Freitag 6.November 2026

Landau: Ein historischer Brunnen und die Suche nach dem politischen Skandal

Meinungsbeitrag

6. November 2026 | Kategorie: Landau, Regional

Visualisierung des möglichen Luitpoldbrunnens.
(c) André Gansel, Architekt, Stadtbild-Deutschland e.V., OV Hamburg

Landau – Der historische Luitpoldbrunnen soll auf den Rathausplatz zurückkehren. Eine Bürgerinitiative möchte damit ein Stück Stadtgeschichte wieder sichtbar machen. Doch in einem Artikel einer Tageszeitung bekommt das Vorhaben plötzlich einen politischen Beigeschmack.

Die Darstellung erweckt den Eindruck, hinter der Initiative stecke mehr als der Wunsch, einen historischen Brunnen wiederzuerrichten. Was ist passiert?

Martin Louis Schmidt hat an einer Veranstaltung des Vereins Stadtbild Deutschland teilgenommen. Schmidt war Landtagsabgeordneter der AfD, verließ die Partei 2024 und schreibt weiterhin gelegentlich für die konservative Wochenzeitung „Junge Freiheit“. Und das genügt offenbar, um aus einer Initiative für einen historischen Brunnen einen politischen Aufreger zu machen.

Brunnenprojekt unter politischem Verdacht?

Die Zeitung wollte wissen, welche Rolle Schmidt bei Stadtbild Deutschland und möglicherweise bei der Brunneninitiative spielt. Weil sie darauf keine näheren Auskünfte erhielt, entsteht in der Berichterstattung der Eindruck, der Verein habe etwas zu verbergen.

Dabei hat Mario Albers, Vorsitzender des Regionalverbands Südpfalz, durchaus geantwortet. Er wollte lediglich aus Gründen des Daten- und Vertrauensschutzes keine Angaben über Mitglieder und Sympathisanten machen. Das mag der Zeitung nicht genügen. Aber weshalb sollte deshalb das Projekt politisch fragwürdig sein? 

Mario Albers: „Wir machen keine Parteipolitik“

Auf Anfrage von Pfalz-Express zeigte sich Albers über die Berichterstattung tief enttäuscht. Er empfindet die Darstellung als ungerecht und die politische Zuspitzung als spaltend.

„Wir heißen alle Menschen willkommen, die sich diesen Zielen verpflichtet fühlen und auf dem Boden unserer Verfassung stehen“, so Albers. „Wir machen keine Parteipolitik, sondern führen Menschen über das Medium der Baukunst zusammen. Unser Ziel: Städte mit Gesicht und Herz!“ 

Stadtbild Deutschland sei gemeinnützig, parteipolitisch unabhängig und weltanschaulich neutral: „Versöhnen statt spalten.“ Gerade in Zeiten zunehmender Polarisierung, sei wichtig, so Albers.

Auch der Darstellung, Stadtbild Deutschland wolle anderen vorschreiben, wie sie zu bauen hätten, widerspricht Albers. Vielmehr gehe es darum, die zeitgenössische Architektur von den Zwängen des Modernismus zu befreien und ihr neue Kreativität zu ermöglichen.

Und der Brunnen?

Die Bürgerinitiative wurde am 29. Oktober 2026 gegründet. Am 7. und 14. November stehen ihre Vertreter jeweils von 10 bis 13 Uhr vor der Adler-Apotheke auf dem Rathausplatz für Gespräche bereit.

Über die Rekonstruktion des Luitpoldbrunnens lässt trefflich diskutieren. Über Kosten, Gestaltung und die Frage, wie der Rathausplatz damit aussehen soll. Ob aus dem möglichen Engagement eines ehemaligen AfD-Mitglieds gleich ein rechter Skandal um den Luitpoldbrunnen werden muss, darf allerdings bezweifelt werden. (Claudia Licht)

 

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