
Ortsbürgermeister Beil mit Ursula Hübner-Weinmann, Bettina Wintergerst, An-Na Nam und Heidrun Paulus (v.l.).
Fotos: Beil
Rheinzabern – Nicht jedes Kunstwerk erschließt sich von selbst. Vielmehr bedarf es unter Umständen mehrerer Zugänge, um es nicht nur mit dem Kopf, sondern auch mit dem Herzen, dem Gefühl zu betrachten. Dies war der großartige Ertrag eines künstlerischen Versuchs.
Dieser Tage trafen sich die vier Künstlerinnen Bettina Wintergerst (Skulptur), Ursula Hübner-Weinmann (Malerei), Heidrun Paulus (Flöte) und An-Na Nam (Klavier) zu Kunst trifft Kunst im Kleinen Kulturzentrum Rheinzabern. Sie wollten beweisen: Das Auge allein kann sich täuschen. Der Augenschein macht ein Kunstwerk noch nicht aus.
Bettina Wintergerst stellte acht Werke kurz vor und ergänzte jedes Werk durch ein Gedicht oder einen interessanten Text, was die Betrachtung erweiterte. Nicht zuletzt erzeugte, verstärkte oder akzentuierte die passende Musik weitere Gedanken und Emotionen zu dem Kunstwerk. Heidrun Paulus und An-Na Nam spielten im wahrsten Sinne auf der Klaviatur der Gefühle, mal heiter, mal melancholisch, beflügelten die Phantasie und entführten die Besucher in musikalische Sphären.
Ob Oskar, der Oktopus, ob Maurice, der Hüter des Korallenriffs, ob Alice im Schneckenturm oder Erna mit dem Hummer im Kopf, Bettina Wintergersts surrealistische Figuren erforderten vom Betrachter viel Phantasie. Weiß man jedoch um die Taucherleidenschaft der Künstlerin, die von den Schönheiten der Unterwasserwelt fasziniert ist, so wird manche Symbolik klarer.
Den Auftakt machte jedoch Ursula Hübner-Weinmanns Bild „Die Insel“ mit der Botschaft „Ich schenke dir Ruhe“. Ihr zentrales Bild war jedoch der „Leuchtturm“, der im Chaos des Sturmes unerschütterlich steht und Richtung gibt.
Die Grüntöne des Bildes „Naturrhein“ etwa sollten zum Verweilen anhalten, an die Irrungen und Wirrungen des Lebens erinnern und dennoch Heimat und Geborgenheit vermitteln, auch wenn aus den Flussarmen des noch ungebändigten Stromes plötzlich ein bedrohlicher Moloch werden konnte, der alles in Unordnung brachte, die Ernte hinwegriss und Elend hinterließ.
Kunst, Poesie und Musik ergaben so ein vollständigeres Bild als eine Sichtweise allein. Ein interessantes Experiment, wofür die vier Künstlerinnen langen Beifall erhielten. (Gerhard Beil)

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