
Das Heimatbuch, welches Maria Heß 1984 zusammen gestellt hatte, steht wohl in jedem Offenbacher Haus.
Foto: Ahme
Offenbach. Im gesegneten Alter von 97 Jahren wurde vergangenen Freitag die Offenbacher Ortshistorikerin Maria Heß beigesetzt. Bürgermeister Axel Wassyl würdigte bei der Trauerfeier ihre Verdienste um die Aufarbeitung der Offenbacher.
Vermutlich steht in fast jedem Offenbacher Haushalt ein 479 Seiten starkes Buch im Regal, welches im Jahr 1984 von der Gemeinde Offenbach herausgegeben wurde und den schlichten Titel „HEIMATBUCH“ trägt. Hauptverantwortlich für dieses erste und wohl bedeutendste Werk zur Dokumentation der Ortsgeschichte Offenbachs war Maria Heß.
In ihrem Vorwort schrieb sie damals, das 1.200jährige Ortsjubiläum „sei für sie Anlass und zugleich Verpflichtung gewesen, in Erfahrung zu bringen, wie unsere Vorfahren diese lange Zeit gemeistert haben.“ Für Maria Heß war dies jedoch keine Verpflichtung im Sinne eines „Müssens“ war, sondern eine innere Verpflichtung aus der Verbundenheit zu ihrem Heimatort heraus.
Ein großer Wunsch, die Ortsgeschichte aufzuarbeiten, eine Leidenschaft, der sie sich mit voller Kraft und großem Sachverstand widmete.
Maria Heß leistete 1983/84 Pionierarbeit in der Aufarbeitung der Offenbacher Ortsgeschichte, denn bis dahin hatte sich in strukturierter Form noch niemand um die Dokumentation der eigenen Vergangenheit gekümmert. Man muss sich bei der Einschätzung ihrer Leistung dabei vor Augen halten, dass die damaligen technischen Voraussetzungen ungleich schwieriger waren, als dies heute der Fall ist.
1983 gab es noch keine digitale Textverarbeitung, keine digitalen Fotos oder Dateien, die per E-Mail einfach hin und her gesandt werden konnten.
Da mussten die Texte per Schreibmaschine getippt, per Hand verbessert oder im Zweifelsfall noch mal abgetippt werden, Dokumente und Fotos möglichst persönlich zur Druckerei gebracht und wieder zurück in die Archive transportiert werden.
Maria Heß blieb für diese Aufgabe nur ein Jahr, also viel zu wenig Zeit für diese aufwändige Arbeit. Deswegen war für sie das Erscheinen des Buches 1984 auch nicht das Ende dieses Engagements. Sie setzte ihre Arbeit konsequent fort, so dass bei der Vorbereitung des zweiten Buches zur Ortsgeschichte für die 1.225-Jahr-Feier im Jahr 2009 darauf aufgebaut werden konnte.
Maria Heß war im damaligen Alter von 93 Jahren selbstverständlich im Redaktions-Team mit von der Partie und verfasste einen Artikel über „Offenbach und die Französische Revolution“.
Ehrungen erhielt Maria Heß im Jahr 1985 mit der silbernen und dann 2009 mit der goldenen Ehrennadel der Gemeinde Offenbach, als Dank für die Verdienste um Wohl der Allgemeinheit mit der Dokumentation der Offenbacher Ortsgeschichte. (red)

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