Freitag, 02. Dezember 2022

Ausstellung im Bibelmuseum Neustadt eröffnet: Deutsche Bibeln gab es schon vor Luther

1. Oktober 2022 | Kategorie: Neustadt a.d. Weinstraße und Speyer

Michael Landgraf ist ein profunder Kenner der Materie.
Foto: Pfalz-Express/Ahme

Neustadt. Die Bibel ist der Bestseller überhaupt und in vielen Sprachen, Übersetzungen und Ausgaben erschienen. Einer, der sich damit bestens damit auskennt, ist Michael Landgraf, Leiter des Religionspädagogischen Zentrums und des Bibelmuseums in Neustadt.

In eben diesem Erlebnis-Bibelmuseum in der Stiftstraße 23 wurde eine Ausstellung eröffnet, die die 1600 Jahre spannende Geschichte der Bibel beleuchtet.
Im Gewand eines Druckermeisters aus Gutenbergs Zeit führte Landgraf zur Eröffnung mit einem Lichtbildvortrag in die nicht ganz leichte Materie ein. Die anwesenden Gäste, darunter auch einige Kollegen des Vortragenden, lauschten dem Vortrag und konnten auch Fragen stellen. Der Vortrag war zwar fachlich, aber dennoch so unterhaltsam aufgebaut, dass jeder Interessierte der Sache folgen konnte. Die Gäste durften sogar selbst einige Bibelausgaben vorsichtig unter die Lupe nehmen.

Foto: Pfalz-Express/Ahme

Man könnte ja meinen, dass es vor Luther keine Bibelübersetzungen ins Deutsche gegeben hat. Denn genau vor 500 Jahren hat Martin Luther das Neue Testament und die Bibel ins Deutsche übersetzt und es damit geschafft, die Botschaft des Alten und Neuen Testaments auch Latein-Unkundigen an die Hand zu geben.

„Doch schon vor ihm gab es rund 1000 Jahre Bibelhandschriften und seit 1466 achtzehn Bibeldrucke in deutscher Sprache“, berichtigt Michael Landgraf diese Meinung.
Neben Luther hatten auch katholische Gelehrte, Täufer und Reformierte in der Schweiz deutsche Bibeln herausgebracht. Und später kamen urtextnahe und verständnisorientierte Übersetzungen, Bibeln mit Kommentaren, mit Bildern jeweils aktueller Künstler sowie Kinderbibeln hinzu.

In der Schatzkammer des Bibelmuseums.
Foto: Pfalz-Express/Ahme

Dennoch bleiben der Text und die Sprache der Lutherbibel einzigartig, denn schließlich hatte Luther mit seiner frühneuhochdeutsche Sprache die Basis des heutigen Hochdeutsch gelegt und unzählige Sprachbilder geschaffen, die heute noch unsere Sprache prägen.

Die Ausstellung zeigt, dass auch die Pfalz und insbesondere Neustadt in dieser Historie eine wichtige Rolle gespielt hat.
Basis der Ausstellung ist das Buch „Deutsche Bibeln“ von Michael Landgraf. Die Ausstellung umfasst 18 Tafeln, entstand in Zusammenarbeit mit „Das Team“ in Neustadt, und wird bis März 2022 Teil der Dauerausstellung des Bibelmuseums (www.bibelmuseum-pfalz.de) sein.

Nach dem Vortrag gab es Möglichkeiten, sich zu informieren.
Foto: Pfalz-Express/Ahme

Der Pfalz-Express wollte wissen:

„Herr Landgraf, warum sind denn diese anderen, früheren Übersetzungen eigentlich so unbekannt?“

Martin Luther hat, und da ist man sich jenseits der religiösen Orientierung einig, die deutsche Hochsprache mit geprägt. Er verwendete eine frühneuhochdeutsche Sprache, die sich durch die Lutherbibel im gesamten Reich mit seinen sehr unterschiedlichen Sprachformen verbreitet hat und ein einigendes Band wurde. Daher ist beim Thema Bibelübersetzung für viele Luther im Gedächtnis. Ein anderer Grund ist, dass nur wenige Bibelübersetzer des Mittelalters bekannt sind. Spätere Bibelübersetzer hatten nicht den Erfolg, weil sie weniger verständlich waren als Luthers Bibel.

„Wie wichtig war denn in diesem Zusammenhang die Entdeckung der Wulfila-Handschrift aus dem verschollenen Codex Argenteus?“

Dass eine Seite der ältesten germanischen Bibelübertragung in der Afra-Kapelle des Speyerer Doms entdeckt wurde und nun im Bistumsarchiv aufbewahrt wird, ist für die Pfalz sehr bedeutend. Der restliche Codex wurde ja von den Schweden im Dreißigjährigen Krieg geraubt und liegt heute in Uppsala.

„Wie muss denn eine heutige Bibelübersetzung beschaffen sein, um einerseits den historischen Kontext, andererseits die Nähe zur heutigen Zeit herzustellen?“

Luther sagte mal, man müssen den Männern, Frauen und Kindern beim Übersetzen „aufs Maul schauen“, heißt sich an ihrer Sprache orientieren. Sprache, Sprachbilder und Denkweisen ändern sich andauernd. Daher braucht es immer wieder auch neue Übersetzungen, aber auch Bibeln für Kinder und Jugendliche, damit das Wesentliche der Heiligen Schrift verstanden wird.

Foto: Pfalz-Express/Ahme

Buchtipp:

Michael Landgraf, Deutsche Bibel. Vor und nach Martin Luther. Speyer 2022, 160 Seiten, 19,90 Euro,, Speyer und Stuttgart, ISBN 978-3-947534-26-5 oder 978-3-438-06101-0.

Foto: red

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