Donnerstag, 17. Oktober 2019

Runder Tisch Asyl der VG Kandel: Kräfte sollen gebündelt werden – alles ok in den Gemeinden

22. März 2016 | noch keine Kommentare | Kategorie: Kreis Germersheim, Regional
Großes Interesse auch beim zweiten Runden Tisch Asyl der Verbandsgemeinde Kandel. Fotos: pfalz-express.de/Licht

Großes Interesse auch beim zweiten „Runden Tisch Asyl“ der Verbandsgemeinde Kandel.
Fotos: pfalz-express.de/Licht

Kandel – 231 Asylbewerber leben derzeit in der Verbandsgemeinde Kandel. Davon sind etwa 20 mittlerweile anerkannt.

Das berichteten beim zweiten Runden Tisch Asyl in der vergangenen Woche Verbandsbürgermeister Volker Poß, Mike Schönlaub, Christian Hengen und Pia Kloß von der Verwaltung.

Informationen standen vorneweg, die Hauptthemen waren jedoch der Austausch zwischen den verschiedenen Helfergruppen untereinander und mit den jeweiligen Ansprechpartnern der Verwaltungen.

Poß informierte über die Situation in Steinweiler und Kandel. (Steinweiler: Container-Unterkunft für Asylsuchende zu teuer – Verbandsgemeinde Kandel muss mehr Geld in die Hand nehmen, und: Kandel: Keine Wohnungen für Asylbewerber in der Lauterburger Straße möglich – alternative Lösungen angedacht.) Man wie vor sei man jedoch zwingend auf privaten Wohnraum angewiesen.

Volker Poß

Volker Poß

Der Leiter der Polizeidirektion Landau habe unlängst über die Sicherheitslage in der Südpfalz berichtet, erzählte Poß. Demnach gab es im Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektionen Wörth und Germersheim 30.000 polizeiliche Einsätze im Jahr 2015.

Davon waren 130 Einsätze wegen Asylbewerbern erforderlich, was einer Quote von 0,4 Prozent entspricht. Eine ähnliche Quote gebe es auch im Kreis SÜW. Die Einsätze drehten sich in der Regel um Streitigkeiten untereinander. Es seien hauptsächlich Delikte in engen sozialen Beziehungen gewesen.

Runder Tisch Asyl kandel 3

Poß wünscht sich weitere Aktivitäten beispielsweise im Kandeler Max & Moritz, wo freitags zwischen 16 und 18 Uhr ein wöchentlicher Treff stattfindet.

Angedacht ist bereits Einiges – möglicherweise eine Essenstafel einmal die Woche oder eine Kaffeetafel, die die neu gegründete Bürgergemeinschaft Kandel ins Spiel gebracht hatte.

Poß betonte, dass diese Angebote selbstverständlich auch für einheimische Bedürftige gelten würden. „Es wäre schön, wenn möglichst viele Aktivitäten ins Max & Moritz verlagert werden könnten.“

Zur Betreuung der Flüchtlinge dort ist derzeit eine Stelle vom Bundesfreiwilligendienst genehmigt – bewerben kann man sich dafür auf der Verbandsgemeindeverwaltung.

Kandel aktiv: „Bessere Vernetzung“

Annette Knauth von „Kandel aktiv“ stellte einen neuen Gedankenansatz vor: Man wolle mit einer zentralen Ansprechstelle die Ressourcen bündeln und sich mit den jeweiligen Helfergruppen in den Ortsgemeinden deutlich besser vernetzen. Es gebe eine „so riesige Vielfalt an Aktivitäten“ – diese sollten besser abgesprochen werden.

Zu den einzelnen Aktivitäten soll es ein Koordinationsteam geben, das Anfragen an die entsprechenden Personen, die sich auf einem Gebiet besonders gut auskennen (quasi ein Experten-Pool), weiterleitet. Zu diesem Zweck wurden Listen aufgehängt, in die sich Interessierte eintragen konnten, was rege in Anspruch genommen wurde.

Die Initiative solle für die gesamte Verbandsgemeinde gelten und verstehe sich als ergänzendes und unterstützendes Angebot, betonte Knauth. Die Arbeit in den Gemeinden solle nicht geschmälert werden.

Jeder solle vom anderen profitieren, Kenntnisse zusammenkommen, das Netzwerk nicht in Kandel aufhören. Das große Ziel sei die Integration der Asylsuchenden.

