Samstag, 19. Oktober 2019

AfD-Vorsitzender Thomas Lutz antwortet Migrationsvorsitzendem Ziya Yüksel: Ängste ernst nehmen

26. November 2014 | 7 Kommentare | Kategorie: Allgemein, Kreis Germersheim, Politik regional, Regional

Kreisvorsitzender Thomas Lutz antwortet auf Yüksels Brief.
Foto: AfD

Kreis Germersheim – Der Vorsitzende des Beirats für Migration und Integration, Ziya Yüksel, hat in einem offenen Brief an den Vorsitzenden des AfD Kreisverbands Germersheim, Thomas Lutz, die Äußerung von dessen Stellvertreter Franz Georg Roth kritisiert.

Roth soll auf dem Parteitag folgendes über den Islam gesagt haben:“ Der Islam ist für mich nicht mit dem Grundgesetz vereinbar. Er ist keine Religion, sondern eine faschistoide Ideologie“.

Daraufhin entspann sich eine umfangreiche Diskussion im Kommentarbereich des Pfalz-Express: Kreis Germersheim: Migrationsbeiratsvorsitzender Ziya Yüksel schreibt an AfD-Vorsitzenden.

Nun hat Thomas Lutz ein Antwortschreiben verfasst – ebenfalls öffentlich.

Der Wortlaut wird exakt wiedergegeben:

Sehr geehrter Herr Yüksel,

vielen Dank für Ihren offenen Brief vom 18.11.2014, von dem ich am 20.11.2014 im Pfalz-Express Kenntnis erhalten habe. Sie bringen in diesem Brief Ihre Bedenken in Bezug auf die Aussage von Herrn Roth auf dem Landesparteitag der Alternative für Deutschland (AfD) am 8.11.2014 zum Ausdruck.

Diese Bedenken nehme ich zur Kenntnis und respektiere sie.

Leider erschließt sich mir nicht der von Ihnen hergestellte Bezug zum 25-jährigen Fall der Mauer am 9.11.2014 und der Aussage von Herrn Roth zum Islam am Tag zuvor.

Die Teilung unseres Landes resultierte aus der Niederlage Deutschlands im 2. Weltkrieg. Auf Grund der Abwanderung von u.a. qualifizierten Arbeitskräften in den Westen entschloss sich die Regierung der DDR am 13.8.1961 eine Mauer zur Eindämmung dieser Wanderungsbewegung in den Westen zu bauen – von der DDR-Führung offiziell als „Antifaschistischer Schutzwall“ bezeichnet.

Die menschlichen Schicksale und der Verlust der Freiheit, die durch diese Teilung zementiert wurden, haben sich tief in das Bewusstsein der Deutschen nach dem 2. Weltkrieg eingebrannt.

Der Wunsch nach Einigkeit, Recht und Freiheit des deutschen Volkes wurde durch diesen Tag zum wiederholten Mal durch totalitäre/ faschistische Mächte zerstört.

Gerade als Pfälzer haben wir im Gedenken an das durch die Aufklärung entstandene Hambacher Fest von 1832, bei dem diese Werte von Einigkeit, Recht und Freiheit zentraler Beweggrund für die Menschen war, eine tiefe Verpflichtung, diese Werte zu verteidigen. Symbolisiert wird dies noch heute durch unsere Nationalflagge (Schwarz-Rot-Gold) welche ihre Ursprünge in der Studentenbewegung zur Zeit des Hambacher Festes hat und bereits dort präsent war.

Aus diesen Gründen war der friedliche Fall der Mauer und die Wiedervereinigung Deutschlands für viele Deutsche die Erfüllung eines lang gehegten Wunsches. Ja, für Viele kam diese einem Wunder gleich.

Leider müssen wir feststellen, dass in den letzten Jahren wieder Tendenzen in unserem wiedervereinigten Land zu erkennen sind, die diese hart erkämpften Werte des deutschen Volkes gefährden.

Es ist bei vielen Bürgern in unserem Land ein Gefühl aufgekommen, dass u.a. auch ein Teil der Menschen, die sich auf den Islam berufen, zu einer Gefahr für diese Werte werden könnten – oder schon sind.

