Samstag 12.September 2026

Karolina-Burger-Realschule in Ludwigshafen: Gewalt und Ohnmacht sorgen für politische Debatte

20. November 2025 | Kategorie: Ludwigshafen, Rhein-Pfalz-Kreis, Rheinland-Pfalz

Symboldbild: Pfalz-Express

Mainz / Ludwigshafen – Die Zustände an der Karolina-Burger-Realschule in Ludwigshafen waren am 20. November 2025 Thema im Bildungsausschuss des rheinland-pfälzischen Landtags

Auslöser für die Befassung im Ausschuss war der jüngste Polizeieinsatz wegen eines Messeralarms an der Karolina-Burger-Realschule plus in Ludwigshafen.

Kurz darauf hatte der SWR über die Lage berichtet und einer Lehrkraft anonym Raum gegeben, die Zustände offen zu schildern. Wie der SWR berichtete, sei ein geregelter Unterricht kaum möglich. Viele  Schüler kämen ohne Material, könnten oft weder lesen noch schreiben und beherrschten nicht einmal Grundrechenarten.

Die Lehrkraft sagte dem Sender, man arbeite „im Prinzip wie eine Förderschule mit einer Klassengröße von 30 Schülern“.

Gewalt sei alltäglich: Schlägereien in den Gängen, Böllerwürfe auf dem Hof und das Drängen, keine Aussagen zu machen, prägten laut SWR den Schulalltag. „Wir sind nicht mehr in der Lage, diese Dinge zu kontrollieren“, so die Lehrkraft.

Brandbriefe an die ADD seien aus ihrer Sicht ohne spürbare Wirkung geblieben. Besonders die Messerbedrohung einer Lehrerin im Mai sowie die Amoklage Ende Oktober hätten das Kollegium schwer belastet.

CDU kritisiert Landesregierung und fordert entschlossenes Handeln

Die CDU-Landtagsfraktion verlangte im Ausschuss eine aktuelle Einordnung von Bildungsminister Sven Teuber (SPD).

Die bildungspolitische Sprecherin Jenny Groß sprach nach der Sitzung von einer „tiefen Krise“ des rheinland-pfälzischen Schulsystems. Die Vorfälle in Ludwigshafen seien aus ihrer Sicht „nur der Gipfel der Schulmisere“.

Groß warf der Landesregierung vor, Warnungen über Jahre ignoriert und Schulen ohne ausreichende Mittel gelassen zu haben. Lehrkräfte fühlten sich im Stich gelassen. Schulen dürften kein rechtsfreier Raum sein, betonte sie, und forderte mehr Sicherheit, kleinere Klassen, mehr Personal und eine deutlich stärkere Unterstützung durch ADD und Ministerium. Viele Lehrkräfte bräuchten „keinen Luxus“, sondern grundlegenden Schutz, um überhaupt Bildung vermitteln zu können.

Auch AfD äußert scharfe Kritik

Auch die AfD-Fraktion nutzte den Bildungsausschuss, um Kritik am Bildungsminister zu üben. Der bildungspolitische Sprecher Joachim Paul erklärte, der Minister müsse seine Prioritäten dringend neu ordnen.

Im Sommer habe sich Teuber medienwirksam mit Änderungen an der Prüfungskultur präsentiert, statt sich jenen Schulen zuzuwenden, „wo Schule längst zu einem Ort der Angst verkommen ist“, so Paul wörtlich. Die AfD habe für die Ausschusssitzung am 20. November einen Antrag eingereicht, in dem sie nach konkreten Lösungsansätzen der Landesregierung zu den Missständen an der Karolina-Burger-Realschule plus fragt.

Wenig Konkretes vom Bildungsminister

Bildungsminister Teuber hatte die Karolina-Burger-Realschule Plus am 5. November besucht. Zu spät, findet die politische Konkurrenz.

In seinen anschließenden Aussagen betonte Teuber, dass das Ministerium eng mit der Schule, der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) sowie Schulpsychologen zusammenarbeite und Opferschutz oberste Priorität habe.

Konkrete Sofortmaßnahmen kündigte Teuber nicht an, sondern setzte auf die Unterstützung durch multiprofessionelle Teams und die Bereitstellung organisatorischer und psychologischer Hilfen. Kritiker sehen darin jedoch ein zu defensives Vorgehen angesichts der alarmierenden Schilderungen der Lehrkräfte.

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