Samstag, 16. November 2019

Auf den Spuren ihrer Vorfahren: Mirjam Wolff und Vera Szekely besuchen Zeiskam

23. November 2014 | noch keine Kommentare | Kategorie: Allgemein, Kreis Germersheim, Regional

Klaus Weiß (links) und Peter Herzog freuen sich über den Besuch von Mirjam Wolff und Vera Szekely (2.v.r.).
Foto: Pfalz-Express/Ahme

Zeiskam. Mirjam Wolff und Vera Szekely kamen in Begleitung von Ria Krampitz zu einem Kurzbesuch nach Zeiskam.

Ria Krampitz, die sich seit langem mit dem Schicksal ehemaliger jüdischer Bürger in der Pfalz beschäftigt, hat darüber schon Einiges geschrieben. Die Leiterin des Speyerer Seniorenbüros hat die beiden Schwestern, die seit vielen Jahren in Stockholm leben, während ihres Aufenthaltes in Deutschland begleitet.

„Ich bekam ursprünglich Kontakt zur Familie über die Steven Spielberg Foundation“, erzählt Krampitz, die viele Jahre Kontakt mit Dr. Edith Szekely hielt und sie auch in Schweden besucht hat. Mirjam Wolff und Vera Szekely waren in Heidelberg Ehrengäste der Aktion Stolpersteine, denn die Großeltern Isaak und Laura Sussmanowitz  lebten lange Jahre in Heidelberg, in der Goethestraße 12.

Die Aktion Stolpersteine wurde von Künstler Gunter Demnig begründet. Er ist in der ganzen Republik unterwegs um „Opfern des NS-Regimes ihre Namen zurückzugeben“. Diese Stolpersteine werden in den Boden vor den ehemaligen Wohnungen und Häusern der Opfer eingelassen um an sie zu erinnern (siehe pdf: Ab Seite 34 wird über Familie Szekely/Sussmanowitz berichtet) Stolpersteine HD 2014-11-20 Broschüre final 2014-11-10

Mirjam Wolff ist Psychologin, verheiratet, hat einen Sohn und drei Enkelinnen, Vera Szekely ist ebenfalls verheiratet, hat keine Kinder. Sie arbeitet im Kulturbereich.

Nun kamen die Beiden auf Einladung des früheren Ortsbürgermeisters Peter Herzog und seines Nachfolgers Klaus Weiß auch nach Zeiskam. Hier lebte und praktizierte ihr Großvater Dr. Isaak Sussmanowitz von 1902 bis 1913 als Dorfarzt in der Kronstraße 14. Hier wurde Edith Szekely, die Mutter der beiden Schwestern und auch deren Onkel Ernst Max geboren.

1913 ging Sussmanowitz mit Ehefrau Laura nach Speyer, wo er bis 1929 praktizierte. Nach einem Herzinfarkt im gleichen Jahr zog er mit seiner Frau nach Heidelberg, wo die beiden Kinder studierten. 1940 wurde er mit seiner Frau Laura nach Gurs verschleppt. Nur einen Monat später starb er mit 70 Jahren an Erschöpfung und Unterernährung. Seine Frau Laura wurde aus unbekannten Gründen in ein anderes Lager deportiert. Von dort gelang ihr die Flucht nach Schweden, wohin mittlerweile Tochter Edith zusammen mit Ehemann Lajos emigriert war. Bis zu ihrem Tod lebte Edith Szekely in Stockholm zusammen mit ihrer Familie in politischer Sicherheit. Ehemann Lajos war 1998 im Alter von 91 Jahren gestorben.

Bei einem Pressetermin im Rathaus mit Herzog und Weiß, bei dem auch Edgar Schnell, der Zeiskamer Ortschronist und Adolf Hoffmann als Zeitzeuge anwesend waren, wurden die drei Damen über den Ort Zeiskam und seine Besonderheiten informiert.

