Sonntag 7.Juni 2026

Nach erneutem Wildschwein-Angriff: Kreisjagdmeister gibt Verhaltenstipps

2. Juni 2026 | Kategorie: Kreis Germersheim, Kreis Südliche Weinstraße, Landau

Wildschweine haben grundsätzlich Angst vor Menschen. Fühlen sie sich oder ihren Nachwuchs jedoch bedroht, können sie zum Angriff übergehen. Foto: Michal Renčo/Pixabay

SÜW / GER – Nachdem an Pfingsten zwei Männer in einem Weinberg bei Böchingen im Kreis Südliche Weinstraße von einem Wildschwein angegriffen worden waren, warnt Kreisjagdmeister Jörg Sigmund vor Begegnungen mit den Tieren. Besondere Vorsicht sei bei Muttertieren mit ihren Frischlingen geboten.

Gerade im Frühling und Frühsommer seien Wildschweinbachen mit Nachwuchs besonders wachsam und verteidigten ihre Jungen notfalls auch mit Angriffen. Grundsätzlich hätten Wildschweine zwar Angst vor Menschen und würden normalerweise flüchten, erklärt Sigmund. Ausnahmen gebe es jedoch etwa bei verletzten Tieren, während einer Jagd oder wenn Muttertiere ihre Frischlinge bedroht sehen.

Zahlreiche Vorfälle in den letzten Monaten

Dass Begegnungen mit Wildschweinen nicht immer harmlos verlaufen, haben mehrere Vorfälle in der Region gezeigt.

Der Mann, der zusammen mit einem Kollegen in besagtem Weinberg gearbeitet hatte, erlitt eine Schnittwunde am Bauch. Sein Kollege blieb unverletzt.

Im März 2025 hatte ein aggressives Wildschwein bei Rhodt unter Rietburg und später in Edenkoben mehrere Menschen verletzt. Zunächst griff das Tier einen 77-jährigen Wohnmobilisten an, anschließend wurde auch ein Ehepaar attackiert. Ermittlungen ergaben später, dass das Wildschwein vermutlich unter einer schmerzhaften Zahnentzündung litt, die zu dem ungewöhnlich aggressiven Verhalten beigetragen haben könnte. Das Tier wurde schließlich von der Polizei erlegt.

Auch in Rülzheim sorgte ein Wildschwein im Februar 2025 für Aufsehen, als es durch ein Wohngebiet lief, Gärten beschädigte und einen Hund angriff. In Hatzenbühl versetzte eine Wildschweinrotte die Bewohner in Angst und Schrecken.

Die Fälle zeigen, dass Angriffe von Wildschweinen zwar selten sind, Begegnungen mit den Tieren aber durchaus gefährlich werden können.

Tipps vom Kreisjagmeister

Um gefährliche Situationen zu vermeiden, empfiehlt der Kreisjagdmeister, Hunde im Wald und auf Feldern grundsätzlich anzuleinen und auf den Wegen zu bleiben. Besonders in dichtem Unterholz, Schilf- oder Feuchtgebieten könnten sich Wildschweine tagsüber aufhalten. Zudem seien die Tiere oft schon aus größerer Entfernung an ihrem charakteristischen Geruch zu erkennen, der an Liebstöckel oder Maggi-Würze erinnere.

Kommt es zu einer direkten Begegnung, sollte man Abstand halten und sich langsam zurückziehen. Bachen mit Frischlingen würden häufig zunächst einen sogenannten Scheinangriff starten und kurz vor dem Menschen stoppen. „Spätestens dann sollte man sich zurückziehen“, rät Sigmund.

Falls ein Wildschwein tatsächlich angreift, sollte ein mitgeführter Hund von der Leine gelassen werden. Bei größeren Wildschweinen sei Rückzug die beste Option, notfalls auch auf einen Baum. Vor allem Keiler könnten mit ihren langen Hauern schwere Verletzungen verursachen.

Auch nach Wildunfällen mahnt der Kreisjagdmeister zur Vorsicht. Verletzte Wildschweine sollten keinesfalls angefasst oder verfolgt werden. Stattdessen sollten Betroffene im Fahrzeug bleiben und die Polizei oder den zuständigen Jagdpächter verständigen. Selbst schwer verletzte Tiere könnten noch überraschend schnell und aggressiv reagieren.

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