Sonntag, 11. April 2021

Annweiler: Jahresgedenken an verheerenden Bombenangriff am 29. Dezember 1944 – Zeitzeugin erinnert sich

29. Dezember 2020 | Kategorie: Kreis Südliche Weinstraße, Regional

Ein Denkmal erinnert in Annweiler an eine der dunkelsten Stunden der Stadt.
Bildquellen: Stadt Annweiler

Annweiler. Um 14.30 Uhr werden auch in diesem Jahr am 29. Dezember wieder die Glocken der Stadtkirche gegen das Vergessen und an ein dunkles Kapitel in der Geschichte der Stadt erinnern.

„Derer zu gedenken, welche an diesem schrecklichen Tage und den darauffolgenden Wochen ihr Leben verloren haben, ist unsere Verpflichtung und Aufgabe. Wir alle tragen dazu bei –Gegen das Vergessen“ so Stadtbürgermeister Benjamin Seyfried.

„Die nachfolgende schonungslose Erinnerung einer Zeitzeugin, soll uns diesen schrecklichen Tag ins Bewusstsein bringen. Herzlichen Dank an Günter Frey, der diesen Bericht aufgezeichnet hat“, so Seyfried.

„Am Tag danach“ – Erinnerungen einer Zeitzeugin

Wenn auch die Anzahl der noch lebenden Zeitzeugen, die den Bombenangriff mit erlebt hatten, von Jahr zu Jahr immer weniger werden, so ist dieses Ereignis für einige Zeitzeugen noch in ihren Erinnerungen prägend bis zur Gegenwart geblieben. Die Zeitzeugin J. K. erinnert sich:

„Zum Monatsanfang Dezember war meine Familie von Annweiler nach Spirkelbach zu Verwandten umgesiedelt, weil uns das weitere Verweilen in Annweiler zu gefährlich erschien, zumal wir Wochen vorher den Absturz einer fehlgeleiteten V 1 in der Landauer Straße erlebt hatten.

Wir glaubten somit in der Waldgemeinde sicherer zu sein. Am Tag nach dem Bombenangriff musste ich in der Apotheke in Annweiler Medikamente holen und fuhr mit dem Fahrrad über die Landstraße, immer auf der Hut und nach Fliegermotorengeräusche der Jabo lauschend. In der Altenstrasse angekommen erfuhr ich von dem Fliegerangriff vom Tag zuvor.

Die Fahrbahn lag voller Schutt und toter Pferde. Auf dem Weg zur Stadtmitte kam ich bei der Hufschmiede, am Haus Laux vorbei, hier lagen die meisten tote Pferde und streckten ihre Hufe weit von sich.

Die Zerstörungen nahmen immer mehr im Straßenverlauf zu und als ich am Prangertshof vorbeikam, trugen dort Bürger Tote herbei, legten diese dort ab. Der Platz war schon bedeckt mit toten Menschen, zum Teil ohne Körperglieder, auch nur der Rumpf, ohne Kopf. Mit Tüchern und Laken wurden und waren die Körper abgedeckt. Es war für mich ein schrecklicher Anblick der mir bis heute unvergessen in Erinnerung geblieben ist.

Zur Apotheke kam ich gar nicht, denn die Hauptstraße war ein Trümmerfeld, nur der Kirchturm der Stadtkirche stand noch da. Immer wenn ich durch die Stadt heute gehe und am Rathaus und Kirche vorbeikomme, werde ich an diesen schrecklichen Anblick erinnert. Ich war damals, einige Tage vorher, 21 Jahre alt geworden.“

Damit die Ereignisse vom 29. Dezember 1944 nicht in Vergessenheit geraten, haben die Kirchenglocken der Stadtkirche von Annweiler zur steten Erinnerung, zur Mahnung und gegen das Vergessen um 14.30 Uhr geläutet.

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