
Quelle: bachstelz verlag
In seinem Buch „Kleine Kulturgeschichte Europas“ geht der Volkskundler und Verleger Helmut Seebach den Entwicklungen unseres selbstverständlich gelebten volkstümlichen Brauchtums nach, dessen Ursprünge wir uns zumeist nicht bewusst sind.
Mit dem Untertitel „Das Erbe der Schweizer Reformation“ verrät der Autor, worauf es ihm ankommt.
Es waren Schweizer Reformierte, die sowohl in Pfalz/Elsass nach dem 30jährigen Krieg als auch in Pennsylvania ab dem späten 17. Jahrhundert die Erstsiedler darstellten. Ihre vertrauten alpinen Bräuche und Gewohnheiten hatten sie in die Fremde mitgebracht. In ihrer jeweiligen neuen Heimat begründeten sie im ethnokulturellen Sinne quasi Schweizer Kolonien und prägten sie fortan nach ihren vertrauten kulturellen Mustern.
Deshalb haben wir in der Schweiz, in Pfalz/Elsass und in Pennsylvania die gleichen Phänomene aufzuweisen wie Belzenickel, Christkind, Weihnachtsbaum, Osterhase, Straubengebäck, Saumagen, Sauerkraut, Kartoffeln, Holzschuhe oder die Elwetrittsche. Aber auch das heute politisch stigmatisierte Hakenkreuz ist ursprünglich eine Hinterlassenschaft ihres streng an der Bibel orientierten Glaubens und Lebens. Es war eine von zahlreich gebrauchten Kreuzesformen ihrer religiös geprägten Bildersprache.
Die Reformierten haben altes katholisches Brauchtum umgeformt und neue Narrative als Begründung geliefert. So wurde der Paradiesbaum aus dem ursprünglichen kirchlichen Krippenspiel zum bunten Lichterbaum als profanierter Bestandteil der Weihnachtszeit.
Der eierlegende Osterhase ist aus der spätmittelalterlichen Vorstellung des Narrenbrütens hervorgegangen und sollte das katholische Eier-Fastentabu ersetzen. Deshalb halten heute Erwachsene die Kinder zum Narren, indem sie die angeblichen Haseneier suchen lassen. Zusammen mit dem lichtergeschmückten Weihnachtsbaum haben beide mittlerweile weltweit Karriere gemacht.
Es gibt weder inhaltlich noch vom Titel ein vergleichbares Buch auf dem deutschsprachigen Markt. Es ist ein europäisches Buch im besten Sinne des Wortes. Der aus Annweiler-Queichhambach stammende Autor Helmut Seebach hat mit diesem Werk die Entwicklung vom Pfälzer Volkskundler zum europäischen Ethnologen vollzogen.
Lesezeichen:
Helmut Seebach. Kleine Europäische Kulturgeschichte. Das kulturelle Erbe der Schweizer Reformation. Essen – Kleidung – Brauch – Bildersprache. Bachstelz-Verlag 2020.
ISBN: 978-3-924115-43-2
282 Seiten, zahlreiche Abbildungen, Karten, Schemata; Preis: 29,80. Euro.

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