Mittwoch, 20. September 2017

Bravissimo für TARAF Bukarest: Mitreißende Performance beim Kulturfest AVEN 2015

29. Juni 2015 | noch keine Kommentare | Kategorie: Landau, Regional

TARAF Bukarest: Marian Stefan, Klarinette, Nicu Teisanu, Cimbal, Aurel Turcitu am Kontrabass, die Sängerin Panseluta Feraru, Madalin Stefan, Piano, und Meistergeiger Marius Banica. (v.li.)
Foto: Beil

Landau –  Drei Stunden lang begeisterte das Ensemble TARAF Bukarest die zahlreichen Besucher beim Sinti & Roma Musik- und Kulturfest „AVEN-KOMMT“ 2015 auf der Landesgartenschau Landau.

Der Landesverband der Sinti und Roma Rheinland-Pfalz (Vorssitzender Jacques Delfeld) hatte dazu eingeladen. Unterstützt vom Kultursommer Rheinland-Pfalz, der heuer unter dem Motto „Helden und Legenden“ steht, würdigte man eher einen wahren Anti-Helden: den ungarischen Komponisten und Roma-Violinenvirtuosen János Bihari.

Während dieser Tage alle Welt der Heroen von Waterloo 1815 gedenkt, z.B. Napoleon, Blücher oder Wellington, focht János Bihari vor 200 Jahren mit dem Geigenbogen, als er beim Wiener Kongress (1814-1815) aufspielte und vielleicht so manchen Großen der Geschichte nach seiner Geige tanzen ließ.

In Wien indes wurde nicht nur getanzt, es wurden auch wichtige Weichen für die politische Ordnung des 19. Jahrhunderts gestellt. Und vielleicht ist sogar manche weise politische Entscheidung bei einer wunderbaren Weise von János Bihari vorbereitet worden. Im Nachhinein wissen wir um die Bedeutung des von Metternich geprägten Friedens, der im brodelnden Kontinent Europa für lange Zeit eine Machtbalance bewirkt hatte.

Sofort zog TARAF Bukarest das Publikum in seinen Bann – ganz im Sinne des legendären János Bihari, der einst auch Beethoven und Franz Liszt beeindruckte und ganz wesentliche Akzente zur ungarischen Nationalmusik setzte. Auf der musikalischen Reise durch tradierte und moderne Werke servierte TARAF Bukarest seinen Zuhörern eine mitreißende Melange aus traditioneller Roma-Musik vom Balkan, Czardas, Wiener Kaffeehausmusik und ohrwurmartigen, temperamentsprühenden Operettenstücken.

Die Musiker, allesamt hervorragende Einzelkünstler, verstanden sich blind und schienen nicht allein für das Publikum, sondern auch miteinander zu spielen. Marius Banica inszenierte schier virtuos seine Geige, wenn er auch nicht als „Teufelsgeiger“ bezeichnet werden will.

Marian Stefan ließ seine Klarinette geradezu jubeln. Madalin Stefan bildete mit seinem Piano das stabile Rückgrat für die vielfältigen Improvisationen seiner Kollegen. Aurel Turcitu – stets ein zufriedenes Schmunzeln im Gesicht – wirbelte auf dem Kontrabass, während Nicu Teisanu seine melancholische Cimbal wie im Schlaf beherrschte.

Am Ende jeden Spieldrittels sang Panseluta Feraru temperamentvolle Weisen, so dass man die gesamte Palette der Gefühle ansprach, bei der Gänsehautfeeling neben heimlichen Tränen durchaus möglich war. Ein herrlicher Sommerabend, an dessen Ende lang anhaltender tosender Beifall erschallte. (gb)

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