Freitag, 28. Januar 2022

Forderungspapier Kandeler Grüne: Stopp Biogas aus nachwachsenden Rohstoffen

27. Februar 2013 | Kategorie: Kreis Germersheim, Regional

Karl-Wilhelm Koch, Sprecher der Grünen Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Ökologie, Elke Wittmann-Hauck, Grüne Kandel. Foto: wj

Kandel – Mit heißen Köpfen diskutiert wurde auf der Veranstaltung des Ortsverbands Bündnis 90/ Die Grünen in der Kandeler Stadthalle.

Der Titel „Biogas – ein Irrweg“ war absichtlich provokant formuliert, denn nach Meinung der Grünen nimmt der der Energiepflanzen-, vor allem der Maisanbau, ein Ausmaß an, das für die Ökosysteme nicht mehr tragbar ist.

„Auch in der Südpfalz verdrängen riesige Maismonokulturen immer mehr Ackergehölze, Bachbewuchs und Brachland. So verhinderten sie die Biodiversität in der Natur und reduzierten die Artenvielfalt drastisch“, heißt es bei den Grünen.

In ihrem Referat hob die Beauftragte für die Ortsgemeinden, Elke Wittmann-Hauck, hervor, wie stark die für Energiepflanzen genutzten Ackerflächen in Deutschland zunehmen und weite Landstriche veröden würden.

„Biogas hat verglichen mit Windenergie und Photovoltaik einen viel geringeren Wirkungsgrad, bei enormem Flächenverbrauch. Auch die CO2-Bilanz ist aufgrund der einsetzten Maschinen, des Mineraldüngers und der Herbizide nicht neutral. Warum nimmt dann die Biogaserzeugung aus den Energiepflanzen zu? Grund ist die Förderung aus dem Erneuerbaren Energiegesetz (EEG)“, so Wittmann-Hauck.

Selbstkritisch merkte der Grünen-Energieexperte Karl-Wilhelm Koch an, dass man in der Zeit der rot-grünen Bundesregierung, um den Atomausstieg zu ermöglichen, einer Fehleinschätzung unterlag und nicht gesehen habe, welche Ausmaße die Förderung der Biogaserzeugung aus Energiepflanzen annehmen werde. Er unterstütze aus heutiger Sicht alle Formen der regenerativen Energieerzeugung, dazu gehöre auch Biogas – aber „vernünftig“ erzeugt aus biologischen Abfallstoffen oder aus Klärschlamm, nicht aus speziellen Anpflanzungen.

Man müsse aus der Förderung von neuen Anlagen aussteigen und die Altanlagen, bzw. die Stofferzeugung, zurückfahren. Die Förderung von Energiepflanzen mache der Nahrungsmittelerzeugung Konkurrenz und habe in der internationalen Betrachtung verheerende Folgen auf die Nahrungsmittelversorgung der Armen und auf das Weltklima.

Die zahlreich anwesenden Landwirte aus der Verbandsgemeinde wehrten sich gegen pauschale Verurteilung – man habe sich auf das EEG verlassen und könne nicht ad hoc die Produktion umstellen. Düngemittel und Herbizide würden mit modernen Maschinen genau dosiert, schon aufgrund der Kosten und der umfassenden Kontrollen könne man sich hier keine Maßlosigkeit leisten.

Dem entgegnete Koch, dass man die Betriebe selbstverständlich beim Umstieg unterstützen müsse und dass man eingegangene Verpflichtungen aus dem EEG erfüllen müsse, gleichzeitig aber keine Ausweitung der Produktion mehr fördern dürfe.

Nach lebhafter Diskussion stellte Elke Wittmann-Hauck ein Forderungspapier an die Landes-Umweltministerin Ulrike Höfken zum Stopp der Förderung der Energiepflanzenerzeugung vor:

  • Streichung der Förderung für neue „NawaRo“ –Anlagen (NawaRo = nachwachsende Rohstoffe)
  • Keine neuen Biogasanlagen
  • Biogas nur aus Mist, Müll, Reststoffen, abgelaufenen Lebensmitteln
  • Einbeziehung von Altanlagen und deren sofortigen Rückbau in Schutzgebieten
  • Altanlagen müssen sich an Mähzeiten halten
  • Angebote zur Umschulung von Biogas – Landwirten auf biologische Landwirtschaft
  • Förderung der biologischen Landwirtschaft in Höhe von Biogas-Förderung
  • ein Zurückrudern in der Biogas-Politik, auch als rheinland-pfälzischer Alleingang. (wj/red)

 

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