
Landrat Dr. Fritz Brechtel (li), Dr. Peter Keller, der neue Leiter des Bienwaldprojekts und Landrätin Theresia Riedmaier in den Räumen des Projektbüros in Kandel.
Fotos: Licht
Kandel – Seit 1. November hat Dr. Peter Keller die Leitung des Bienwald-Projekts inne. Der Biologe folgt Kerstin Arnold nach, die sich beruflich verändert hatte. Keller will nahtlos an den bislang bereits umgesetzten Zielen anknüpfen und das Naturschutzprojekt weiter vorantreiben.
Landrätin Theresia Riedmaier und Landrat Dr. Fritz Brechtel mussten sich aus einer Vielzahl von Bewerbern für die freigewordene Stelle entscheiden: „Dr. Peter Keller überzeugte uns. Er ist ein ausgezeichneter Biologe, kennt unsere Region, die Menschen und das Projekt bereits von früheren Aufgaben. Wir wünschen ihm gute Ergebnisse und interessante Aufgaben innerhalb dieses einmaligen Projekts in unseren Landkreisen.“
Mit dem Naturschutzgroßprojekt soll der Erhalt der wertvollen Lebensräume mit typischen Tieren und Pflanzen langfristig gesichert und durch gezielte Maßnahmen entwickelt werden.
Gleichzeitig soll die zerstückelte Grün und Nutzlandschaft zu jeweils homogeneren Flächen zusammengeführt werden. Zahlreiche landwirtschaftlichen Nutzflächen sind unterbrochen von Grünflächen, darauf folgt wieder ein Stück Nutzfläche, das unter Umständen wieder von Grund-oder Schwemmland eingegrenzt ist – vielerorts ein Flickenteppich.
Das Problem dabei ist, die jeweiligen Eigentümer zu überzeugen, ihren Besitz zu verkaufen, damit die landschaftliche Umgestalzung vorgenommen werden kann. Das alles findet jedoch auf freiwilliger Basis statt – es gibt weder Zwang noch Druck, versichern sowohl Keller als auch die beiden Landeräte, deren Landkreise die Träger des Projekts sind.
In Gesprächen überzeugen
Rücksicht wird auf alle genommen, betont Keller: „Ich möchte an die guten Fortschritten und Entwicklungen im Bienwaldprojekt anknüpfen – zusammen mit dem Projektteam, den Landkreisen als Träger, den beteiligten Verwaltungen, den Landnutzern, den Land- und Naturschützern und vor allem mit den hier lebenden und wirtschaftenden Menschen. Über diese Herausforderung freue ich mich“, erklärt Peter Keller.
Peter Keller arbeitete als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Botanik der Technischen Hochschule Darmstadt, als Wissenschaftlicher Angestellter am Landesamt für Umwelt, Wasserwirtschaft und Gewerbeaufsicht, anschließend bei einer Firma für Bodenberatung und Landschaftspflege u. a. als stellvertretender Laborleiter.
Vor zehn Jahren machte sich Keller selbständig und übernahm bspw. die Geschäftsführung im Landschaftspflegeverband Südpfalz. Auch fertigte er botanische und zoologische Kartierungen an, erarbeitete Gutachten und Planungen im Bereich Naturschutz, Landschaftspflege und Umweltbildung an. Darüber hinaus nimmt er Lehraufträge an der Universität in Landau wahr.
Der 54jährige Biologe ist Vorstandsmitglied im Bundesvorstand des deutschen Verbands für Landschaftspflege, Vorsitzender der Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie Rheinland-Pfalz und der Stiftung „proNatur Rheinland-Pfalz“ sowie ehrenamtlicher stellvertretender Geschäftsführer des Konsortiums der Umweltverbände BUND, NABU und GNOR für das Freiwillige Ökologische Jahr in Rheinland-Pfalz.
Was sind die Ziele des Bienwaldprojekts?
Ein zentrales Anliegen des Projekts ist das Miteinander von Naturschutz und raumrelevanten Nutzern, insbesondere Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Naherholung und „sanfter“ Tourismus. Mit dem Projekt sollen Synergieeffekte zwischen Naturschutz und anderen Interessen gestärkt werden. So setzt das Projekt z.B. auf Naturschutz durch Nutzung oder möchte die Regionalvermarktung als weiteres Standbein für die Land- und Forstwirtschaft weiterentwickeln.
Gleichzeitig soll der Bienwald durch eine geeignete Besucherlenkung als Naturerlebnisraum entwickelt werden. Geplant ist eine großräumige Vernetzung wertvoller Lebensräume und damit Schaffung eines Biotopverbunds zwischen dem Pfälzerwald und den Rheinauen.
– Ausrichtung der forstlichen Nutzung an einer ökologischen, standortangepassten Waldentwicklung.
– Ausweisung einer 1.680 Hektar großen Naturwaldfläche, in der die Nutzung zu gunsten eines sich eigendynamisch entwickelnden Naturwaldes eingestellt wird.
– Naturnahe Entwicklung der Gewässer und ihrer Auen, insbesondere durch die Wiederherstellung eines naturnahen Wasserhaushalts.
– Erhalt und Förderung der kulturhistorisch typischen und für den Naturschutz besonders wertvollen Offenlandbiotope. Hierzu gilt es, gemeinsam mit den Landnutzern naturschutzgerechte Bewirtschaftungskonzepte zu erarbeiten und umzusetzen.
Die Förderung erfolgt über das Bundesförderprogramm chance.natur und wird zu 70% über das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesumweltministeriums und zu 20% über das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung, Weinbau und Forsten Rheinland-Pfalz finanziert. Die restlichen 10% werden von den Projektträgern übernommen, wobei der Landkreis Germersheim zwei Drittel der Kosten übernimmt, die Südliche Weinstraße ein Drittel, je nach Flächenverteilung. (red/cli)

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