

Der OB-Kandidat der CDU, Dominik Geißler, sagte, die heutige Regierungserklärung stelle das Ende der „Selbstverzwergung“ Deutschlands dar. Die Werte von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit (aus der französischen Revolution) seien Diktatoren ein Dorn im Auge. Jedwede Schwäche werde ausgenutzt. Deshalb müsse man sich gut gegen die zahlreichen Diktatoren wappnen. 

Für die Flüchtlinge müsse man jetzt schnell humanitäre Hilfen organisieren. „Wir haben eine große Fürsorgepflicht.“ 

„Teigig, aufgedunsen, krampfig“

Die deutlichsten Worte fand Bürgermeister und SPD-OB-Kandidat Maximilian Ingenthron. Eigentlich sei es ein schöner Tag, ein blau-gelber Himmel, die Farben der Ukraine. Aber Putin habe die Hölle auf Erden gebracht, sagte Ingenthron. „Teigig und aufgedunsen“ säße er an seinem Schreibtisch, die Hände umkrampften die Tischkanten: „Eine armselige Kreatur, aber brandgefährlich“. 

Mit seinen Höflingen und Ja-Sagern habe er eine brutale Diktatur errichtet, die nun nach souveränen und demokratischen Ländern greife. „Heute ist es die Ukraine, morgen vielleicht Moldawien oder das Baltikum.“ Seine Diktatoren-Kollegen schauten interessiert zu, vielleicht als Blaupause für deren eigene Ambitionen. „Da hilft kein Werfen mit Wattebäuschchen oder Spritzen mit Wasserpistolen.“ Putin verstehe nur eine Sprache. „Deswegen heißt es jetzt, in die Vollen zu gehen.“

Der Preis sei ungleich viel höher, wenn man Putin gewähren ließe, so Ingenthron. „Wir müssen handeln, bevor es zu spät ist.“ Die Ukraine verteidige gerade alle demokratischen Staaten. Aber Putin sei nicht gleich Russland, deshalb müsse man die dortigen Demokraten, die Putin Widerstand leisteten, unterstützen. 

„Russland soll Truppen zurückziehen“

„Nicht für möglich gehalten“ hatte die aktuellen Ereignisse auch der Vereinsvorsitzende von „Pfeffer und Salz“, Stefan Maaß. Man müsse „was tun“, damit Putin seine Truppen aus der Ukraine zurückziehe. Er äußerte Zurückhaltung zu den jüngst beschlossenen Waffenlieferungen und sprach sich mehr in Richtung wirtschaftliche Sanktionen aus. Das ärgerte eine Ukrainerin, die sich unter den Zuhörern befand, so sehr, dass sie den „Pfeffer und Salz“-Mann wütend niederschrie.

 Linke will mehr Hilfe für Flüchtlinge

Lisa Hartmann sagte, sie stehe hier nicht als Vertreterin der Linken, denn es ekele sie, wenn Politik und der Krieg in der Ukraine verknüpft würden. Sie kritisierte, dass es schon für Flüchtlinge beispielsweise aus Syrien und Afghanistan kaum Hilfe gegeben habe – das hätten ihre „Freund:innen“ aus jenen Ländern berichtet. Es sei ein „Drama“. Die Unterstützung für Despoten lehne sie ab. „Hoch die internationale Solidarität“, schloss Hartmann. 

„Zerstrittene Länder wieder vereint“

Der Ukrainer, mit dem der Pfalz-Express zuvor gesprochen hatte, schnappte sich kurz das Mikrofon und merkte an, dass man Putin schon acht Jahre lang (Annexion der Krim) habe gewähren lassen. Wenigstens seien aber zerstrittene Länder wie Polen und Ungarn nun gemeinsam gegen Putin wieder vereint. 

Schweigeminute

Lea Saßnowski, Fraktionsvorsitzende der Grünen und Anmelderin der Mahnwache, rief am Ende der Redebeiträge zu einer Schweigeminute auf. Stille senkte sich für diesen Moment auf den Rathausplatz herab. (cli) 
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