Samstag, 03. Dezember 2022

Traditionsbetrieb Metzgerei Weisbrod ist Geschichte: „Auf zu neuen Ufern!“

19. April 2022 | Kategorie: Landau, Leute-Regional, Regional, Wirtschaft in der Region

Man wird die Metzgerei in der Meerweibchenstraße vermissen.
Foto: Rolf H. Epple/Pfalz-Express

Landau. Alexander Weisbrod hat am Morgen des 14. April 2022 zum letzten Mal die Ladentür der Landauer Traditionsmetzgerei Weisbrod aufgeschlossen.

Die Metzgerei, seit 100 Jahren in Familienhand, und letzte Innenstadtmetzgerei, ist damit Geschichte.

Lange hat Weisbrod für seinen Betrieb gekämpft und mit vielen Ideen und einem bemerkenswerten Catering viele Stammkunden begeistert, die entsprechend positive Kommentare auch auf der Facebook-Seite des Betriebs formuliert haben. Auch auf dem Landauer Wochenmarkt war Weisbrod mit einem Streetfood-Angebot und seinem Foodtruck „Loulou“ vertreten.

Alexander Weisbrod…

Aber, so Weisbrod im Pfalz-Express-Interview, eben dieses Catering sei nicht zuletzt durch Corona vor zwei Jahren weg gebrochen und die Mitarbeiterzahl fiel von früher elf auf vier Mitarbeiter zuletzt. „Wir suchen seit zwei Jahren händeringend Mitarbeiter“, erzählt er.

Das Handwerk sei offenbar nicht sexy, sucht Weisbrod nach Gründen warum es auch speziell das Metzgerhandwerk offensichtlich so schwer hat.

….bleibt ein engagierter Kämpfer für das Handwerk…

Dabei seien handwerkliche Berufe krisensicher, kreativ und innovativ und man könne sie in der ganzen Welt ausüben. Aber man erlebe zur Zeit gerade einen Kulturverlust in Deutschland – der auch die Stellung des Handwerks betreffe. Man stehe damit am Anfang einer Welle. „Wo führt das noch hin?“, fragt er in die Runde.

Der gelernte Koch, der dieses Jahr die Metzgerei 20 Jahre von den Eltern übernommen hatte, sei aber nicht „verbittert“. „Es ist einfach nicht mehr so handelbar. Ich kann dem Begriff des Unternehmers nicht mehr gerecht werden“.

Und die Qualität der Dienstleistung könne nicht mehr garantiert werden. Was eigentlich ein Lebenswerk sein sollte, wurde immer mehr vom Personalmangel und der Bürokratie „aufgefressen“. „Es steht und fällt eben mit ausreichend Personal“.

Jetzt sei es für ihn wie eine Befreiung. „Ich kann wieder kreativ sein und gestalten.“ Es kommen spannende Zeiten, denn Weisbrod wird mit der Handelsgesellschaft Frey und Kissel eine Partnerschaft eingehen. Kissel könne von der Erfahrung Weisbrods profitieren. Weisbrod selbst wird die eigenen Räumlichkeiten ebenfalls nutzen und dort für Kissel produzieren.

Auch alle seine Mitarbeiter finden einen neuen Arbeitsplatz. „Das war mir ein Anliegen“, so Weisbrod.

…auch wenn er die Selbstständigkeit im Metzgerhandwerk aufgegeben hat.
Fotos: Rolf H. Epple/Pfalz-Express

Wie könnte man dem Handwerk wieder zu seinem Stellenwert verhelfen?

Damit das Handwerk wieder den Wert findet, der ihm zusteht, regt Weisbrod an, junge Leute schon in der Schule an das Handwerk heranzuführen.
„Früher kannte man ja den Slogan „Handwerk hat goldenen Boden“ und das gilt immer noch: Für eine funktionierende Gesellschaft braucht es unbedingt das Handwerk“, ist Weisbrod überzeugt.

Das Handwerk sei wertvoll und müsse von der Bürokratie entlastet werden. „Es sollten sich auch Politik und Verbände darum Gedanken machen“.

Er selbst wolle mit Stolz und Zufriedenheit auf die Jahre in der Selbstständigkeit zurückblicken.
(desa)

Foto: Rolf H. Epple/Pfalz-Express

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