
vhs-Leiter Gerhard Beil (r.) bedankte sich bei Martin Erhard (l.) und Gabriele Schwöbel mit Blumen und „Zibärtl“ aus einer Gegend, wo einst die berühmte Mühle am rauschenden Bach klapperte.
Rheinzabern – „Wo man singt, da lass‘ dich nieder!“, begrüßte vhs-Leiter Gerhard Beil die Gäste im bis auf den letzten Platz gefüllten Kleinen Kulturzentrum, ehe der Tenor Martin Erhard am Klavier und seine Frau, die bühnenerfahrene Rezitatorin Gabriele Schwöbel, ihr Publikum auf eine musikalisch-poetische Reise durch den Jahreslauf mitnahmen – und bis zur letzten Minute regelrecht in den Bann zogen.
Natürlich waren die Urthemen der Poesie vertreten: Liebe, Sehnsucht, Alter, Abschied, Jahreszeiten, Natur. Die Besucher waren erstaunt, ergriffen und begeistert.
Gabriele Schwöbel trug zu jedem Monat ein passendes Gedicht vor, wobei sie geschickt auch kleine Accessoires einsetzte. Sie rezitierte Verse von Eichendorff, Mörike, Rilke, Hesse und anderen literarischen Größen.
Martin Erhard ließ danach eine besinnliche Eigenkomposition erklingen oder sang ein Kunstlied von Beethoven, Schubert, Mozart, Brahms, Schumann oder Zelter. Schließlich setzte das Publikum zum Volkslied an und sang aus voller Brust.
Dabei ging es nicht allein um pure Nostalgie, sondern um die Schönheit und Vielfalt des Liedguts als Kulturerbe. Die Künstler machten richtig Mut. Insbesondere erfuhren die deutschsprachigen Lieder eine Aufwertung, ganz zu schweigen von den Gedichten. „Ob Eichendorffs romantische Mondnacht oder Silchers urdeutsches Lied von der Loreley, es ist erstaunlich zu entdecken, wie wir durch unsere Künstler geprägt sind. Kunst kreiert auch Realität“, sagte Gerhard Beil.
Bei Sekt und Brezeln, die der Partnerschaftsverein offerierte, gab es in der Pause reichlich Small Talk über das gelungene Experiment. Selbstredend, dass am Schluss lang anhaltender Beifall ertönte. Wieder einmal erlebte das Kleine Kulturzentrum eine Sternstunde, die allen Gästen – trotz des grauen Himmels – einen launigen Sommerabend bescherte. (gb/red)

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