Rheinzabern/Ypern/Ieper – 15 Zehntklässer der IGS Rheinzabern erlebten vom 10.-13.1.2014 Geschichtsunterricht an einem besonderen Ort: In Ieper/Flandern, besser bekannt als Ypern, wo im Ersten Weltkrieg die Kriegsfurien wie selten anders wüteten.
In der Nähe von Ypern fand auch der Christmas Truce 1914 statt, der kleine Frieden im großen Krieg, wie jene denkwürdigen Verbrüderungsszenen zwischen deutschen, englischen, französischen und belgischen Soldaten an Heiligabend 1914 genannt werden, zu deren Höhepunkt Fußballspiele im Niemandsland zählten.
Hier trafen sich die Rheinzaberner mit Schülern aus Westmalle/Belgien und Walsall/England. Die französischen Freunde aus der Nähe von Paris durften wegen des Terroranschlags auf Charlie Hebdo nicht reisen.
Ieper/Ypern ist heute eine wunderschöne Stadt, zu deren Schmuckstück der Marktplatz mit der Großen Tuchhalle und seinem majestätischen Belfried zählt. Doch die Idylle täuscht. Ypern lag Ende 1918 in Schutt und Asche und sollte gar als Ruinenfeld ein ewiges Mahnmal gegen den Krieg bleiben. Hier haben die Deutschen zum ersten Mal Chlorgas eingesetzt, nach Ypern wurde sogar ein Giftgas benannt: Yperit.
Im Umkreis von Ypern ist die Erde blutgetränkt, noch immer werden fast täglich Blindgänger geborgen. Hunderttausende Todgeweihter kamen elendiglich um oder versanken ganz einsam im lehmigen Schlamm der flandrischen Felder. Unbeschreiblich.
Hier machten sich die rund 35 Schüler auf Spurensuche. Ein junger Belgier führte die rund 30 Schüler und Lehrer zu markanten Punkten, die schweigend machen und Neugierde wecken.
In Flanders fields the poppies blow, heißt ein rührend-verzweifeltes Gedicht des kanadischen Arztes John McGrae (1872-1918) aus dem I. Weltkrieg, das in England fast jedes Kind kennt. Ein Denkmals auf dem im Soldatenslang Essex Farm genannten Friedhof bei Ypern erinnert daran. Unweit davon entfernt liegt Valentin Studerwick, der jüngste englische Soldat, der gerade mal 15 Jahre alt war und sein richtiges Alter verschwieg, um unbedingt in den Kampf ziehen zu können.
Studentenfriedhof wird der größte deutsche Soldatenfriedhof in Langemark (44 000 Tote) genannt, weil hier Tausende schlecht ausgebildeter Freiwilliger, Abiturienten und Studenten, elendiglich verheizt wurden. Zuhause erklärte sie die Propaganda kurzerhand zu Helden und schuf so den Mythos von Langemarck. Wie ein Mausoleum ist der Britische Soldatenfriedhod Tyne Cot (Hühnerstall) angelegt, letzte Ruhestätte für über 40 000 Opfer. Von 35 000 Vermissten der Schlacht um Paschendale sind die Namen eingraviert.
Am Ende des Tages dann eine beeindruckende Zeremonie, die seit 1928 allabendlich um 20.00 Uhr stattfindet: Last Post – der Zapfenstreich am Menentor in Ypern, einem als Stadttor ausgebildeten Denkmal, das die Namen von fast 55 000 vermissten britischen Soldaten festhält. Poppy-Kränze werden niedergelegt. Waren diesmal nur etwa 150 Besucher gekommen, so sind es in der Hauptsaison häufig über 1000 Gäste aus aller Welt.
Am zweiten Tag erkundete man das nette Städtchen, das noch Reste einer Vauban-Festung besitzt, um sich am Nachmittag zum friedlichen Fußballmatch zu treffen. Wie anno 1914 beim Christmas Truce waren die Mannschaften gemischt, so dass nicht das Ergebnis, sondern die große Geste und das friedliche Zeichen zählten. Die internationalen Jugendbegegnungen werden übrigens vom britischen Profifußballverband gefördert.
In Erinnerung an das legendäre Weihnachtsfußballspiel eröffnete UEFA-Präsident Michel Platini am 11.12.2014 ein schlichtes, aber interessantesDenkmal. Mitten im Niemandsland, zwischen zwei feindlichen Gräben mit Stacheldrahtverhauen, ruht ein Ball. Bei strömendem Regen gelingt ein Schnappschuss. Ein denkwürdiger Ausflug in die Geschichte, der noch lange nachwirken dürfte.
Aktuelle Termine der IGS-Rheinzabern:
Tag der offenen Tür: Samstag, 17.1.2015, 10.00 – 14.00 Uhr
Regionalwettbewerb First Lego League: Samstag, 17.1.2015, 10-19.00 Uhr

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