Mittwoch, 23. September 2020

„F.X. war ein Geschenk für die Stadt Hagenbach“: Stadtbürgermeister a.D. feierlich verabschiedet

10. Dezember 2019 | noch keine Kommentare | Kategorie: Kreis Germersheim, Politik regional, Regional

F.X. Scherrer wird von den Hagenbachern hochgeschätzt.
Fotos: Pfalz-Express/XU – zusätzliche Fotostrecke am Textende

Hagenbach – 25 Jahre war Franz Xaver Scherrer Bürgermeister von Hagenbach, im Juli hat er mit 69 Jahren seine politische Laufbahn beendet, am Sonntag, 8. Dezember, wurde er im Kulturzentrum feierlich verabschiedet.

Unter Moderation des Ersten Beigeordneten Tobias Zimmermann erlebten die Teilnehmer des Festakts einen fulminanten Reigen aus Reden und Grußworten, modernen und traditionellen Kulturbeiträgen. Der Bogen spannte von der eindrucksvollen Eröffnung mit dem Fanfarenzug des Vereins für Volksmusik und Brauchtum im Habsburger Saal bis zum abschließenden Großen Zapfenstreich im Schulhof.

Moderator Tobias Zimmermann.

Stadtbürgermeister Christian Hutter: „Die besten Lösungen für Hagenbach“

Bürgermeister Hutter begrüßte die Gäste

„Dir ging es stets darum, die besten Lösungen für Hagenbach zu finden“, würdigte der neue Stadtbürgermeister Christian Hutter (CDU) seinen Amtsvorgänger. Zu den von Hutter namentlich begrüßten Ehrengästen gehörten der Bundestagsabgeordnete Dr. Thomas Gebhart, der Landtagsabgeordnete Martin Brandl, der ehemalige Landtagsabgeordnete Manfred Kramer, Landrat Dr. Fritz Brechtel, Verbandsbürgermeister Reinhard Scherrer, Bürgermeister Dr. Werner Knaier aus der befreundeten Gemeinde Wiesentheit (Bayern), zahlreiche Bürgermeister und Altbürgermeister aus dem Umkreis und als Laudator Dr. Dieter Luppert, Kandel.

Laudatio Dr. Dieter Luppert:“En Goldfisch“

Laudator Dr. Dieter Luppert

Luppert, ein Freund des Geehrten, war zu Beginn von F.Xs. politischem Engagement CDU-Vorsitzender in Hagenbach. „Ich erinnere mich noch gut an die Worte unseres damaligen Bürgermeisters Karl-August Vogel, er hat wohl als erster dein politisches Geschick erkannt, indem er mir eines Tages geheimnisvoll eröffnete: ‚Dieter, mer hän en Goldfisch an de Angel.‘ Und so war es auch.“

Wie der Kenner weiter ausführte, hat der gebürtige Berger 1970 Marliese Oberfrank aus Hagenbach geheiratet und sich dort niedergelassen. Beruflich war er bis zu seiner Pensionierung Verwaltungsmitarbeiter bei einer Firma in Karlsruhe.

1976 wurde F.X. Scherrer Mitglied des Ortgemeinderates, später Fraktionssprecher sowie Mitglied im Verbandsgemeinderat. Von 1984 bis 1995 war er erster Beigeordneter im Ort, von 1995 bis 2019 Bürgermeister und Kreistagsmitglied, daneben in neun Vereinen und weiteren Gremien und aktiv. Der Lobredner erwähnte insbesondere Scherrers Engagement für die Indienhilfe, u.a. mit dem früh verstorbenen Pfarrer Stefan Braun. „Das nenne ich aktive Nächstenliebe“, so Luppert.

Einen hervorragenden Platz in der Geschichte Hagenbachs habe sich F. X. Scherrer erobert, als es ihm gelang, die im 19. Jahrhundert verlorengegangenen Stadtrechte 2006 wiederzuerlangen. Durch die Ansiedlung von sechs Firmen habe er über 1.000 Arbeitsplätze nach Hagenbach geholt. Er habe die Wirtschaftskraft gestärkt, die Kultur gefördert und die Lebensqualität verbessert.

„Dass dich die Mehrheit der Bevölkerung immer wieder gewählt hat, ist der sicherste Beweis dafür, dass du in den Augen deiner Mitbürger mit Leidenschaft und Augenmaß gehandelt hast.“ Ihm und seiner Gattin Marliese wünschte Luppert noch viele Jahre in wohlverdienter Ruhe.