(Kontakt: Kandel aktiv auf Facebook – Link anklicken)

Kandel aktiv

Situation in den Ortsgemeinden

Die Ortsbürgermeister oder Leiter der Helfergruppen berichteten jeweils kurz über die Situation in ihren Gemeinden.

Gerlinde Jetter-Wüst, Freckenfeld, sagte, es gebe eine große Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung. Der Besuchsdienst laufe gut, man brauche aber noch mehr Leute. Sprachunterricht finde vier mal Woche statt, es habe viele Spenden gegeben.

Allein die Verkehrsregeln bereiteten den Flüchtlingen Schwierigkeiten, besonders, wenn sie mit dem Rad unterwegs seien.

Martin Volz, Minfeld, berichtete, dass sieben junge Männer bereits bestens integriert seien. Insgesamt gebe es 19 Asylsuchende. Viel Unterstützung leiste der Sportverein, der auch Kickschuhe gespendet habe. Im April soll ein erster Runder Tisch Asyl Minfeld stattfinden.

Michael Detzel, Steinweiler, sagte das Thema sei in Steinweiler richtig angekommen.

Zwei Grundstücke, die man hätte verkaufen können, habe man erst einmal behalten, um sie aus humanitären Gründen an die VG Kandel zur Flüchtlingsunterbringung zu verpachten.

Die Flüchtlinge im Ort seien “völlig geräuschlos“ und verursachten keinerlei Probleme. Mit dem Arbeitskreis Asyl habe auch jeder Asylsuchende einen Paten gefunden. Die Asylbewerber seien bereit, zwei Mal ind er Woche Kehrdienst zu machen.

Mittlerweile gibt es ein Kernteam als erste Anlaufstelle, E-Mail: info@asylsteinweiler.eu.

Fluktuation sei momentan gegeben, da immer wieder Menschen in ihre Heimatländer zurückkehrten, wie unlängst zwei Iraner. Deshalb sollten Helfer nicht allzu persönliche Bindungen aufbauen: „Denn Sie können natürlich nicht mit“, scherzte Detzel.

Sybille Rauch-Toussaint, Vollmersweiler, ehemalige Bürgermeisterin, erzählte, man habe eine einzige Familie im Ort: „Und der ganze Ort arbeitet an dieser Familie. Es läuft sehr gut, die Kinder gehen alle zur Schule.“

Iris Berger aus Winden erläuterte, dass man darauf achte, dass alle Kinder innerhalb von 72 Stunden die Schule besuchten. Für die Mütter mit kleineren Kindern habe man eine Art „kleine deutsche Schule“ gegründet, wo sie deutsch lernen und gleichzeitig ihre Kinder betreuen könnten.

Viele Männer beteiligten sich bei ehrenamtlichen Arbeiten. Zwei Familien aus Marokko und Tunesien, die schon länger hier sind, hätten die Neuankömmlinge zur Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau aufgeklärt. Man witzle zwar oft darüber, aber akzeptiere sie.

Das „Radproblem“ gebe es auch in Winden.

Kerstin Jordan vom FFZ erzählte vom Bistro international, das mit der protestantischen Kirchengemeinde kooperiert.

Es sei eine tolle Begegnungsstätte sowohl für die Flüchtlinge als auch für die Helfer. Man spiele, backe Kuchen oder genieße den von der Bäckerei Seither wöchentlich gespendeten, spreche und lache zusammen: „Das ist gut für die Seele“, sagte Jordan.

Vorgestellt wurde zudem das Projekt „bellA“ der der Arbeitsgemeinschaft zu Förderung von Kindern und Jugendlichen. Weiter Informationen auf der Webseite.

Sonstiges:

Sportangebot für Kinder und Jugendliche immer Donnerstag von 14. 45 – 16.30 Uhr in Kooperation mit dem TSV Kandel und Jugendpflegerin Katarina Hilbert in der Sporthalle in der Jahnstraße. Es werden noch Fahrer gebraucht.

Fahrer werden auch gesucht für die Fahrten zur Tafel, jeweils mittwochs von 9.45-14.

Kandel aktiv sucht Personen mit guten IT-Kenntnissen. (cli)

Kandel aktiv Sachgebiete

 

Annette Knauth

Annette Knauth

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