
Archäologe Dr. Rüdiger Schulzbei seinen Ausführungen.
Fotos: Beil
Rheinzabern – Mehrere Dutzend Gäste waren zur Eröffnung der Ausstellung „Römischer Küchenfund aus Rheinzabern“ ins Terra Sigillata Museum gekommen, darunter Melanie Herget vom Historischen Museum Speyer, dank deren Unterstützung die Sonderausstellung möglich wurde.
„Klein, aber fein“, könnte man die Exponatensammlung bezeichnen, zu der gleich drei Redner ihren Beitrag leisteten.
Ortsbürgermeister Gerhard Beil ging in seinem humorvollen und zugleich nachdenklichen Grußwort auf die Bedeutung der traditionellen Küche als Mittelpunkt des Hauses ein, die sich auf dem Dorf noch Mitte des 20. Jahrhunderts kaum von der römischen Küche unterschied.

Die Form, die Nutzung und die Herstellung der Küchengeräte blieben jahrtausendelang ziemlich gleich, ehe die moderne Technik mit Plastik, Mikrowelle, Thermomix und rationeller Einbauküche den Küchenalltag mit all seinen Abläufen völlig veränderte. Nicht zuletzt prägten sich die zeremonienartigen Abläufe und Düfte beim Kochen und Backen schon von früher Kindheit an tief ein und blieben bis ins hohe Alter erhalten. Ob dieser Effekt mit heutiger Haushaltstechnik ebenso erreicht wird, wurde fragend in den Raum gestellt.
Archäologe Dr. Rüdiger Schulz stellte die Geschichte des Funds in der Gewanne „Vierundzwanzig Morgen“ vor, der nicht in einem Keller, sondern – in einer wahren „Schatz-Kiste“ verpackt – in der verfüllten Bedienungsgrube eines aufgelassenen Terra-Sigillata-Brennofens vor Raub geschützt worden war.
Von Maurer Marz 1882 gefunden, grub Jahre später Wilhelm Ludowici an gleicher Stelle, ehe im Jahre 1990 eine Grabung der Speyerer Archäologen letzte Klarheit schuf. Wie durch ein Wunder war das „Tafelsilber“ eines gewiss wohlhabenden Töpfers von den Raubgrabungen des berüchtigten Fälschers und Antiquitätenhändlers Johann Michael Kaufmann bewahrt worden, der kaum 5 Meter vom Fundort entfernt gegraben hatte.
Manuel Thomas, studierter Archäologe und schon als Bub bei den Grabungen dabei, erläuterte kurzweilig die Bedeutung und Besonderheiten der einzelnen Gefäße des Funds aus der Mitte des 3. Jahrhunderts: Kellen, Eimer, Ausgussbecken, Feuerroste u.a.m. Thomas ging dabei auf handwerkliche Details, gestalterische Typisierung und praktischen Umgang mit den Küchengeräten ein. Eine besondere Pretiose stellt dabei die bronzene Henkelkanne dar, die ob ihres Wertes mehrfach repariert worden war.

Manuel Thomas erläutert die Fundstücke
Die Besucher waren begeistert und dankten mit großem Beifall. Vorsitzender Philipp Schmitt und sein Stellvertreter Achim Stadter hatten die Gäste begrüßt und zum archäologisch-gesellschaftlichen Plausch nach der Einführung eingeladen.
Die Sonderausstellung „Römischer Küchenfund“ ist bis 19.4. 2020 im Terra-Sigillata-Museum Rheinzabern zu sehen.
Öffnungszeiten: Mi-Sa von 11-15 Uhr; Sonn- und Feiertag: 11-17 Uhr.


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