Germersheim – Im Germersheimer Standesamt ist am Montag das erste gleichgeschlechtliche Paar getraut worden.
Am 1. Oktober ist das Gesetz zur „Ehe für alle“ in Kraft getreten. Armin Lutzke und Stefan Hartlieb gaben sich sofort das Jawort – der Standesbeamte Rudolf Adam sagte, seines Wissens sogar als erstes Paar in Rheinland-Pfalz.
Nachdem am Wochenende die dazu nötige neue Software bei den Behörden eingespielt worden war, wollten Lutzke und Hartlieb keinen Tag länger warten. Gegen 10 Uhr am Morgen bekam das Paar Bescheid, dass die Technik funktioniert, kurz nach 12 Uhr standen die beiden vor Adam und besiegelten ihre Beziehung ganz offiziell. Denn „Ehe“ durften sie ihr Bündnis bisher nicht nennen, sondern lediglich „eingetragene Partnerschaft“.
Seit zehn Jahren leben sie zusammen, seit 2013 sind sie „verpartnert“. Richtig verheiratet zu sein wünschten sie sich schon lange: „Das ist nochmal etwas ganz anderes“, sagt Lutzke. „Wir sind jetzt ein ganz normales Ehepaar, werden auch in der Statistik so ausgewiesen und stehen im Eheregister.“
Lutzke (Jahrgang 68) kann sich noch an ganz andere Zeiten erinnern. Erst 1994 schaffte der Bundestag den seit über 120 Jahren geltenden berüchtigten „Homosexuellen-Paragrafen“ 175 des deutschen Strafgesetzbuchs ab. Die Liebe zwischen Männern oder Frauen ist seitdem kein Fall für den Staatsanwalt mehr. Die gesellschaftliche Akzeptanz hat trotzdem noch lange auf sich warten lassen und ist bis heute nicht selbstverständlich.
Lutzke und Hartlieb jedenfalls sind dankbar, dass alle drei Südpfälzer Bundestagsabgeordneten für die „Ehe für alle“ gestimmt haben. Die Abstimmung haben sie live im TV verfolgt. Als das Ergebnis feststand (393 Abgeordnete stimmten dafür, 226 dagegen) war sofort klar, dass sie zu den ersten gehören wollen, die das neue Gesetz nutzen.
Auch Standesbeamter Adam sagte in seiner Ansprache, dass es an der Zeit sei, dass die gleichgeschlechtliche Ehe zur Normalität gehöre. Das frisch vermählte Paar jedenfalls ist „total happy“. „An diesem Tag haben wir unsere Liebe und die Demokratie gefeiert“, so Lutzke und Hartlieb.
Ihre Namen wollen sie erst einmal beibehalten: „Vielleicht später einen Doppelnamen, das überlegen wir noch.“ Demnächst geht es in die Flitterwochen in die Karibik. (cli)
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