Verbandsbürgermeister Reinhard Scherrer: „Ideenreich und zielstrebig“

Verbandsbürgermeister Reinhard Scherrer

Verbandsbürgermeister Reinhard Scherrer, wie F.X. in Berg geboren, aber in der SPD, attestierte dem „kommunalpolitischen Urgestein der CDU“, dass er immer für Hagenbach gekämpft hat und das Beste wollte. Ideenreich und zielstrebig habe er seine Projekte vorangetrieben.

„Die beiden Scherrers, der Schwarze und der Rote, haben sich eigentlich gut verstanden, aber nicht immer.“ Manchmal habe es auch gekracht, das solle nicht verschwiegen werden. Wer so lange aktiv ist, brauche einen langen Atem. „Manchmal hat es dir sichtlich Spaß gemacht und Freude, manchmal hast du auch gelitten. Auch dies verbindet uns. Beides sind zwei Seiten der gleichen Medaille.“

Für seine langjährige Tätigkeit sprach der Verbandsbürgermeister dem Ruheständler aufrichtigen Dank aus, sowohl im Namen der Verwaltung als auch ganz persönlich. Jetzt empfahl er ihm, loszulassen und aus einem gesunden Abstand heraus die freie Zeit zu genießen. „Man weiß nicht, wie lange man es noch kann. Deshalb ist meine Empfehlung verbunden mit dem Wunsch, dass dir der liebe Gott noch lange deine Gesundheit erhält.“

Landrat Dr. Fritz Brechtel: „Vollblutpolitiker, dem man vertraut“

Landrat Dr. Fritz Brechtel

„Über zwei Drittel seines Lebens warst du aktiv in deiner Gemeinde und hast Hagenbach ganz wesentlich mitgestaltet“, so Landrat Dr. Fritz Brechtel zu dem „Vollblutpolitiker“. So viele Jahre das Vertrauen der Menschen zu bewahren, sei eine Leistung an sich.

Zu einem jahrzehntelangen ehrenamtlichen Engagement gehöre ein starker Antrieb. „Unsere Gesellschaft braucht Bürgermeister, braucht Charaktere wie F.X. Scherrer. Deshalb verneige ich mich an dieser Stelle. Ich wünsche dir alles Gute für den vierten Lebensabschnitt.“

Anekdote von Irisch Fleisch

Iris Fleisch

Iris Fleisch, Beigeordnete der Verbandsgemeinde Hagenbach, erzählte eine heitere Begebenheit, die sich vor 23 Jahren ereignet hat. Sie war mit ihrem damals vierjährigen Sohn Christian im Dorf unterwegs und traf F.X. Scherrer. Als sie weiterging, fragte ihr Sohn, wer der Mann gewesen sei. Sie sagte, der Bürgermeister und erklärte ihm, was er für Aufgaben habe.

Ein paar Tage später, wieder im Dorf unterwegs, erkannte Christian F.X. Scherrer schon von weitem und sagte: „Mama, da vorne ist wieder der Mann.“ Sie fragte: „Welcher Mann?“ Da sagte er: „De Bundeskanzler von Hagenbach.“

Dr. Thomas Gebhart: „Kämpfernatur“

Dr. Thomas Gebhart

„Er war immer da, wenn man ihn gebraucht hat, man musste ihn nie zweimal um irgendetwas bitten“, lobte der Bundestagsabgeordnete und Parlamentarische Staatssekretär Dr. Thomas Gebhart seinen Parteifreund. Das werfe die Frage auf, wie man so etwas ehrenamtlich leisten könne.

Gebharts erste Antwort: F.X. ist eine Kämpfernatur. Er habe sich nie unterkriegen lassen. Ein zweiter Punkt: „Du hattest immer einen ganz starken Rückhalt in deiner Familie, in Ehefrau Marliese und Tochter Yvonne.“ Und ein dritter Punkt: „Du hattest immer einen ganz klaren inneren Kompass. Und das ist dein christlicher Glaube, dein Menschenbild. Das hat dich geleitet. Du hast das gelebt, das hat dir ermöglicht, für andere Menschen immer da zu sein.“

Die drei Eigenschaften, die Max Weber als besonders wichtig für einen guten Politiker bezeichnet hat: Leidenschaft, Augenmaß und Verantwortungsgefühl, habe F.X. Scherrer mitgebracht und Tag für Tag gelebt.

