
Die erste Kunst aus dem Atomaten zieht Ortsbürgermeister: „Gestalt“ – Original auf Leinwand 200 x 160, 2013. Die Malerin: „Stina“ – Christina Henrichs.
Fotos: Beil
Rheinzabern: Kunst aus dem Automaten? In Rheinzabern kein Problem. Dort wurde der erste „Kunstautomat“ in der Rappengasse 53 eingeweiht.
Aus ihm kann man Kunstüberraschungen in Form von kleinen Bildern, Objekten, Zeichnungen oder Gedichte erwerben: Originelle Botschaften an die Freundin, pfiffige Geburtstagsgeschenke, überraschende Mitbringsel, vielleicht werden daraus sogar Sammlerobjekte.
In jedem gezogenen Kunstwerk liegt ein Beipackzettel, der über den Künstler informiert und preiswerten Einblick in die Vielfältigkeit der Kunst in Deutschland und Europa gibt.
Atelierfest kunterbunt
Zwar brannte unterstützend ein Feuer, doch konnten sich die zahlreichen Besucher umfassend an der Kunst erwärmen, die Christina Hinrichs anlässlich ihres Atelierfests am vergangenen Samstag bot.
Just im Jahr eines runden Geburtstagsjubiläums erfüllte sich für die aus Husum stammende Künstlerin ein besonderer Wunsch. Wurde ihr die Kunst bereits in die Wiege gelegt, so dürfte sie gewiss auch vom Nordseehimmel geprägt worden sein.
Dass sie dabei beim Hausherrn auf wohlwollende Sympathie stieß, verwundert nicht, holte sich doch der langjährige Landarzt Dr. Walter Mühlhäusler jahrzehntelang Kraft, Inspiration und Ruhe in der Malerei, der er unter dem Licht des Südens und beim Rauschen des Meeres frönte.
Dass Dr. Mühlhäusler indes längst nicht mehr der einzige Künstler in der Rappengasse ist, veranschaulichte Ortsbürgermeister Gerhard Beil in seiner Grußansprache.
Dabei schlug er den künstlerischen Bogen von Elisabeth Langgässer über Arthur Schellenberger, Beate Kuhn, Peter Hamburger und Roland Häfele, Familie Müller, Doris Schneider mit dem artelier 21, Maria Flick und Jürgen Dangel bis zu Bettina Wintergerst und Constanze Claus.
Sie sind unweit des Ateliers von Christina Hinrichs zu finden. Beil deutete an, wie sich eine Straße im Innern der Wohnhäuser gravierend verändert hat, während das Äußere der Häuser relativ gleich blieb. Sicherlich gäben die Veränderungen, Brüche und Schicksale so manchen Anstoß zur künstlerischen Auseinandersetzung.
Künstlerische Vielfalt boten die gezeigten Werke, aber auch ein Puppentheater. Das Quartett „art.crew artio“ hatte sich angesagt, nicht zuletzt beeindruckte Herr Kuflu aus Eritrea mit seinem Spiel auf der Krar, einem ostafrikanischen Saiteninstrument.
Der Ortsbürgermeister überreichte der Künstlerin ein kleines Souvenir, ehe der schlagzeilenträchtige Kunstautomat enthüllt wurde.
Beil wünschte sich, dass die mediale Aufmerksamkeit um den kuriosen Kunstautomaten auch allen Künstlern zugutekommen möge. Der vor der Verschrottung gerettete Automat, bei dem man früher Glimmstängel mit dem Duft der großen weiten Welt ziehen konnte, war mit Kunst im Zigarettenschachtelformat gefüllt.
Gerhard Beil setzte die ersten vier Euro ein, zog eine Schublade – und fand ein wunderschönes Bildchen just von Christina Hinrichs.
„Diese Kunst kann verwirren, erhellen, aufregen und süchtig machen“, lesen wir auf der Packung. Warum nicht von Kunst infizieren lassen? Diese Risiken und Nebenwirkungen sind immer noch dem Kraut vorzuziehen, das einst der olle Automat ausspuckte. Und wovon über hundert Jahre lang viele Rheinzaberner lebten.
Sic tempora mutantur (die Zeiten ändern sich, Anm. d. Red.), hätten die Römer gesagt, die vor rund 2000 Jahren unweit des heutigen Ateliers zu beiden Seiten der Römerstraße die Handwerks-Kunst der Terra-Sigillata-Herstellung ausübten.

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