Kulturgemeinschaft Jockgrim: Büttenabend im Olymp der Narretei

29. Januar 2013 | Kategorie: Kreis Germersheim

Hollywoodreifer Schautanz. Foto: Baumann

„Die Jockgrimer Götter haben die Macht im närrischen Olymp zur Fasenacht“, ist das Motto der diesjährigen Fastnachtskampagne der Kulturgemeinschaft Jockgrim.

Und diese Macht nutzten die Fasenachter weidlich aus, um mit dem ersten Büttenabend das Bürgerhaus erbeben zu lassen: Los ging es mit der traditionellen Eröffnungsfanfare, dargeboten vom Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr unter der Leitung von Thomas Schehr als Weingott Bacchus und sein Gefolge.

Eindrucksvoll war dann die Präsentation des Bühnenbilds, das bis zum ersten Büttenabend stets ein wohl gehütetes Geheimnis ist: Untermalt von stimmigen Licht-, Ton- und Feuereffekten, wurde der Blick frei auf einen detailreichen Olymp voll morbiden Charmes. Den Wohnsitz der Götter hatte Michael Deilecke mit einem großen und einsatzfreudigen Helferteam mit Fantasie und Liebe zum Detail gestaltet. Im Zentrum thronten als imposantes Trio Sitzungspräsident Tobias Deutsch als Göttervater Zeus, sein Vize Christian Koch als Meeresgott Poseidon und Fastnachtsausschuss-Vorsitzender Martin Werling als Kriegsgott Ares.

Bald wich das Mystische einer närrischen Fastnachtsstimmung: Das Marschballett begeisterte mit dem schwungvollen Tanz „Folies Bergère“, synchron bis zum Spagat vorgetragen, und einstudiert unter der Leitung von Anja Getto und Eva Maria Metzger. Die weiteren Ballettgruppen der Freiwilligen Feuerwehr wussten ebenfalls zu überzeugen: Das Kleine Ballett, geleitet von Peggy Bretfeld und Denise Leidner, bezauberte mit einem munteren Medley von Neue-Deutsche-Welle-Titeln. Mit Taschenlampen, im Schwarzlicht reflektierenden Trikots und Luftballons tanzten die Mädchen sich in die Herzen der Zuschauer. Unter dem Titel „Götterdämmerung“ tanzte das von Julia Scherrer geleitete Mittlere Ballett. Die Nachwuchs-Göttinnen in Gold und Weiß präsentierten die flotten ebenso wie die getragenen Passagen voller Anmut und Kraft. Darauf hatten die Tänzerinnen sich gefreut: „Dirty Dancing“ war Thema des Schautanzes, an dem zudem sechs Tanzpaare teilnahmen und gemeinsam in die schwung- und gefühlvolle Tanzwelt der Sechzigerjahre entführten. Leiterin Kerstin Westfeld verpasste die Premiere: Am frühen Morgen hatte sie ihren Sohn zur Welt gebracht.

Die Gruppe des Gesangvereins Frohsinn nahm das närrische Volk mit auf eine Odyssee über „Terros Sigillatos Troja Nord“ und weitere Orte bis ins gelobte „Jockgros“. An jeder Station begegneten die Unerschrockenen neuen Herausforderungen, fantasievoll in Anlehnung an die griechische Mythologie erdacht, denen sie mit Witz und mitreißendem Gesang begegneten. Schräg, rhythmisch und temperamentvoll war der Auftritt der Jockgrimer Feierbatscher, die mit ausgelassener Guggenmusik den Saal zum Kochen brachten (Oberbatscher: Thomas Schehr).

