Jockgrim/Landau – Der Startschuss für die letzte Phase des Rückbaus ist gefallen: Wintershall wird das Gelände des ehemaligen Tanklagers in Jockgrim abschließend sanieren.
Nach dem Rückbau der ehemaligen Tanks im Jahr 2010 soll das Gelände in einem aufwändigen Verfahren nachhaltig aufbereitet werden, teilte das Unternehmen mit.
Das Tanklager in Jockgrim war Ende der 1960er Jahre von der Wintershall-Raffinerie Mannheim als Umschlaglager errichtet worden und bot Platz für rund 340.000 Kubikmeter Rohöl. Nach der Stilllegung der Raffinerie im Jahr 1989 wurde das Tanklager für die Lagerung von nationalen Rohölreserven für die Bundesrepublik Deutschland genutzt.
Im Jahr 2007 fiel die Entscheidung, das Tanklager komplett zurückzubauen. Nach dem Abriss der Tanks wurde laut Wintershall das gesamte Gelände untersucht und verschiedene Nachnutzungsmodelle geprüft. Für einen verunreinigten Teilbereich des Geländes wurde ein Sanierungsplan erstellt.
Der Sanierungsplan wurde Ende 2014 zur Genehmigung eingereicht. Die zuständige Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd (SGD Süd) hat den Sanierungsplan nach einem langen Genehmigungsprozess im April 2017 gebilligt.
Da naturschutzrechtliche Belange zu berücksichtigen sind, können die Arbeiten erst im Oktober 2017 starten und sollen bis Ende 2018 abgeschlossen sein. Die Kosten dafür trägt Wintershall.
Nach Abschluss der Sanierung plant Wintershall derzeit den Verkauf des Geländes. Einen speziellen Interessenten gebe es aber noch nicht, sagte eine Sprecherin dem Pfalz-Express auf Anfrage. Man führe derzeit lediglich erste Gespräche mit dem Landesbetrieb Mobilität (LBM)
Das ehemalige Tanklager Jockgrim hat eine Gesamtfläche von 19 Hektar. Verunreinigungen gibt es auf einer Fläche von 1,4 Hektar. Diese Teilfläche wird abschließend saniert, indem Schadstoffe mit einer speziellen Bodenbehandlung mikrobiologisch abgebaut und so beseitigt werden. Diese Sanierungsmethode wurde bereits bei einer Pilotsanierung auf dem Gelände erfolgreich durchgeführt, so Wintershall.
Der Boden wird bis zu einer Tiefe von vier Metern nach und nach ausgehoben und zur Behandlung auf dem Gelände zu einer sogenannten Bodenmiete (Zwischenlagerung des getrennten Bodens) aufgebaut. Der Aushub dauert pro Bodenmiete rund eine Woche. Die Bodenmiete wird anschließend – wenn nötig – mit Nährstoffen versetzt, um ideale Bedingungen für den mikrobiologischen Abbau zu schaffen.
Die Mieten werden für sechs bis acht Wochen abgedeckt. Im letzten Schritt wird der gereinigte Aushub wieder am Herkunftsort eingebaut.
Wintershall gehe verantwortlich mit nicht mehr genutzten Betriebsflächen um und saniere sie „umweltgerecht und unter Aufsicht der zuständigen Behörden“, heißt es von Unternehmensseite.
So habe Wintershall beispielsweise in Deutschland bereits vor rund 15 Jahren ein systematisches Sanierungs- und Renaturierungsprogramm der letzten verbleibenden Betriebsdeponien initiiert und diese seitdem fast alle vollständig saniert. „Auch für das ehemalige Tanklager Jockgrim gilt: Wintershall übergibt das Gelände erst nach einer umweltgerechten und nachhaltigen Sanierung.“
Am Dienstagabend hat im Ziegeleimuseum eine Einwohnerversammlung zu dem Thema stattgefunden. Mehr dazu demnächst im Pfalz-Express. (red)
Information
Wintershall Deutschland mit Sitz im niedersächsischen Barnstorf ist Zentrum der Wintershall Explorations- und Produktionsaktivitäten. Seit 1930 produziert das Unternehmen heimisches Erdöl. Erdgas wird seit 1951 gefördert.
Unter anderem ist Wintershall Betriebsführer der einzigen Gasförderplattform in der deutschen Nordsee (A6-A) und mit 50 Prozent am größten deutschen Erdölfeld Mittelplate vor der Nordseeküste beteiligt. Darüber hinaus wird rund um Barnstorf im Landkreis Diepholz, in Emlichheim (Grafschaft Bentheim), in Landau in der Pfalz sowie in Aitingen/Schwabmüchen bei Augsburg heimische Energie gefördert.
Wintershall Deutschland beschäftigt 400 Mitarbeiter.

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