
V.li.: Francis Joerger, Anne Sander, Frédéric Reiss, Christine Schneider, Thomas Gebhart und Edwin Diesel.
Fotos: Pfalz-Express/Licht – Fotostrecke am Textende
Scheibenhard(t) – Der südpfälzische Bundestagsabgeordnete CDU-Dr. Thomas Gebhart, sein französischer Kollege Frédéric Reiss, die Europaabgeordneten Christine Schneider und Anne Sander und die Bürgermeister der beiden Grenzgemeinden Scheibenhardt (dt.) und Scheibenhard (frz.), Edwin Diesel und Francis Joerger, haben sich am Freitagmittag an der gesperrten Brücke des Grenzorts getroffen, um gemeinsam ein Zeichen für ein vereintes Europa und die deutsch-französische Freundschaft zu setzen.
Direkt auf der Brücke verlief einst die Grenze. Mit dem Schengener-Abkommen wurde sie aufgehoben, das ehemalige Grenzhäuschen hatte man zur Erinnerung stehen lassen. Seither gibt es ein gutes deutsch-französisches Miteinander mit gemeinsamen Projekten und Festen. Das beliebteste und bekannteste ist das alljährliche Brückenfest. Nun ist die Grenze seit Wochen wieder geschlossen – die Corona-Pandemie veranlasste Innenminister Horst Seehofer (CSU) zur innereuropäischen Grenzschließung.
Die teils sehr intensiven Grenzkontrollen brachten Probleme für die täglichen Berufspendler und den Warenverkehr mit sich. Lange Staus bildeten sich, Leute kamen zu spät zur Arbeit oder beklagten „Schikanen“ bei den Grenzkontrollen.
Am schlimmsten aber waren die unschönen Szenen, die sich immer wieder abspielten: Franzosen wurden angegangen, beleidigt, geschmäht oder gar ihre Fahrzeuge beschädigt, wenn sie nach einem Arbeitstag in Deutschland noch schnell einen Einkauf erledigten. Das kann und darf nicht sein – darüber sind sich die allermeisten Bürger in beiden Ländern und auch die Politik einig.
„Es lebe die deutsch-französische Freundschaft – Vive l’amitié franco-allemande“
So wurde denn auf der Lauterbrücke die deutsch-französische Freundschaft aufs neue besiegelt. Ein Schild, gehalten von den Politiker auf beiden Seiten über den Trennstich hinweg, verlautbarte: Es lebe die deutsch-französische Freundschaft – Vive l’amitié franco-allemande.
Die Grenzen müssten so schnell wie möglich wieder geöffnet werden, sagte Thomas Gebhart. Die Freundschaft beider Länder sei ihm eine Herzensangelegenheit.
Komisch sei es, dass nun jeder getrennt in seinem eigenen Land stehe, meinte Frédéric Reiss. Die Krise habe es leider so gemacht.
Christine Schneider und Anne Sander verlasen eine gemeinsame Erklärung. Drei große Kriege innerhalb von hundert Jahren habe es gegeben, in denen sich Deutschland und Frankreich als Feinde gegenüber gestandenen hatten. Gerade deshalb sei die heutige Freundschaft zwischen den Ländern so wichtig.
„Ein Schock“
Sichtlich mitgenommen ist der Scheibenharder Bürgermeister Joerger von der ganzen Situation. Seit vielen Jahren arbeitet er leidenschaftlich für die deutsch-französische Freundschaft. Dass seine Landsleute diffamiert wurden, kann er nur schwer verkraften. Ebenso die Grenze, die wieder mitten durchs Dorf quasi über Nacht aus dem Boden gestampft wurde. „Das kann doch nicht wahr sein“, sagte Joerger. „Das ist ein Schock!“ Er selbst sei ebenfalls kontrolliert und gefragt worden, ob er ein französischer oder ein deutscher Scheibenhard(t)er sei. „Ich bin ein europäischer Scheibernhard(t)er“, habe er den Grenzbeamten geantwortet.
Der Nationalismus sei nicht weg, er lauere „diskret hiwwe und driwwe“. „Corona hat auch Europa den Atem abgeschnürt“, sagte Joerger – eine tiefe Enttäuschung steht hinter seinen Worten.
Immerhin: Das Schild wurde von den Politikern unterschrieben (mit sterilisierten Stiften), die Freundschaft bekräftigt. Danach stiegen als weiteres Zeichen der Gemeinsamkeit blaue Ballons in den – ebenfalls blauen – Himmel auf. (cli)

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