
Impfaktion im ehemaligen Schlecker-Markt in Kandel.
Foto: Pfalz-Express
Kandel – Bei der Impfaktion in Kandel am 1. Oktober 2022 hat mindestens eine Familie anstatt des gewünschten neueren Corona-Impfstoffs „BA4-5“, der an diese Omikron-Variante des Corona-Erregers angepasst ist, den Vorgänger „Comirnaty BA1“ gespritzt bekommen.
Das teilte die betroffene Familie, die mit insgesamt fünf Personen zum Impfen gegangen war, dem Pfalz-Express mit. Es dürften jedoch weit mehr Personen gewesen sein.
„Wir fragten den Impfarzt Dr. Fritz sicherheitshalber vor der Impfung nochmals explizit, ob es sich tatsächlich um den Impfstoff gegen „BA4-5“ handle und er bejahte dies“, so eine Sprecherin der betroffenen Familie. “Zudem verkündete er im Rahmen seiner Begrüßung vor der Impfung auch nochmals laut für alle Anwesenden im Raum (schätzungsweise zu dem Zeitpunkt ca. 12 bis 15 wartende Personen), dass er den aktuellsten Impfstoff „BA4-5“ verimpfen werde.“
Aufkleber im Impfpass zeigen anderen Wirkstoff
Im Nachhinein stellte sich dann allerdings anhand der Aufkleber im Impfpass heraus, dass dies nicht der Fall war. Auf Nachfrage der Familie habe Dr. Rainer Fritz zuerst von einer Verwechslung der Etiketten gesprochen, so Familie. Einen Tag später habe er die Familie kontaktiert und bestätigt, dass es tatsächlich zum Verimpfen von BA1 gekommen sei.
Die Familie ist darüber sehr verärgert. Zwei Familien-Mitglieder sind über 80 Jahre. Man habe sich nur unter der Bedingung impfen lassen wollen, den „BA4-5“-Wirkstoff zu erhalten – und keinesfalls BA1. Nun sei man für mindestens drei Monate „geblockt“. Die Stiko empfiehlt tatsächlich sogar sechs Monate.
Die Familie wirft dem Impfarzt zudem mangelnde Kommunikation, ungenügende Transparenz und Desorganisation vor. Es tue ihm leid, habe er zu der Familie gesagt. Für die Familie ist das aus ihrer Sicht keine ausreichende Entschuldigung. Auch eine von Fritz angekündigte Erklärung im Amtsblatt sei bislang noch nicht erfolgt.
Wöchentliche Lieferungen unterschiedlich
Der Pfalz-Express hat bei Dr. Fritz nachgefragt, wie es zu dieser Verwechslung kommen konnte.
Wichtig war dem Allgemeinmediziner aus Wörth zu betonen, dass es sich bei dem versehentlich verabreichten Impfstoff BA1 auf jeden Fall um ein geeignetes Medikament handele. Nach derzeitigen Erkenntnissen der Stiko (Ständige Impfkommission) biete der verabreichte Wirkstoff BA1 einen wirksamen Schutz gegen Covid und vor schweren Krankheitsverläufen. Das stand auch in einem Schreiben, das Fritz der Familie zukommen ließ und dem Pfalz-Express vorliegt.
Im Übrigen setze sich derzeit im süddeutschen Raum eine wesentlich aggressivere Variante durch, nämlich BA2-75.1, so Fritz. Er habe gleich mit einem Impfarzt der Stiko telefoniert, sagte Fritz dem Pfalz-Express. Gegen diese Variante sei sogar der BA1-Stoff besser geeignet als BA4-5. Das habe die Stiko bestätigt.
