
Foto: © VIER PFOTEN | TIERART
Mit der kälter werdenden Jahreszeit bereiten sich die Igel auf ihren Winterschlaf vor.
VIER PFOTEN Wildtierexpertin Eva Lindenschmidt, Diplom-Biologin bei der TIERART Wildtierstation, gibt Tipps wie Sie den Tieren am besten helfen und wann es gilt Abstand zu halten.
Nicht zu früh eingreifen
Igel müssen bis zum Spätherbst genügend Gewicht zugelegt haben um in den Winterschlaf gehen zu können. Da sie erst spät im Sommer geboren werden, wiegen viele Jungtiere dann noch weniger als 400 Gramm. Trotzdem sollte man ihnen Zeit geben, sich Winterspeck anzufuttern.
Ab Mitte November sollten dann auch Jungtiere mindestens 500 Gramm schwer sein. „Igel sind dämmerungs- und nachtaktiv. Sieht man ein Tier tagsüber herumwandern, ist das definitiv ein Warnsignal. Bevor man jedoch einen unverletzten Igel überstürzt einsammelt, sollte man ihn beobachten. Jeder menschliche Kontakt bedeutet für die Tiere Stress“, sagt Eva Lindenschmidt.
„Sieht man einen kleinen Igel, sollte man nicht gleich eingreifen, sondern abwarten. Wer überstürzt handelt, könnte unwissentlich und ungewollt ein Jungtier von seiner Familie trennen.“
Igel sind Fleischfresser
Um ihre Energiereserven für den Winterschlaf aufzufüllen, sind Igel jetzt auf Nahrungssuche. Man kann ihnen helfen, indem man Futter bereithält. Die wilden Wanderer sind Fleischfresser und brauchen tierische Proteine. „Igel futtern nachts Schnecken, Käfer, Spinnen, Insekten und Larven.
Wer ihnen die Futtersuche erleichtern will, kann eine Schale mit Katzenfutter aufstellen. Rohes Hackfleisch und Schweinefleisch gehört aufgrund möglicher Krankheitserreger nicht in den Igelnapf. „Auch Milch ist tabu. Denn Igel sind laktoseintolerant und bekommen davon ernsthafte Verdauungsbeschwerden, die sogar tödlich enden können“, so die VIER PFOTEN Wildtierexpertin.
VIER PFOTEN Futter-Tipp: Wer den Igeln etwas Gutes tun will, kann selbstgemachtes Spezialfutter anbieten. Dazu fettreiches Katzenfutter mit etwas zerdrücktem, gekochten Ei ohne Salz vermischen. Alternativ schmeckt den Igeln auch ungewürztes Rührei. Außerdem sollte ein Schälchen frisches Wasser nicht fehlen. Wichtig ist, dass die Futterschalen täglich gereinigt werden. Damit die Nachbarskatze nicht davon naschen kann, deckt man die Futterstelle mit einer Kiste oder ähnlichem ab.
Vorsicht vor dem Hund
Igel halten sich immer häufiger in Siedlungsbereichen auf. Wer einen jagdtriebigen Hund hat, sollte ihn abends zunächst nur angeleint rauslassen – das gilt auch für den eigenen Garten. Nach einer gemeinsamen Inspektion, ob ein Igel unterwegs ist oder nicht, kann man den Hund von der Leine lassen.
„Manche Hunde reagieren wie verrückt auf Igel und lassen sich leider auch von den Stacheln nicht abschrecken. Um blutige Lefzen und verletzte Igel zu vermeiden, sollte man wachsam sein“, rät Biologin Lindenschmidt.
Achtung bei der Gartenarbeit
Vorsicht ist gerade jetzt im Herbst bei diversen Gartenarbeiten geboten. Das Verbrennen von aufgehäuften Ästen ohne vorheriges vorsichtiges Umschichten kann für Igel zur tödlichen Falle werden, wenn sie sich darunter versteckt halten. Die Wildtierexpertin rät daher zu Vorsicht bei dem Umgang mit Spaten oder Mistgabeln.
Hilfe in der Not
In einem großen Reisig- oder Komposthaufen in einer abgelegenen Ecke des Gartens oder im Schutz einer Laube, können Igel problemlos überwintern. Wer ein Igelnest findet, sollte es unbedingt in Ruhe lassen und das Tier nicht stören. Auch nach einem Sturm oder starkem Schneefall muss man sich keine Sorgen machen. „Igel sind Wildtiere und kommen mit widrigen Witterungsverhältnissen zurecht.
Aber wenn sie sich schon zurückgezogen haben und man ihnen zu nahe kommt, kann man sie unnötig stressen. Findet man tatsächlich einen kranken, verletzten oder verwaisten Igel, sollte man sich an eine Wildtierstation oder einen wildtierkundigen Tierarzt wenden, wie weiter vorzugehen ist“, rät Eva Lindenschmidt.

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