2400 Einwohner hat Zeiskam aktuell; 1902 als Sussmanowitz praktizierte, waren es cirka 1800. „Wir freuen uns, dass Nachfahren ehemaliger jüdischer Bürger wieder nach Zeiskam zurückgefunden haben“, erklärte Weiß und überreichte ihnen die Abschrift der Geburtsurkunden von Mutter und Onkel. Auch über die Heimatbriefe, die Ortschronik zur 1225-Jahr-Feier sowie Edgar Schnells Buch über das Dritte Reich in Zeiskam freuten sich Wolff und Szekely, die übrigens gut deutsch sprechen.

Nur cirka 150 Meter vom Rathaus befindet sich das Haus, in dem der Großvater gelebt hat. Natürlich führte Herzog die beiden Besucherinnen speziell zu diesem Anwesen, das 1900 gebaut worden war und später im Laufe der Jahre immer wieder umgebaut worden ist. Ein Lebensmittelgeschäft und später ein Papiergeschäft beherbergte das Gebäude. Die beiden Schwestern zeigten sich sehr bewegt und wissbegierig.

Adolf Hoffmann konnte berichten, dass Dr. Sussmanowitz im Ort sehr angesehen und beliebt gewesen sei. Auch den Ausführungen von Edgar Schnell lauschten sie sehr interessiert. Er wusste zu berichten, dass sich seinerzeit drei Ärzte für die Arztstelle beworben hatten und man ihn bevorzugt hatte. In Zeiskam habe man nicht viel über jüdische Bürger gesprochen, erzählt Klaus Weiß. Da sei das Thema regelrecht totgeschwiegen worden.

Was hat die Schwestern bewegt, nach Zeiskam zu kommen? „Es ist wichtig, Bescheid über seine Wurzeln zu wissen“, sagen sie. „Als Kinder hätten wir aber nicht gedacht, jemals nach Deutschland zu gehen“ berichtet Mirjam. Trotzdem sei man schon relativ früh nach Kriegsende, wohl in den Fünfziger Jahren mit den Eltern, die hier Vorträge gehalten hatten, nach Deutschland gekommen. Vera Szekely hat danach in den siebziger Jahren am Berliner Schillertheater gearbeitet. „Unsere Eltern haben immer vorwärts gedacht“, so Mirjam Wolff. „Wir finden es großartig, dass man in Deutschland mit der Erinnerung arbeitet“. Von Groll gegen Deutschland ist im Gespräch wirklich nichts zu spüren, sondern eine große Liebenswürdigkeit.

„Was hat Ihnen denn Ihre Mutter über Ihren Großvater erzählt?“ „Er sei sehr streng und ernst gewesen, mehr wissen wir nicht über ihn“, erinnert sich Mirjam Wolff. Gerne würden die Schwestern mehr über ihren Großvater Dr. Sussmanowitz erfahren und hätten auch gerne ein Bild von ihm gehabt. Interessieren würde sie auch, warum Großmutter Laura seinerzeit umgesiedelt wurde und so Gurs überleben konnte.Vielleicht kann ja ein Leser weiterhelfen?

„Zeiskam hat uns gut gefallen“, sagen Mirjam Wolff und Vera Szekely zum Abschied. Sie fühlen sich gut aufgenommen, wollen gerne wieder einmal in die Pfalz und speziell nach Zeiskam kommen und dann auch gerne länger bleiben. (desa)

Mirjam Wolff und Vera Szekely wollen mehr über Großvater Isaak Sussmanowitz wissen.
Foto: Pfalz-Express/Ahme

Ortschronist Schnell, Klaus Weiß, Ria Krampitz und Peter Herzog (v.l.) beim Pressetermin im Rathaus.
Foto: Pfalz-Express/Ahme

Das Haus, in dem Großvater Isaak lebte und arbeitete, hat nicht mehr viel mit dem Ursprungsgebäude gemein.
Foto: Pfalz-Express/Ahme

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