„Wir verabschieden heute einen großen Kommunalpolitiker. F.X. war ein Geschenk für die Stadt Hagenbach“, so Gebharts Fazit. „Er hat sich für diese Stadt ins Zeug gelegt von morgens bis abends, hat die Menschen, die Vereine, die Gemeinschaft geliebt. Darauf können die Hagenbacher stolz sein, aber auch F.X. Wir sind froh und dankbar, dass wir dich als Menschen und Freund noch lange in unseren Reihen haben.“

Dank der Kirchengemeinden

Pfarrer Pommerening

Pfarrer Alexander Pommerening unterstrich das gute Verhältnis zwischen den Kirchengemeinden und der politischen Gemeinde, zu dem der Altbürgermeister beigetragen habe. F.X. und seine Ehefrau engagierten sich seit Jahren in der katholischen Kirchengemeinde, im Pfarrgemeinderat, Pfarreirat, Kirchenchor und im Steuerrat des Bistums Speyer. Als Geschenk überreichte er eine Ikone des Erzengels Michael.

Grüße aus Wiesentheit

Bürgermeister Werner Knaier

Glückwünsche überbrachte auch Bürgermeister Dr. Werner Knaier aus der befreundeten Gemeinde Wiesentheit (Franken), wohin die Hagenbacher 1939/40 evakuiert waren. In dem Jahr der Evakuierung haben sich viele Freundschaften gebildet, einige ältere Hagenbacher sind dort geboren. 2008 hat Bürgermeister F.X. Scherrer die Freundschaftsurkunde unterzeichnet. Knaier dankte F.X. dafür, dass er den Kontakt gefördert habe.

Dank der Vereine

F.X. mit Vereinsvertretern

Im Namen der 20 Vereine von Hagenbach sprachen Karl Münzing und Berni Fried dem Altbürgermeister ihren Dank aus. F.X. habe stets ein offenes Ohr für die Anliegen der Vereine gehabt. Ein besonderes Anliegen sei ihm die Jugendarbeit gewesen. Die Vereinsvertreter überreichten ihm ein Bild von Armin Hott, in dem seine Hobbys und seine Tätigkeiten humorvoll festgehalten sind.

Abschließende Worte von „F.X.“

Der Mann, um den sich alles drehte: F.X. Scherrer

„Es ist meistens selten, dass ich das letzte Wort habe, aber heute Abend ist es mal so“, scherzte F.X. Scherrer. Er bedankte sich für die beeindruckende Abschlussfeier, die traditionelle und moderne Elemente verbunden habe, und für die freundlichen Worte der Vorredner.

Er nannte einige Projekte, die ihm als Bürgermeister besonders am Herzen lagen, wie die Erlangung der Stadtrechte 2006, die Ansiedlung von Gewerbe, die Erschließung neuer Wohngebiete oder die Fertigstellung des Kulturzentrums.

Nicht alles sei gelungen, so stehe die Lösung der Verkehrsprobleme noch aus. „Die Projekte konnten nur umgesetzt werden, weil viele sie befürwortet haben.“ Dafür dankte er den allen Beteiligten. „Vieles haben wir gemeinsam auf den Weg gebracht, vieles ist am Wachsen und Werden, Tradition und Zukunft gehen Hand in Hand.“

Musik, Tanz und Gesang

Zwischen den Reden und Grußworten gab es eine Fülle von künstlerischen Darbietungen, alle von Akteuren und Vereinen aus Hagenbach.

Der erst zehnjährige Felipe Tito Maya-Goll, geboren in Filderstadt bei Stuttgart, seit fünf Jahren ein Nachbar von F.X. Scherrer, spielte zwei Stücke am Flügel, darunter ein eigenes – ein Ausnahmetalent, von dem man sicher noch hören wird.

Eine Indische Formation führte als Dank an F.X. und seine Frau Marliese für 25 Jahre Indienhilfe indische Tänze auf.

Ein Wunsch des Altbürgermeisters ging in Erfüllung, als ein gemeinsamer Hagenbacher Männerchor mit mehreren Liedern auftrat. Eine Schautanzgruppe aus Martinas Tanzwelt erfreute mit modernen Tänze.

Nach dem offiziellen Teil im Kulturzentrum waren die Gäste zu einem Umtrunk eingeladen. Viele gratulierten dem Geehrten persönlich mit Geschenken.

Den würdigen Schlusspunkt setzte der Große Zapfenstreich, der unter Beteiligung des Musikvereins Rheingold Hagenbach, des Spielmannzugs der Feuerwehr Jockgrim, des Gemeinsamen Männerchors, einer Abordnung der Vereine und der Freiwilligen Feuerwehr im benachbarten Grundschulhof aufgeführt wurde. (xu)

 

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