Nichtsdestotrotz: Der gewünschte Impfstoff BA4-5 wurde nicht verabreicht. Mit ein Grund sei gewesen, dass die Lieferungen des Corona-Impfstoffs wöchentlich ankämen, so Fritz weiter. Als er im Urlaub gewesen sei, traf eine Lieferung mit BA1 ein. Diese wurden dann von Mitarbeitern in den Kühlschrank geräumt. In der Woche danach traf eine Lieferung BA4-5 ein, die daneben im Kühlschrank einsortiert worden sei. Er, Fritz, sei jedoch davon ausgegangen, dass die erste Lieferung ebenfalls BA4-5 gewesen sei. Die Fläschchen seien sich extrem ähnlich.
Auch bei der Impfaktion im Schlecker ist das beim Entnehmen der Impfdosen aus der Kühlung offenbar niemandem aufgefallen. Man entnehme jeweils von links nach rechts, hieß es.
Und so wurde einer größeren Anzahl von Personen BA1 anstatt BA4-5 gespritzt. Dr. Fritz will die Betroffenen informieren. Er übernehme für den Vorfall die Verantwortung, so Fritz zum Pfalz-Express, und habe sich bei der Familie entschuldigt. Er wolle jedoch nochmals bekräftigen, dass es sich bei beiden Impfstoff-Varianten um bestens wirksame Stoffe handele.
Info
Die an die neuen Varianten angepassten Impfstoffe sind vor allem sinnvoll für Menschen, die eine Auffrischungsimpfung, einen sogenannten „Booster“ benötigen.
Stiko-Empfehlung hier. (cli)

Diesen Artikel drucken

Berlin – Die Ständige Impfkommission (Stiko) will weiterhin keine allgemeine Empfehlung für das Impfen von Kindern gegen das Coronavirus empfehlen. Bei bestimmten ...
Die Ständige Impfkommission (Stiko) aktualisiert ihre Covid-19-Impfempfehlungen und spricht künftig eine Empfehlung für alle 12- bis 17-Jährigen aus. Das Experten-Gremium hatte Anfang ...
Berlin – Der Chef der Ständigen Impfkommission (Stiko), Thomas Mertens, regt an, eine präventive Impfung von Risikogruppen gegen Affenpocken zu prüfen. „Darüber ...
Hausarztpraxen sollen 20 Euro je Corona-Impfung bekommen. Das steht im Referentenentwurf des Gesundheitsministeriums für die neue Coronavirus-Impfverordnung, der der dts Nachrichtenagentur vorliegt. ...
Kandel – Die Impfaktion in Kandel wird noch einmal fortgesetzt. Federführend verantwortlich sind die Ärzte Dr. Dambach und Dr. Fritz, die beide ...
Halberstadt – Eine 101 Jahre alte Frau ist vermutlich die erste Person in Deutschland, die offiziell und außerhalb von Versuchsreihen einen Impfstoff ...
Kandel – bei einer offiziellen Abiturfeier in der Bienwaldhalle Kandel erhielten 16. März 83 Abiturienten der Integrierten Gesamtschule Kandel ihr Abiturzeugnis aus ...
„Wir müssen die Zahl der Impfungen im Kreis Germersheim signifikant erhöhen“, appelliert Landrat Dr. Fritz Brechtel. „Denn nur mit einer hohen Impfquote ...
Brüssel – Der Corona-Impfstoff von Astrazeneca ist in der Europäischen Union zugelassen. Die EU-Kommission traf am Freitag die formale Entscheidung, nachdem die ...
Südpfalz/Wörth – Zum 25.000 Mal wurde am 7. April im Landesimpfzentrum in Wörth eine Impfung verabreicht. Hartmut Walz aus Wörth war der ...
Speyer – Bei einer sogenannten „Dirve-Thru-Impfung“ von Prof. Dr. Gerhard Haupt in der Auestraße ist es am Sonntag zu einem großen Ansturm ...
Landau/SÜW – Ab sofort bietet die Kommunale Impfstelle LD/SÜW eine zweite Auffrischimpfung gegen das Corona-Virus an. Das teilen Stadt und Kreis mit. ...










