Montag, 15. Juli 2024

Germersheim: Window-Traps in der Queich – Forschungsprojekt hat Schutz von Libellen im Fokus

27. Juni 2024 | Kategorie: Kreis Germersheim, Panorama, Regional, Wissenschaft

Doktorandin Julia Gieser und Bachelor-Studenten überprüfen die Fallen regelmäßig.
Foto: Pfalz-Express

Germersheim – Spaziergänger entlang der Queich in der Nähe des Nardini-Platzes haben in den letzten Wochen möglicherweise merkwürdige Vorrichtungen im Wasser bemerkt.

Diese sogenannten „Window-Traps“ sind etwa alle zehn Meter im Randbereich des Flusses platziert. Viele Bürger haben sich bereits gefragt, worum es sich dabei wohl handeln könnte. Der Hintergrund dieser Installationen ist ein Forschungsprojekt, das die Bedeutung der Habitatqualität für den Schutz von Libellen untersucht.

Foto: Pfalz-Express

Hintergrund

Die Biodiversität in Süßwasserlebensräumen hat in den letzten Jahrzehnten erheblich gelitten. Urbane Stressfaktoren wie die Begradigung und Kanalisierung von Gewässern sowie die Versiegelung der umliegenden Flächen haben ihren Tribut gefordert. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, haben die Vereinten Nationen die Dekade der Ökosystemwiederherstellung ausgerufen. Eine Verbesserung der Habitatqualität an den Schnittstellen von Wasser und Land könnte besonders Organismen mit komplexen Lebenszyklen, wie Libellen, zugutekommen.

Libellen entwickeln sich als Larven im Wasser und leben als erwachsene Tiere an Land. Daher sind sie besonders empfindlich gegenüber Veränderungen sowohl in Gewässern als auch in ihrer Umgebung. Trotz ihres Schutzstatus gelten nur 54 Prozent der 81 in Deutschland vorkommenden Libellenarten als „ungefährdet“. Es besteht noch erheblicher Forschungsbedarf, um die Hauptgefährdungsursachen besser zu verstehen.

Zielsetzung des Projekts

Das Promotionsvorhaben von Doktorandin Julia Gieser von der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau (RPTU) untersucht, wie sich die Qualität der Lebensräume im und am Wasser auf Libellen auswirkt. Ziel ist es, herauszufinden, welche Eigenschaften von Lebensräumen für die verschiedenen Lebensphasen der Libellen besonders wichtig sind.

Langfristig sollen Empfehlungen entwickelt werden, um Flüsse und ihre Ufer so zu gestalten, dass sie vielfältige und stabile Libellengemeinschaften unterstützen – besonders in städtischen Gebieten.

Arbeitsschwerpunkte

Um diese Ziele zu erreichen, werden zwei große Freilandstudien in mehreren Städten der Oberrheinregion durchgeführt. In der Freilandsaison 2024 wird die Vielfalt und der Fortpflanzungserfolg der Libellen untersucht.

Gleichzeitig wird erforscht, welche Nahrung den Libellen zur Verfügung steht und was sie bevorzugt fressen. In den Fallen werden andere Fluginsekten gefangen, die potenzielle Nahrung für Libellen sein können. „Damit untersuchen wir, wie viel und welche Nahrung für die Libellen vor Ort zur Verfügung steht“, so Julia Gieser. 

Die Forschungsergebnisse werden nicht nur in Fachzeitschriften veröffentlicht, sondern auch in einer kostenfreien, deutschsprachigen Zeitschrift, um die Erkenntnisse einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Lokale Relevanz

Die in Germersheim platzierten Window-Traps sind Teil dieser umfassenden Forschungsarbeit. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen nicht nur zur wissenschaftlichen Forschung beitragen, sondern auch konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensbedingungen der Libellen und anderer Wasserorganismen ermöglichen.

Dieses Projekt ist ein wichtiger Schritt, um die urbanen Lebensräume für diese faszinierenden Insekten wieder attraktiver zu gestalten und somit zur Erhaltung der biologischen Vielfalt beizutragen. Die Bürger Germersheims können gespannt auf die Ergebnisse der Studie und die daraus resultierenden Maßnahmen sein, die letztlich auch das ökologische Gleichgewicht in ihrer Stadt fördern werden. (cli)

Foto: Pfalz-Express

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