Mittwoch, 11. Dezember 2019

Martini-Preis der SPD geht an Prof. Jutta Limbach: Steitbare Kämpferin für Frauenrechte

11. November 2013 | 1 Kommentare | Kategorie: Allgemein, Kreis Germersheim, Kreis Südliche Weinstraße, Landau, Politik regional, Regional
Prof. Jutta Limbach (Mitte) freut sich mit Landrätin Theresia Riedmaier und Thomas Hitschler, MdB, über die Verleihung des Martini-Preises. Fotos: Licht Fotogalerie am Textende

Prof. Jutta Limbach (Mitte) freut sich mit Landrätin Theresia Riedmaier und Thomas Hitschler, MdB, über die Verleihung des Martini-Preises.
Fotos: Licht
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Rülzheim – Alljährlich vergibt die südpfälzische SPD den von Albrecht Müller gestifteten Martini-Preis an herausragende Persönlichkeiten oder Organisationen.

Der Politiker und Publizist Müller war Planungschef im Bundeskanzleramt unter den Bundeskanzlern Brandt und Schmidt und hatte vor 25 Jahren die Auszeichnung an Martini ins Leben gerufen. Bisherige Preisträger waren unter anderem Björn Engholm, Dieter Hildebrandt, Greenpeace Deutschland, ,„Die Sendung mit der Maus“, das Chawwerusch-Theater Herxheim, Wolfgang Thierse oder Günter Wallraff.

Lange sozialdemokratische Familientradition

In diesem Jahr erhielt die Berlinerin Prof. Jutta Limbach, Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts a.D., den Martini-Preis für ihr Engagement um Gleichstellungspolitik im akademischen und gesellschaftlichen Bereich.

Die Wissenschaftlerin und Publizistin war 1994 bis 2002 Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts und schied erst aufgrund der Altersgrenze aus. Von 2002 bis 2008 stand sie als Präsidentin an der Spitze des Goethe-Instituts. SPD-Mitglied ist Limbach bereits seit 1958 – kurz nach ihrem Staatsexamen trat sie der Partei bei.

Die Juristin kann auf eine lange, sozialdemokratische Familientradition zurückblicken. Großmutter Elfriede Ryneck war Reichstagsabgeordnete für die SPD, ihr Vater Erich Ryneck ebenfalls Sozialdemokrat. Sogar schon die Urgroßmutter von Jutta Limbach, Pauline Staegemann, war eine bekannte Sozialdemokratin und Kämpferin für Frauenrechte.

Riedmaier: „Sternstunde für die Frauen“

Laudatorin Theresia Riedmaier, Landrätin Südliche Weinstraße, würdigte Jutta Limbach als eine außergewöhnliche Persönlichkeit. „Gleichstellung und Gleichberechtigung von Frauen und Männern sind konstruktive Wesensmerkmale der Demokratie. Das immer weder neu in unsere Gesellschaft zu tragen und eine tiefere Verwurzelung zu bewirken, ist ein großes Verdienst von Jutta Limbach“, sagte Riedmaier.

„Ihr Geburtstag ist eine Sternstunde für die Frauen, für Gleichberechtigung, für unser Land, für die Demokratie.“ Sie sei glücklich, dass „ihre südpfälzer SPD eine derart tolle Frau“ auszeichne, so die Landrätin, die selbst einmal Gleichstellungsbeauftragte war. Demokratie müsse immer wieder neu erstritten werden, dazu gehöre auch, Personen zu ehren, die diesbezüglich Maßstäbe gesetzt hätten.

Hitschler: „Brot und Rosen“

Bundestagsabgeordneter Thomas Hitschler betonte in seiner Begrüßungsansprache, dass neben den Entgeltgleichheitsgesetz „gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ nach wie vor eines der wichtigsten Kernthemen der SPD sei. Auch der Veranstaltungsort, das Gasthaus „Zur Rose“ in Rülzheim, habe einen Bezug zum Thema.: „Brot und Rosen“, ein Lied der Internationalen Gewerkschaftsbewegung und der Frauenbewegung.

