Rheinzabern – In einem lebendigen Vortrag lenkte Dr. Heinrich Thalmann den Blick auf die Pfalz im Ersten Weltkrieg, wobei er geschickt den Bogen von der Front zur Heimat schlug, die ganz eng mit dem Kampfgeschehen verknüpft war.
Der 20. August 1914 galt als „Feuertaufe“ der bayerischen Armee in der Schlacht bei Mörchingen/Morhange in Lothringen. An diesem Tag fiel auch der erste Rheinzaberner Soldat, der 20-jährige August Müller, Angehöriger des 17. bayr. Infanterie-Regiments. Später kämpften viele Pfälzer auf den Schlachtfeldern von Flandern gegen die Engländer.
Insgesamt verloren im Ersten Weltkrieg weit über 20 000 Pfälzer ihr Leben, über 17 000 von ihnen als Soldaten in Verbänden der bayerischen Armee.
Am Fronleichnamstag des Jahres 1917 sollten die pfälzischen Regimenter in der bayerischen Armee ihren höchsten Blutzoll zahlen, als die Engländer im berühmten Wijtschatebogen bei Ypern in Flandern mittels gigantischer Minenexplosionen einen wichtigen Durchbruch schafften. Ganz in der Nähe fand 1914 der berühmten Christmas Truce statt, der kleine Frieden im großen Krieg, welcher in legendären Fußballspielen im Niemandsland gipfelte. Zur Erinnerung daran wurde vor wenigen Wochen südlich von Mesen (Messines) durch die UEFA ein schlichtes, aber beeindruckendes Denkmal errichtet.
Heinrich Thalmann erwähnte, wie sich die Pfalz im 19. Jahrhundert von einem widerborstigen Anhängsel an Bayern zu einem industriell bedeutsamen und selbstbewussten Regierungsbezirk entwickelt hatte. Gleich nach Kriegsbeginn wurde eine Notstandsverwaltung installiert, die die Versorgung sicherstellen und den Schwarzhandel bekämpfen sollte. Größtes Augenmerk lag auf dem Hauptnahrungsmittel, der Kartoffel. Die Industriebetriebe in Ludwigshafen, Kaiserslautern, Sankt Ingbert oder Homburg wurden auf Kriegsproduktion umgestellt, wobei Frauen einen erheblichen Anteil an den Arbeitskräften ausmachten. Besonders kriegsbedeutsam waren die BASF sowie die Pfalz-Flugzeugwerke in Speyer.
Gleich nach Kriegsbeginn gab es eine Welle der Hilfsbereitschaft, die Liebesgaben versandte oder sich der Verwundeten in den Lazaretten annahm. Auch französischen Soldaten wurden mit Liebesgaben bedacht, was den Pfälzern als mangelnde Vaterlandstreue angekreidet wurde. Sehr begehrt waren auch Hausschuhe, mit denen die ständig im Schlamm vegetierenden Frontsoldaten ihre Füße etwas kurieren konnten.
Feierte man 1916 noch den 100. Jahrestag des Anschlusses an Bayern, so war dennoch ein Stimmungsumschwung zu verspüren, nachdem der Krieg sich wider Erwarten in die Länge gezogen hatte. Auch die Propaganda half nicht mehr. Die Nachdenklichen hatten längst erkannt, dass Ersatzstoffe, Notproduktion und die Metallmobilmachungen den Krieg nicht mehr zugunsten Deutschlands würden wenden können.
Ebenso wenig halfen Kriegsanleihen, auch wenn sie mit patriotischen Parolen wie „Gold gab ich für Eisen“ umschrieben waren. Nach dem Sieg sollten die Anleihen mit hohen Zinserträgen zurückbezahlt werden, und zwar durch den unterlegenen Feind. Der bitteren Not der Zivilbevölkerung stand so mancher Kriegsgewinnler gegenüber, der mit Schwarzhandel sehr gut verdiente. Allein der Krieg endete mit dem Waffenstillstand am 11.11.1918 und der Besatzung der linksrheinischen Pfalz durch die Franzosen, die – entgegen den Bestimmungen des Vertags von Versailles – schon 1930 abzogen.
Die Notlage dauerte aber noch viele Jahre nach dem Ersten Weltkrieg an. Doch die Nach-Kriegszeit ist ein eigenes umfangreiches Kapitel, über das später informiert werden wird.
Wer mehr wissen will, dem sei folgendes Buch empfohlen:
Thalmann Heinrich: Die Pfalz im Ersten Weltkrieg in Bildern und Dokumenten.
Kaiserslautern 2014. ISBN 978-3-927754-80-5 (Beiträge zur pfälzischen Geschichte, Bd. 28)

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