So wie in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts, als die Deutschen mit ansehen mussten – Einige sahen die Gefahr bereits heraufziehen – wie sich faschistoide und totalitäre Strömungen einer zuerst kleinen Minderheit aufgrund mangelnden Widerstandes breit machen konnten, was schlussendlich zur größten Katastrophe in der Geschichte Deutschlands führte.

Daraus erwuchs die Verpflichtung: „Wehret den Anfängen!“ Mit diesen Erfahrungen und der Verpflichtung, welche sich tief in das nationale Bewusstsein der Deutschen verankert haben, stellt sich für viele Bürger heute die Frage: Ist der Islam eine Bedrohung für die oben genannten Werte unseres Landes?

Muss man damit rechnen, dass eine stetig zunehmende Zahl von Islamisten, Dschihadisten, Salafisten etc. durch die Duldung einer schweigenden Mehrheit von Menschen islamischen Glaubens eine Gefahr für Einigkeit, Recht und Freiheit unseres Landes darstellen?

Diese Befürchtungen konnten leider bis zum heutigen Tag nicht ausgeräumt werden. Im Gegenteil, sie wachsen stetig aufgrund der aktuellen Ereignisse in Deutschland und der Welt.

Wir, der Vorstand und die Mitglieder des Kreisverbandes Germersheim der AfD, wünschen uns deshalb, dass viel mehr Muslime gegen diese Einzelpersonen, Gruppen und Organisationen entschieden und unmissverständlich Stellung beziehen.

Ein Blick in die Kommentare zu ihrem offenen Brief im Pfalz-Express unterstreichen leider die oben genannten Ängste, welche wir ernst nehmen müssen.

Der Vorstand des Kreisverbandes Germersheim teilt die pauschalisierenden Aussagen von Herrn Roth nicht, da diese dazu geeignet sein können, alle Muslime zu stigmatisieren.

Vor diesem Hintergrund hat der Vorstand entsprechende parteiinternen Maßnahmen eingeleitet.

Mit freundlichen Grüßen,

Thomas Lutz

Vorsitzender des Kreisverbandes Germersheim der AfD

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7 Kommentare auf "AfD-Vorsitzender Thomas Lutz antwortet Migrationsvorsitzendem Ziya Yüksel: Ängste ernst nehmen"

  1. Josef sagt:

    Es war abzusehen, daß die AfD sich distanziert.
    ABER im Gegensatz zu den Altparteien nimmt sie die Ängste der Bürger ernst.
    Und hat den Tenor der Kommentare durchaus verstanden,
    davon ist der Rest der Parteien noch meilenweit entfernt.

  2. Renate Gerner sagt:

    Tja, die AfD und ihre Vertreter werden Rückgrat zeigen müssen, wenn sie künftig gewählt werden wollen. Und ob sie das haben, das bleibt abzuwarten; man sollte jedenfalls vor der nächsten Wahl genau hinschauen. – Wir haben ja schon genug Parteien, die immer gleich einknicken, wenn sich ein Moslem mal wieder beleidigt fühlt, wobei Tatsachen gar keine Rolle spielen.

    Quo vadis, AfD???

  3. Carlo Riva sagt:

    Erschreckend ist die Tatsache wie unsensibel Herr Lutz argumentativ in seinem Brief in den gleichen Fußstapfen wie seinem Bundesvorsitzenden, Herrn Luck tritt. Da wird völligst unverständlich ein Vergleich zum Deutschland der 20er Jahre gezogen und ein gefährlichen und diskriminierenden Vergleich „…wie sich faschistoide und totalitäre Strömungen einer zuerst kleinen Minderheit aufgrund mangelnden Widerstandes breit machen konnten, was schlussendlich zur größten Katastrophe in der Geschichte Deutschlands führte…“ zwischen Muslimen und Mehrheitsbevölkerung zu Felde führt. Da werden zwischen friedlichen und unfriedlichen Salafisten (ja, auch die gibt es!) genauso wenig unterschieden wie zwischen den anderen unterschiedlichen Strömungen des Islams. (..Muss man damit rechnen, dass eine stetig zunehmende Zahl von Islamisten, Dschihadisten, Salafisten etc. durch die Duldung einer schweigenden Mehrheit von Menschen islamischen
    Glaubens eine Gefahr für Einigkeit, Recht und Freiheit unseres Landes darstellen?..). Und was wir schon mal in diesem, unseren Lande hatten, Angst geschürt! Herr Lutz, es hätte ihnen gut zu Gesicht gestanden wenn Sie gleichwohl auch die NSU und die anderen rechten Strömungen in RLP erwähnt hätte, haben Sie aber nicht, den Differenzierung gibt es unter der Flagge der AfD nicht. Dafür aber eine Menge Pauschalverurteilungen im Namen von Freiheit, Demokratie und Recht im Schwarz, Rot Goldenen Mäntelchen gehüllt! Das Migranten und darunter nicht wenige Muslime dieses Land und damit die Rechte nach Freiheit, Demokratie und Recht mit aufgebaut haben, haben Sie einfach verschwiegen.

