Spannende Geschichte der Heimat: Band 4 der „Schriftenreihe zur Geschichte des Landkreises Germersheim“ erschienen

26. Oktober 2016 | Kategorie: Bücher, Kreis Germersheim
V.li.: Dr. David Hissnauer, Hans-Jürgen Kremer, Isa-Maria Betz, Landrat Dr. Fritz Brechtel und Ludwig Hans. Fotos: pfalz-express/Licht

V.li.: Dr. David Hissnauer, Hans-Jürgen Kremer, Isa-Maria Betz, Landrat Dr. Fritz Brechtel und Ludwig Hans.
Fotos: pfalz-express/Licht

Germersheim – Der vierte Band der „Schriftenreihe zur Geschichte des Landkreises Germersheim“ ist erschienen.

Gestern wurde er in der Kreisverwaltung von den Autoren der Beiträge, Landrat Dr. Fritz Brechtel und Kreis-VHS-Leiterin Karin Träber vorgestellt.

Namhafte Regionalhistoriker haben sich darin der Vergangenheit des heutigen Landkreises Germersheim gewidmet und ihre Ergebnisse in der Schriftenreihe veröffentlicht.

Der erste Band wurde bereits im Jahr 2010 veröffentlicht und hat viele Leser gefunden. Seither wird die geschichtliche Aufarbeitung fortgeführt, in allgemeinverständlicher Art und Weise, wie der Landrat betonte. Auch Band 4 zeige, „wie hochinteressant und spannend“ die Vergangenheit des eigenen Umfelds sein könne. Dass altes Wissen nicht verloren gehen darf – darin waren sich alle Akteure einig.

Band Vier der Schriftenreihe ist komplett farbig illustriert. Er beschäftigt sich mit der Keramikproduktion im römischen Rheinzabern vom 1. bis 4. Jahrhundert n. Chr., der Neuburger Schiffer- und Steuerleutezunft, der Geschichte und Entwicklung des Pressewesens im heutigen Landkreis Germersheim vom 19. bis ins 21. Jahrhundert (auch der Pfalz-Express ist darin vertreten), mit den Gedenkstätten im Landkreis Germersheim für Gefallene des Ersten Weltkriegs und vorhergehender Kriege (Teil 2) und mit Heinrich Zügel und seiner Malschule in Wörth.

Global Player zu römischer Zeit in Tabernae (Rheinzabern)

Dr. David Hissnauer von der Landesarchäologie in Speyer lenkt in seinem Beitrag den Fokus auf das römische Rheinzabern und untersucht die Keramikproduktion im Zeitraum vom 1. bis 4. Jahrhundert nach Christus.

„Ein kleiner Ort mit riesiger Geschichte“ sei Rheinzabern, sagte Hissnauer, „ein vorindustrielles Ruhrgebiet.“ Vom alten Tabernae aus wurden Keramikprodukte nach ganz Europa exportiert. Im gesamten Römische Reich habe es nicht so viele Brennöfen gegeben wie allein in Rheinzabern – ein Global Player sozusagen. Man habe dort ein ganz spezielles Wissen zur Keramikherstellung gehabt, berichtete Hissnauer. Irgendwann sei sogar die Zivilbebauung zugunsten einer Großindustrie größtenteils aufgegeben worden.

Bis heute gebe es Global Player im Landkreis, sagte Fritz Brechtel, denn der nächste sei Ludivici in Jockgrim mit seiner Ziegelherstellung gewesen und heute bringe Daimler in Wörth eine enorme Wirtschaftskraft mit.

Schiffer- und Steuerleute in Neuburg

In das 18. Jahrhundert führt der Aufsatz von Albert Schwarz über die Neuburger Schiffer- und Steuerleutezunft.

Presse im Kreis und Lesenswertes über Bezirksoberamtmänner

Stadthistoriker Ludwig Hans beleuchtet die Anfänge und Geschichte des Pressewesens im Landkreis Germersheim, die im Jahr 1833 greifbar werden.

