Sonntag, 31. Mai 2020

Schließung von Sparkassenfilialen: Joa: Vorstände sollen Gehälter reduzieren – Geld abheben im Supermarkt

2. Mai 2020 | noch keine Kommentare | Kategorie: Kreis Germersheim, Politik regional, Wirtschaft in der Region

Sparkasse in Kandel.
Foto: Pfalz-Express

Kreis Germersheim – Wie berichtet, will die Sparkasse Germersheim-Kandel mehrere Filialen im Kreis schließen.

Ab dem 1. Juli 2020 werden die Teilzeit-Geschäftsstel­len in Freckenfeld, Hatzenbühl, Hördt, Kuhardt, Minfeld, Neupotz, Schwegenheim, Steinweiler, Wörth-Ottstraße und die Selbstbe­dienungsgeschäftsstelle in Weingarten geschlossen.

Darüber hatte sich die Kreis-SPD am 23. April echauffiert. Die angekündigte Stilllegung von neun Bargeldautomaten sei für die SPD-Fraktion nicht ohne Weiteres hinnehmbar, hieß es.

Joa: „Populismus“

Matthias Joa, Landtagsabgeordneter und Vorsitzender des AfD-Kreisverbands Germersheim, wirft der SPD nun populistisches Verhalten „in Reinform“vor.

Die Partei dürfe bestens über die sich immer weiter verschärfende Ertragslage der Sparkasse informiert sein, so Joa. „Deren Kunden sind – auch angesichts der steigenden Wettbewerbsintensität mit den Online-Banken – jedoch nicht bereit, weiter stark steigende Kontoführungsgebühren zu zahlen.“ Auch die Ertragsmöglichkeiten aus dem klassischen Bankengeschäft würden immer stärker in Mitleidenschaft gezogen.

Doch nicht nur Banken gerieten unter Druck: Insbesondere die Bürger im Kreis Germersheim würden wegen der Niedrigzinspolitik bei der Altersvorsorge belastet und verlören seit Jahren hohe Summen durch den fehlenden Zinseszinseffekt und die Inflation (negative Realzinsen). Das treffe die Bürger weitaus schlimmer. „Von der SPD ist dazu aber wenig zu hören. Auf Landesebene wurde alles – auch zur Sparkassenthematik – abgebügelt.“

Vorstände sollen eigenes Gehalt etwas reduzieren

Joa betont: „Die Sparkasse Germersheim-Kandel ist dadurch wiederum betriebswirtschaftlich dazu gezwungen, Fixkosten zu reduzieren. Auch die SPD sollte die hohen Kosten für den Betrieb eines Geldautomaten durch ihre Vertretung im Verwaltungsrat bestens kennen. Allerdings sollte auch der Vorstand der Sparkasse durch einen angemessenen, befristeten Gehaltsverzicht etwas dazu beitragen, zumal die Lage durch die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise und mögliche Kreditausfälle nicht einfacher werden wird. Das Gehaltsniveau vieler Sparkassenvorstände in Deutschland liegt auf Staatssekretär-, Minister- oder vereinzelt gar auf Kanzlerniveau. Eine freiwillige Reduzierung um 5 – 10% wäre hier ein gutes Zeichen, sowohl an die Mitarbeiter als auch an die Kunden.“

Natürlich könnten die Geldautomaten theoretisch auch alle erhalten werden, so Joa. Dann würden allerdings die Kunden über noch höhere Kontoführungsgebühren, die Sparkasse durch Kundenabwanderung mangels Wettbewerbsfähigkeit, die Mitarbeiter unter Umständen durch Kündigung und die Träger durch geringere Ausschüttungen die Konsequenzen tragen. „Das Sparkassen-Bashing der SPD ist daher populistisch. Von der Sparkasse die Quadratur des Kreises zu verlangen, ist wenig durchdacht. Nahezu alle Banken mit breiter Filialstruktur stehen vor massiven Problemen.“

Geld abheben im Supermarkt

Es gebe jedoch eine Option: Geldabhebungen über Kooperationspartner wie etwa Supermärkte und Tankstellen, schlägt Joa vor. „Mancher Supermarkt bietet die Geldabhebung ab einem bestimmten Einkaufswert bereits kostenfrei an. Hier sollte die Sparkassenorganisation auch bundes- bzw. landesweit ansetzen, da sich die Geldautomatenproblematik nicht nur im Kreis Germersheim stellt: Verstärkte Kooperation mit lokalen Partnern, um Abhebungen auch unabhängig von einem Mindest-Einkaufswert möglich zu machen.“ Dies sei ein wesentlich seriöserer Ansatzpunkt als die SPD-Forderungen ins „Blaue hinein“.

Eine Mindestversorgung mit sparkasseneigenen Geldautomaten müsse jedoch sichergestellt sein, sagt Joa.

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