Sonntag, 20. Oktober 2019

Reservisten-Empfang im Zeichen der deutsch-französischen Freundschaft

30. Januar 2013 | noch keine Kommentare | Kategorie: Rheinland-Pfalz

Vorstand und Freunde des Reservisten-Landesver-
bands Rheinland-Pfalz und Reservisten aus Frankreich trafen sich in Mainz zum gedanklichen Austausch. Foto: LVR

Mainz – Zum Jahresempfang der Landesgruppe Rheinland-Pfalz am 25. Januar hatte Vorsitzender Michael Sauer, Oberst d.R., in den geschichtsträchtigen Osteiner Hof in Mainz geladen. Im Zusammenhang mit der Auflösung des Wehrbereichskommandos wird die Bundeswehr das Gebäude in absehbarer Zeit aufgeben, so dass der Jahresempfang zugleich der Abschied der Reservisten vom Osteiner Hof war.

In seiner Begrüßung erinnerte Sauer an den Abschluss des Élysée-Vertrages vor genau 50 Jahren und drei Tagen, der die deutsch-französische Freundschaft begründete. In der Flut der Bilder auf allen Kanälen habe ihn besonders die etwas ungelenke Umarmung der beiden Gründer der Freundschaftsbewegung, General de Gaulle und Bundeskanzler Konrad Adenauer, beeindruckt . Dabei sei es nicht um rein verbale Bekundungen wechselseitiger Freundschaft gegangen. „Viel wichtiger war, dass der Vertrag die Basis bildete für den langjährigen deutsch-französischen Jugendaustausch!“, so Michael Sauer.

Genauso wichtig seien, übertragen auf die Reservisten in Frankreich und Deutschland, die grenzüberschreitenden Kontakte von Mensch zu Mensch und von Reservistenkameradschaft zu Reservistenkameradschaft. Dazu diene dann letztlich auch ein Jahresempfang wie dieser, um von Zeit zu Zeit auf die meist abseits von Öffentlichkeit oder Medien ehrenamtlich für die Gesellschaft arbeitenden Reservisten hinzuweisen: „Wir wollen damit zeigen, dass wir mitten in der Gesellschaft stehen!“

Nach Michael Sauer wandte sich sein für internationale Beziehungen zuständiger Vertreter im Landesvorstand, Jürgen Lemke, Fregattenkapitän d.R., speziell an die die ausländischen Gäste. Es seien in vielen Untergliederungen auf unterschiedlichen Ebenen schon lange freundschaftliche Bande zu französischen Kameraden geschlossen worden. Dabei sei die Partnerschaft der Landesgruppe Rheinland-Pfalz mit dem französischen Verband AOR 21 in Burgund nur ein Beispiel. Lemke schloss mit Grußworten in Französisch, Englisch und Polnisch. Anschließend dankte Michael Sauer dem früheren Vorstandsmitglied Josef P. Heuzeroth, Oberstleutnant d.R., für dessen langjährige Dienste bei der Pflege internationaler Beziehungen mit einer Ehrenurkunde und dem Dank der Landesgruppe Rheinland-Pfalz.

Oberst Rolf Stichling, Kommandeur des Landeskommandos Rheinland Pfalz und Standortältester in Mainz, warb in seinem Grußwort für mehr Völkerverständigung. Unter Hinweis auf private Eindrücke von Verwandten, die Israel besucht hatten, zeigte er auf, wie wichtig eine menschliche Annäherung von Bürgern Israels und den Palestinensern sei. In dem Sinne, diejenigen, die Unrecht erlitten haben, aufzunehmen, sie in die Gesellschaft zu integrieren, und mit denjenigen, mit denen man in der Vergangenheit im Streite gelegen habe, Freundschaft zu schließen. Soldaten und Reservisten hätten das größte Interesse an der Völkerfreundschaft, denn sie seien diejenigen, die am meisten darunter zu leiden hätten, wenn es mit der einmal nicht klappte. Er verlieh bei dieser Gelegenheit das Bundeswehr-Leistungsabzeichen in Gold an Captain Zachary Brodeur, US Air Force, Erbenheim.