Erzählt wird die Geschichte der Anzeigeblätter des 19. Jahrhunderts und Tageszeitungen des 20. Jahrhunderts bis in die regionale Presselandschaft der Gegenwart mit ihren digitalen Produkten.

In einem zweiten Beitrag gibt es spannende Biographien der „Bezirksoberamtmänner“ zu lesen. Diese waren als ranghöchste Verwaltungsbeamte in der Weimarer Republik (1920-1933) und im Übergang zur Nazi-Herrschaft dem Bezirksamt Germersheim vorgestanden – die Amtsvorgänger des heutigen Landrats also.

So gibt es im Beitrag auch eine Anekdote über den Sohn von August Keiler, nach dem in Germersheim eine Straße benannt ist. Dieser sei in einer Beurteilung zwar als fleißig und zuverlässig, aber nicht als zu „ etwas Höherem“ berufen gewesen, erzählte Hans.

„Wörther Malschule“ Heinrich von Zügels

Einen Rückblick aus der zeitlichen Distanz von mehr als 100 Jahren richtet Kunsthistorikerin Dr. Claudia Gross auf die „Wörther Malschule“ Heinrich von Zügels und seiner Schüler und geht der Frage nach, was zwischenzeitlich aus den damals in Wörth entstandenen Werken geworden ist.

Wie hat meine Gemeinde früher gewählt?

Sehr ausführlich und mit einer breiten Quellenbasis untermauert ist der Beitrag von Hans-Jürgen Kremer, der Politik und Wahlverhalten in den Gemeinden des Bezirksamts Germersheim anlässlich im Zeitraum von 1919-1933 darstellt.

Auch Landtagswahlen und die Reichspräsidentenwahl sind dabei und eine Volksbefragung aus dem Jahr 1926. So kann jeder sehen, wie die eigene Gemeinde früher gewählt hat.

Gedenkstätte für Gefallene

Mit dem zweiten Teil, der den Gedenkstätten für Gefallene des Ersten Weltkriegs und vorhergegangener Kriege in den Gemeinden des Landkreises der Anfangsbuchstaben von M bis Z gewidmet ist, schließt Isa-Maria Betz ihren in Band 3 begonnenen Beitrag ab.

Mit einbezogen sind nicht nur Monumente und Denkmäler, sondern auch kleine Gedenktafeln oder sogar Kirchenfenster, die an die Gefallenen erinnern.

Heimatmuseum in Schwegenheim

In Band 3 wurden die Museen in Leimersheim und Neuburg vorgestellt. Diesen Reihe setzt Katharina Hans im vierten Band mit einem Beitrag über das Heimatmuseum in Schwegenheim fort.

Ausblick auf das Jubiläum „200 Jahre Landkreis Germersheim“ (2018):

Im Jahr 2018 wird der Landkreis Germersheim sein 200-jähriges Bestehen begehen. Aus diesem Anlass wird sich der fünfte Band der „Schriftenreihe“ schwerpunktmäßig mit dem Werden und der strukturellen Entwicklung von Landkommissariat, Bezirksamt und Landkreis Germersheim beschäftigen.

Die Vorbereitungen dazu sind bereits angelaufen.

Die „Schriftenreihe zur Geschichte des Landkreises Germersheim“ ist bei der Kreisvolkshochschule Germersheim, der Kreisverwaltung sowie im Buchhandel erhältlich.

Die seit 2010 erschienen vier Bände der „Schriftenreihe zur Geschichte des Landkreises Germersheim“ umfassen insgesamt 1330 Seiten mit dem Wissen und den Forschungsergebnissen von 12 Mitarbeitern.

Einige von ihnen haben zu allen vier Bänden beigetragen, allen voran der verdiente Lokal- und Regionalhistoriker Albert Schwarz, der in den bisherigen vier Bänden mit insgesamt 15 Beiträgen vertreten ist. (red/cli)

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