
In der vollbesetzten Landauer Stiftskirche gedachte man der Bombadierung Landaus vor 70 Jahren.
Fotos: Pfalz-Express/Ahme
Landau. Zur Erinnerung an den 70. Jahrestag der Bombardierung Landaus lud Oberbürgermeister Hans-Dieter Schlimmer zusammen mit der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Landau (ACK) zu einem ökumenischen Gottesdienst in die gut besetzte Landauer Stiftskirche ein.
Der Friedensgottesdienst wurde als ökumenischer Gedenkgottesdienst von dem katholischen Dekan Axel Brecht, seinem evangelischen Kollegen Dekan Volker Janke und Pfarrer Wienecke von der SELK zelebriert. OB Hans-Dieter Schlimmer sprach für die Stadt nachdenkliche Worte und Christhild Phieler, Tochter des bekannten Theologen Dr. Hans Stempel, erinnerte als Zeitzeugin speziell auch an diesen 16. März 1945.
Am 16. März 1945 fanden 176 Landauer Bürger den Tod bei der schwersten Bombardierung der Stadt im 2. Weltkrieg.
Einige bedrückende Impressionen der zerbombten Stadt waren auf einer Leinwand zu sehen, Dekanatskantor Christian Schmitz untermalte diese Bilder an der Orgel und begleitete die Gottesdienstbesucher auch bei den Gottesdienstliedern.
„Der Opfer gedenken und für den Frieden beten“ war die Botschaft, die von allen Mitwirkenden deutlich gemacht wurde.
Landau war der militärische Stützpunkt im Südwesten und war deshalb für die Allierten schon ein wichtiges Ziel. Zwei Monate nach diesem Angriff war der Zweite Weltkrieg Geschichte.
„Ein denkwürdiger, ein schwarzer Tag für Landau, war dieser strahlende Frühlingstag“, so Volker Janke, der aus einer Schrift von Pfarrer Stempel vortrug. Stempel war zu dieser Zeit Pfarrer im Pfarrhaus I. Er hatte die Pfarrstelle 1934 angetreten und war Begründer der Pfälzischen Pfarrbruderschaft, die sich für die Freiheit des Evangeliums eingesetzt hatte. Stempel hat, so kann es der Interessierte nachlesen, viel für Landau getan, wurde später auch Kirchenpräsident.
Das Gemeindehaus wurde bei diesem Angriff dem Erdboden gleich gemacht, das Pfarrhaus stark beschädigt, viele Häuser rund um den Stiftsplatz zerstört. Auch die Stiftskirche wurde beschädigt- blieb aber wie durch ein Wunder erhalten. Ein Drittel der Stadt wurde zerstört, vor allem die Stadtmitte, Eichbornstraße und Fliegerviertel hatte es schwer getroffen.
Am 22. März marschierten die Amerikaner ein. „Von manchen wurde dies als Zusammenbruch erlebt, von anderen aber als Befreiung“, sagte Axel Brecht. Viele hätten anfänglich mitgejubelt und die NS-Machthaber unterstützt, sagte auch Dekan Janke. Nicht zuletzt weil sie sich einen wirtschaftlichen Aufschwung erwartet hätten. „Wir dürfen uns aber nicht von einer Ideologie gefangen nehmen lassen“, so Brecht. „Liebe und die Freiheit sind stärker als jede Gewalt“.
„Es ist erschreckend, dass Menschen keinen Frieden halten können“ hatte zuvor auch Christhild Phieler angemerkt. Sie erinnerte sich genau an diesen Tag der Zerstörung, an dem ihre Familie wichtige Schriften aus dem Pfarrhaus in die Kirche gebracht hatte. „Sie hätten die Stiftskirche innen nicht wiedererkannt. Es lag alles unter einer dicken Staubschicht verborgen“, erzählte sie unter anderem und erinnerte sich an Viele, die überlebt haben, aber auch an die, die verschüttet worden waren und starben.
„Fünf Angriffswellen mit zielgenauen Abwürfen gingen über die Stadt nieder“, so OB Schlimmer. Insgesamt seien im Krieg 400 Landauer Bürger ums Leben gekommen.“Wir haben daraus gelernt und wir haben gelernt, dass Frieden nicht selbstverständlich ist und dass wir etwas dafür tun müssen“.
Als äußerliches Zeichen des Friedenswillens verteilten die Kirchenvertreter am Kirchenausgang später eine kleine Friedenstaube aus Holz. (desa)

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