Freitag, 20. Mai 2022

Buchneuerscheinung: Helmut Seebach. Schweizer – Pfälzer – Palatines

Dokumentation und Analyse eines populären Missverständnisses

14. März 2021 | Kategorie: Bücher, Ratgeber

Quelle: bachstelz verlag

Der Mainzer Volkskundler Helmut Seebach hat in den vergangenen Jahren mehrere Publikationen zu den kulturellen Folgen der Schweizer Reformation auf Europa und Pennsylvania vorgelegt.

Seine Hauptthese ist, dass infolge der Auswanderung der alpinen Religionsflüchtlinge die kulturellen Milieus in Europa und Pennsylvania fundamental geprägt wurden und die Kolonisten in der Zeit nach dem 30jährigen Krieg eine Lebenserneuerung in den entvölkerten und verwüsteten Regionen hervorriefen.

Facettenreich hat der Autor die gemeinsamen Kulturprofile der Schweizer, Pfälzer und Palatines herausgearbeitet, die sich u.a. in der Kleidung, Nahrung, Hausbau, Landwirtschaft, Brauchtum etc. zeigen.

Der siebte und letzte Band der Reihe beschreibt in einem Kapitel die Sprache der Kolonisten: Schwiizer Dütsch, Pfälzisch, Pennsylvania Dutch: Erstmals für die pfälzische Dialektologie wird Alemannisches Sprachgut im Pfälzischen nachgewiesen.

Erhellend für die kulturale Beschreibung der Kolonisten sind die verschiedenen Bedeutungsvarianten von „Pfälzer/Palatines“ in ihren Zielorten London, Irland und Pennsylvania.

Bedeutsam ist die Erkenntnis, dass sich hinter dieser Gruppenbezeichnung das Prinzip „der letzten Adresse“ verbirgt.

So sind z.B. die im angelsächsisch-amerikanischen Sprachraum gestrandeten „Palatines“ keine originären Pfälzer, sondern reformierte Schweizer, deren letzte Heimat lediglich das Gebiet der Pfalz war.

Daraus resultierte bislang eine folgenreiche wissenschaftliche Unschärfe, die zu Fehldeutungen und Missverständnissen, vor allem in der pfälzischen Auswandererforschung, führte.

Dieses grundlegende und erkenntnisweisende Verständnis belegt der Volkskundler abschließend anhand eindrücklicher authentischer Schilderungen der „Palatines“ (Schweizer Reformierte) aus der Feder von Daniel Defoe, Benjamin Franklin, Dr. Benjamin Rush und Paul Heyse.

Den Band beschließt eine Geschichte der Täufer im 16. und 17. Jahrhundert im Gebiet der Pfalz.

Lesezeichen:

Helmut Seebach. Schweizer – Pfälzer – Palatines. Dokumentation und Analyse eines populären Missverständnisses. © Bachstelz-Verlag, Mainz-Gonsenheim 2021. ISBN: 978-3-924115-44-9, 228 Seiten, Abb., Preis 29,80 Euro.

Die Bücher aus der Reihe zu den kulturellen Folgen der Schweizer Reformation:

Schweiz – Pfalz – Pennsylvania. Ursprung und Werden von Pfalz und Pfälzern – eine kulturwissenschaftliche Grundlegung. ISBN: 978-3-924115-38-8

Die Schweizer Reformation. Eine transnationale Kulturströmung. Traditionswanderungen Alpen – Skandinavien. Zur Neuorientierung der europäischen Ethnologie. ISBN: 978-3-924115-40-1

Die geheime Bildersprache des Pietismus. Christliches Leben zwischen Reformation und Inquisition. Fels- und Ritzzeichnungen -Volkskunst – Hausbau -Tracht. ISBN: 978-3-924115-39-5

Wenn Steine reden … Pietistische Felsbilder im Pfälzerwald. Eine grundsätzliche Berichtigung in europäischem Zusammenhang. ISBN: 978-3-924115-41-8

Siedlung, Haus und Hof in der Pfalz. In europäischem Zusammenhang. Band 1. ISBN 978-3-924115-42-5

Kleine Kulturgeschichte Europas Das Erbe der Schweizer Reformation. ISBN 978-3-924115-43-2

 

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