    • Clemens Pankert sagt:

      Friedliche Salafisten? Alles klar, Herr Riva! Da weiß man ja gleich, wo Sie zu verorten sind.

      Übrigens: Die Muslime haben es selbst in der Hand, sich von radikalen Strömungen abzugrenzen! Da muß man nicht erst haarklein alle islamisch geprägten Untergruppen fein differenzieren! Wo sind den die Friedensdemonstrationen der hier lebenden Moslems? Wo die öffentliche Distanzierung von Gewalt im Namen Mohammeds in den Moscheen? Warum hört und sieht man da nichts?

      Aber bei der Lektüre ihrer „Antwort“ wird schnell klar, daß sie Lutz´Brief nicht verstehen wollen, sonst käme nicht noch so ein hanebüchener Vergleich „NSU“ – „AfD“.

      Die Masse der Migranten – und die Moslems – kamen übrigens erst ein paar Jährchen nach dem sogenannten „Wirtschaftswunder“ ins Land, als die Deutschen bereits die Masse der Aufbauleistung geschafft hatten.

      P.S.: Als Erfinder bzw. Verfechter von „Freiheit, Demokratie und Recht“ ist der Islam nicht wirklich bekannt.

    • Max sagt:

      @ Carlo Riva
      Das immer mehr Menschen in ganz Europa und eben auch in Deutschland, dem Islam und seinen Anhängern mit zunehmnender Skepsis gegenüber stehen, ist bei der Perfomance, die dieses Weltanschauung seit Jahrhunderten zeigt, nicht sehr verwunderlich.
      Aktuell könne wir anhand von 57 Staaten unterschiedlichster „Strömungen“ des Islam sehen, dass diese Weltanschauung weder gegen ihre Anhänger noch gegen Andersdenkende in irgendeiner Weise tolerant ist. Keine Religionsfreiheit, ein hohes Maß an sozialer Kontrolle, keine sexuelle Selbstbestimmung, Unterdrückung der Frau, Gewalt bis hin zu Folter und Tod wegen Nichtigkeiten, etc.
      Wir alle tun gut daran, den Islam in jeder seiner Auslegungen skeptisch zu betrachten.

  4. Günni von de Palz sagt:

    @ Carlo Riva Sie schreiben “ Das Migranten und darunter nicht wenige Muslime dieses Land und damit die Rechte nach Freiheit, Demokratie und Recht mit aufgebaut haben, haben Sie einfach verschwiegen.“
    Entschuldigen Sie bitte, was haben Sie denn geraucht als Sie das geschrieben haben ?
    Tatsache ist doch, dass wir noch vor rd. 20 Jahren mit keinem Wort über die heutigen Probleme, die wir ausschließlich mit der unregulierten Zuwanderung bekommen haben, uns beschäftigen mussten.
    Und wenn Sie der AfD unterstellen, dass nicht differenziert wird, dann hier mal der Versuch – ich differenziere, für Sie ist das Alles kein Problem, für andere Menschen in unserem Land schon.
    Wohin die Entwicklung letztendlich gehen wird, bleibt Ihnen hoffentlich nicht verborgen.

  5. Bernd M. sagt:

    Mitmachen, aufstehen, nicht alles dulden!
    Alle Menschen, die friedlich (!) mit uns leben und etwas leisten (arbeiten) wollen, sind willkommen.
    Doch Stellvertreterkriege dürfen nicht auf deutschem Boden ausgeübt werden (Kurden gegen Türken; Iraner gegen Iraker; Muslime gegen Christen; Araberclans gegen türkische Clans etc.)
    Montagsdemo – mitmachen

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