Als frischgebackener neuer Bundesgeschäftsführer des Verbands der Reservisten der Bundeswehr stellte sich Kapitän zur See a.D. Hans-Uwe Mergener in seinem ersten Auftritt vor. Angesichts der neuerlichen Sparpläne, die die Bundeswehr zu verkraften habe, werde man gemeinsam durch schwere See zu fahren haben. Er rief alle Reservisten dazu auf, vereint nach vorne zu schauen, um in der Zukunft den Wert der Aufgabe des Verbands erfolgreich darzustellen, was angesichts vieler Widrigkeiten immer schwerer werde.

Um die besonderen Leistungen der Internetbeauftragten von Reservistenkameradschaften (RK) zu würdigen, hat der Landesvorstand auf Initiative des Landesinternetbeauftragten Elmar Jacques, Hauptmann a.D., für die drei besten Internetauftritte von Kameradschaften Preise ausgelobt. Dazu wurden die Internetseiten aller Reservistenkameradschaften auf Kriterien wie Aktualität, Attraktivität, Genauigkeit und ähnlichem über einen längeren Zeitraum hin bewertet. Der 1. Preis ging an Helmut Schweikardt, Obergefreiter d.R., RK Selztal. Ihm folgte Martin Galle, Stabsgefreiter d.R., RK Bad Dürkheim, mit dem 2. Preis. Den dritten Preis errang Unteroffizier Torsten Stroth, RK Weiler, der wegen eines Trauerfalls in der Familie von Oberstleutnant d.R. Dräger aus seiner RK vertreten wurde.

Die Festansprache des Abends hielt der aus dem Elsass (Mutzig) stammende Colonel Philippe Flecksteiner, Verbindungsoffizier der französischen Armee beim Heeresamt in Köln. Er berichtete aus der Vergangenheit seiner Heimat und den kriegsbedingt mehrfach wechseln-den Staatsangehörigkeiten seiner Familie. Nach millionenfachen Toten und menschlichen Tragödien und die Erinnerung an die Schrecken dieser Vergangenheit, ausgelöst durch drei aufeinander folgende Kriege, bedurfte es außergewöhnlicher Politiker und Idealismus auf beiden Seiten, um aus den deutsch-französischen Beziehungen mehr als nur eine befriedete politische, wirtschaftliche und kulturelle Verbindung zu machen. Es sollte eine wirkliche, tief verwurzelte Freundschaft zwischen beiden Völkern werden.

„Der Élysée-Vertrag bleibt bis zum heutigen Tage das Rückgrat unserer Beziehungen!“ Mit diesem Vertrag seien drei Ziele verbunden worden:

Die symbolische Besiegelung der deutsch-französischen Versöhnung, der Aufbau einer wahren Freundschaft zwischen den beiden Ländern und die Förderung der „Schaffung eines vereinten Europas als Zielsetzung der beiden Völker“.

Diese drei Ziele seien inzwischen erreicht, aus der Versöhnung sei Freundschaft geworden und die Beziehungen zwischen den beiden Nationen seien allgemein als Hauptmotor für den europäischen Einigungsprozess geworden.

Eine Zusammenarbeit auf militärischer Ebene dokumentiere beispielsweise, so Colonel Flecksteiner, die Deutsch-Fanzösische Brigade, die mit der Teilnahme an der Parade auf den Champs Elysées am 14. Juli 2009 ihr zwanzigjähriges Bestehen gefeiert habe und zu der mehr als 5.000 Soldatinnen und Soldaten auf beiden Seiten des Rheins gehörten. Weiterhin nannte er den Austausch und die gemeinsame Ausbildung von Offiziersanwärtern in der Grundausbildung, sowie der jährliche zigfache Austausch von Soldaten, der zu einer echten Waffenbrüderschaft aller Teilstreitkräfte geführt habe.

Im Schatten der gegenwärtigen Finanzkrise sprach sich Colonel Flecksteiner dafür aus, sich über die intelligente Anwendung von „Pooling und Sharing“ als Kooperationsform bei Sparzwängen unter Beibehaltung autonomer Eingreiffähigkeiten Gedanken zu machen. Er sehe zuversichtlich in die gemeinsame Zukunft. (Thomas Brammer-Türck)

Oberst d.R. Michael Sauer ist der Landesvorsitzende der Reservisten Rheinland-Pfalz. Foto: LRV

 

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