Montag, 14. Juni 2021

Südpfalz/Lauterbourg: Nazi-Beute an Frankreich zurückgegeben

22. Januar 2017 | Kategorie: Elsass Oberrhein Metropolregion, Kreis Germersheim, Kreis Südliche Weinstraße, Landau, Politik regional, Regional
V.li.: Fritz Brechtel, Rémi Bertrand, Frédéric Reiss, Marco Müller, Peter Hinrich Meier. Fotos: Pfalz-Express/Licht

V.li.: Fritz Brechtel, Rémi Bertrand, Frédéric Reiss, Marco Müller, Peter Hinrich Meier.
Fotos: Pfalz-Express/Licht

Südpfalz/Lauterbourg – Mit der Rückgabe einer im Zweiten Weltkrieg aus einem Pariser Museum gestohlenen Fossilien- und Mineraliensammlung haben deutsche und französische Politiker am Sonntag im elsässischen Lauterbourg die Freundschaft beider Länder bekräftigt.

Der südpfälzische Bundestagsabgeordnete Dr. Thomas Gebhart (CDU) übergab die Sammlung vor dem Gebäude des Eurodistrcts Pamina dem Abgeordneten der französischen Nationalversammlung, Frédéric Reiss (Bas-Rhin).

Für die symbolträchtige Übergabe am Tag der offenen Tür des Eurodistricts Pamina wurde der Jahrestag des Deutsch-Französischen Freundschaftsvertrags gewählt. Der sogenannte Élysée-Vertrag wurde am 22. Januar 1963 von Bundeskanzler Konrad Adenauer und vom französischen Staatspräsidenten Charles de Gaulle im Pariser Élysée-Palast unterzeichnet.

Eurodirstrict Pamina, Lauterbourg, Tag der offenen Tür

Die Sammlung wurde dann dem Eurodistrict Pamina überlassen, die sie an ein Museum oder eine universitäre Einrichtung in Frankreich weiterleitet. Als Vertreter des Eurodistricts waren Präsident Rémi Bertrand und Vize-Präsident Dr. Fritz Brechtel, Landrat des Landkreises Germersheim, mit dabei.

Alle vier Politiker betonten die Wichtigkeit der engen Beziehungen beider Länder: „Diese einzigartige Freundschaft zweier ehemals verfeindeter Länder ist in den letzten Jahrzehnten zu einer treibenden Kraft für den Frieden in Europa geworden. Es lebe die deutsch-französische Freundschaft.“ Gekommen waren auch der Bürgermeister der Nachbargemeinde Berg, Günter Roitsch, und der Kandeler Verbandsbürgermeister Volker Poß.

Sammlung hat lange Geschichte

Marco Müller,Geschäftsführer von MMC Müller Meier Claussen GmbH & Co. KG (Jockgrim), ist spezialisiert auf die Verwertung hochwertiger Sammlungen und die Regelung von Nachlassangelegenheiten. Ihm wurde die Sammlung anvertraut mit der Bitte, eine Übergabe an Frankreich in die Wege zu leiten. Daraufhin hatte sich Müller an den Thomas Gebhart gewandt, damit die Sammlung über 70 Jahre nach Kriegsende zurückgegeben wird.

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Vor drei Jahren kam es zu einem Kontakt mit dem Mann, der die Sammlung in seinem Besitz hatte. Die Nationalsozialisten hatten während des Zweiten Weltkrieges große Mengen an Kunst- und Kulturgütern im europäischen Ausland geraubt. Unter anderem wurden drei größere Kisten mit Sammlungsgegenständen zu Kriegszeiten im Schloss Reinbek bei Hamburg untergebracht.

Mit dem Herannahen der Front wurden die Kisten wieder abtransportiert und auf einem landwirtschaftlichen Anwesen in der Nähe von Reinbek auf dem Dachboden versteckt. Nach dem Krieg wurden die Kisten von der britischen Militärpolizei abgeholt. Beim Abtransport der Kisten ging eine zu Bruch, man ließ die Fossilien liegen.

Ein Einwohner sammelte viele davon auf, ohne die genaue Bedeutung zu kennen. Im Lauf der Zeit ließ er sich von einem Spezialisten einer Universität die Gegenstände erklären und zuordnen. Der Finder wurde später Lehrer an einem Gymnasium und verwendete die Sammlungsgegenstände des Öfteren im Unterricht als Anschauungsmaterial, ohne die tatsächliche Herkunft zu erwähnen.

Nach langen Gesprächen der Müller Meier Claussen GmbH mit dem Besitzer war dieser sich dann sicher, dass die Gegenstände zurückgegeben werden sollten. Er selbst wollte dabei aber nicht in Erscheinung treten.

Nachdem das Jockgrimer Nachlass-Unternehmen über 250 Exponate an sich genommen hatte, wurde versucht die genaue Herkunft zu ermitteln. „Das ist uns leider nicht gelungen“, bedauert Marco Müller.

Viele der Exponate gingen auf einen Wissenschaftler namens Nérée Boubée zurück, der im 19. Jahrhundert in Paris tätig war und mit dem dortigen Naturkundemuseum zusammenarbeitete, so Müller. Man gehe demnach davon aus, dass die Sammlungsgegenstände aus dem Pariser Naturkundemuseum stammen müssten: „Wir hoffen, dass alles wieder an den angestammten oder zumindest an einen geeigneten Ort zurückkehren kann.“ (red/cli)

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Ein Kommentar auf "Südpfalz/Lauterbourg: Nazi-Beute an Frankreich zurückgegeben"

  1. GEEEEKEE sagt:

    Beim Sturm vorige Woche wurde französisches Laub über die Grenze geweht.

    Gibt es da auch bald eine feierliche Rückgabe mit Politikerauflauf, Presse und Blasmusik?

    Leute, so langsam wird’s einfach lächerlich.

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