
Foto: dts nachrichtenagentur
Erfurt – Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei in Thüringen, Kai Christ, hat die Weigerung von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) kritisiert, eine Studie zum „Racial Profiling“ bei der Polizei anfertigen zu lassen.
„Wir wollen eine wissenschaftliche Untersuchung zum Racial Profiling“, sagte er dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“. „Die Strategie des Bundesinnenministers ist eher kontraproduktiv für eine Beruhigung der Debatte.“ Christ fügte hinzu, man könne bei Betroffenen das Gefühl von Racial Profiling bei bestimmten Kontrollen „nicht gänzlich ausschließen“ – so etwa dann nicht, wenn Fahndungen nach Menschen mit bestimmten Äußerlichkeiten liefen.
„Um das aus der Welt zu schaffen, brauchen wir eine wissenschaftliche Untersuchung.“ Christ sagte weiter: „Ich hoffe auf valide Zahlen – entweder um den Vorwurf zu entkräften, das wäre mein Wunsch. Oder um festzustellen, dass wir ein Problem haben. Dann müssten wir Strategien entwickeln, wie das künftig verhindert werden kann.“
Der Polizeigewerkschafter unterstrich: „Wir wollen keine rassistische Polizei.“ Rafael Behr, Professor an der Akademie der Polizei in Hamburg, sagte dem RND, Seehofers Weigerung sei „ein deprimierendes und fatales Signal in Sachen Fehlerkultur“. Er sprach überdies von einer „sehr seltsamen Begründung“.
Ein Sprecher des Ministers hatte am Wochenende erklärt, eine Studie sei gar nicht nötig, weil „Racial Profiling“ offiziell verboten sei. „Dass der Minister uns zumutet, das zu glauben, ist eine Frechheit“, sagte Behr. „Ich nenne das Arroganz der Macht.“ Das Nein des Ministeriums sei noch dazu „ein Schlag ins Gesicht der Polizisten mit Problembewusstsein“, denen damit Rückenwind genommen werde. (dts Nachrichtenagentur)
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