Natürlich durften auch die Büttenreden nicht fehlen: Fabian Metz nahm seine Rolle als „Eisbrecher“ mit närrischer Urgewalt wahr und überzeugte als überdrehter, kein Fettnäpfchen auslassender Ehemann. Sophie Eckert zeigte sich als bezirzende Göttin der Schönheit bemüht, den hier bedürftigen Jockgrimern auf die Sprünge zu helfen. Nicht immer erfolgreich in ihrer Mission, aber stets mit Witz und dem unfehlbaren Blick für die teils skurrilen Eigenheiten der Bewohner. Eric Metz schlüpfte wieder in die Rolle des „Tratschers“, sinnierte über Männer und Frauen, seine Familie und die Jockgrimer Kommunalpolitik. Mit bizarren Beobachtungen, respektlosen Sprüchen und eigenwilligen Schlussfolgerungen hatte er die Lacher auf seiner Seite. Das kongeniale Duo Fabian Metz und Christian Koch wartete mit einem herrlichen Mix aus bestechendem Wortwitz, deftiger pfälzischer Comedy und viel Musik auf. Berührend war Fabian Metz‘ Vortrag des Liebeslieds „Die Perle“ – als Zugabe forderte das Publikum Christian Kochs „Jockgrimer Wind“.

Mit der köstlichen Nummer „Magic Shortys“, den „magischen“ kurzen Darstellern, blieben die „Die Ewigen Zweiten“ ihrem Genre Slapstick treu und konnten gegenüber dem Vorjahr nochmal einen draufsetzen – bizarr, überraschend und urkomisch.

Einen Kurzauftritt hatten die Landtagsabgeordnete Barbara Schleicher-Rothmund sowie der Bundestagsabgeordnete Dr. Thomas Gebhart und Landtagsabgeordneter Martin Brandl als Duo.

Die TSG-Turner unter der Leitung von Georg Schloß lieferten sich in zwei tanzfreudigen Gruppen einen höchst unterhaltsamen Streit um den richtigen Radiosender. Dabei stellten sie ihre turnerische Klasse ebenso unter Beweis wie Fantasie, Mut und Showtalent. Stapel von Industriepaletten dienten diesmal als unkonventionelles Turngerät.

Der Musikverein unter Leitung von Simon Schneider begleitete den Abend musikalisch. Markus Gebhart setzte die Veranstaltung ins rechte Licht, Manuel Katus sorgte für den guten Ton. Für die Bühnentechnik waren Alexander Werling, Benjamin Colling, Andreas Werling und André Westfeld verantwortlich.

Sitzungspräsident Tobias Deutsch, assistiert von Christian Koch, moderierte das kurzweilige und abwechslungsreiche Programm humorvoll und souverän und traf stets den richtigen Ton. Auch in diesem Jahr konnte er zahlreiche Ehrenorden für 11 Jahre aktive Teilnahme an der Jockgrimer Fasenacht verleihen. Sie gingen an Leonie Deutsch, Kim Newill, Jana Ochsenreither, Antonia Reiß, Stephanie Schehr, Anja Werling, Jacqueline Winschel, Christine Hartenstein und Florian Guttenbacher. Als neue Elferräte begrüßte er Christian König und Simon Schneider.

Zum ersten Mal wurde der Verdienstorden der Jockgrimer Fasenacht verliehen. Voraussetzung dafür ist es, seit 33 Jahren aktiv zum Büttenabend beizutragen. Wer mindestens elf Jahre ein leitendes Amt beim Büttenabend ausfüllt, erhält den neuen Orden bereits nach 22 Jahren aktiver Teilnahme. Die ersten Träger des Verdienstordens sind Anja Getto, Thomas Schehr, Volker Werling, Georg Schloß, Michael Deilecke, Fabian Metz, Markus Gebhart und Gabi Ritter.

Vieles hatten die närrischen Götter im Jockgrimer Olymp und die Aktiven des Büttenabends auf die Beine gestellt, eines konnten sie jedoch nicht: Verhindern, dass „so ein Tag, so wunderschön wie heute“ schließlich doch vorüber war. Mit einem stimmungsvollen Schlussbild auf der Bühne klang der erste Büttenabend auf dem Berg der Götter aus. Für den zweiten Büttenabend am Freitag, 1. Februar, sind noch Restkarten bei Lotto Deigentasch erhältlich, der dritte Büttenabend ist ausverkauft. (red)

Im Jockgrimer Götter-Olymp. Foto: Baumann

 

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Ein Kommentar auf "Kulturgemeinschaft Jockgrim: Büttenabend im Olymp der Narretei"

  1. Was für ein schöner Artikel und mit den passenden Bildern dazu.
    War aber auch ein schöner und gelungener Abend dank der vielen Mitwirkenden.
    Darauf ei. Dreifaches Jockgrim Hellau!

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