Limbach: „Karriere macht man nicht in Frauenzirkeln“

Jutta Limbach, mittlerweile 80 Jahre, dankte in einer humorvollen Rede den südpfälzer Sozialdemokraten und ließ keinerlei Zweifel, dass sie nach wie vor eine streitbare Speerspitze für die Frauenrechte ist.

Noch immer gebe es Diskrepanzen zwischen dem geschriebenen Wort in Gesetzbüchern und der Wirklichkeit, wie beispielsweise das Recht auf einen Kita-Platz, das in der Praxis schwer einzufordern sei, kritisierte Limbach.

Die „Miss Marple“ der Juristerei, wie sich sich selbst bezeichnete, zeigte sich bei der täglichen Arbeitsteilung von Mann und Frau innerhalb der Familie kompromisslos: „Nur wenn Vater und Mutter absolut gleichberechtigt sind, kann das Modell funktionieren.“ Auch ihre Töchter und Schwiegertöchter seien ehrgeizig, ebenfalls Juristen und hätten Ehemänner, die dies mittragen würden.

In der Politik seien Frauen noch immer viel zu wenig vertreten: „Lassen Sie sich nicht täuschen, weil hier zwei Power-Frauen anwesend sind“, scherzte Limbach mit Blick auf Theresia Riedmaier und Barbara-Schleicher-Rothmund. „Männer haben ein erotisches, Frauen ein neurotisches Verhältnis zur Macht.“

Nach wie vor seien die „männerbündischen Strukturen“ am Wirken, Entscheidungen würden häufig beim gemeinsamen Biertrinken fallen. Da helfe nur eines: „Mittrinken“, sagte Limbach. „Karriere macht man nicht in Frauenzirkeln.“

Limbach kritisierte zudem die häufig gebrauchte Bezeichnung „Mutti“ für Bundeskanzlerin Angela Merkel. Zwar seien „feministische Attacken“ Merkels Sache nicht, aber diese Bezeichnung sei durchaus als sexistisch anzusehen.

Schleicher-Rothmund: „Schmuckstück der Preisträger“

Landtagsabgeordnete Barbara Schleicher-Rothmund sprach das Abschiedswort und lobte Jutta Limbach als Gewinn für die Gesellschaft, für Frauen und Demokratie. „Sie sind ein Schmuckstück in der Reihe der Preisträger“, so die parlamentarische Geschäftsführerin der SPD-Landtagsfraktion.

Am Ende gab es Standing Ovations für Jutta Limbach, eine Frau, die schon zu Zeiten Maßstäbe gesetzt hatte, als Gleichberechtigung nur ein verschämtes Wort war. (cli)

Kommentar:

Claudia Licht

Die Männer als Geschäfte machende, Bier trinkende, Herrenwitze reißende Entscheidungsträger im Hinterzimmer, zu dem die Damen keinen Zutritt haben? Von Neid und Minderwertigkeitskomplexen geplagt, weil Frauen Kind und Karriere gewuppt bekommen und sie nicht? Unzweifelhaft hat Jutta Limbach sich in besonderem Maße um die Gleichberechtigung für Frauen verdient gemacht. Vielleicht ist die streitbare Professorin jedoch am 10. November an manchen Stellen übers Ziel hinausgeschossen. Gleichstellung, auch in der Bewertung, sollte jederzeit beide Geschlechter betreffen, Frauen UND Männer. Immerhin: Am Ende empfahl Limbach, die „Männer kreativ mit einzubeziehen und sie nicht als Gegner darzustellen.“

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Ein Kommentar auf "Martini-Preis der SPD geht an Prof. Jutta Limbach: Steitbare Kämpferin für Frauenrechte"

  1. Markus Kropfreiter sagt:

    Ich war mit einer Genossin aus unserem Ortsverein Rheinzabern auch bei der Veranstaltung. Ich kann die lobenden Worte nur unterstreichen. Allerdings haben wir auf dem Heimweg auch darüber diskutiert, ob Männer der „jüngeren“ Generation heute noch Probleme mit erfolgreichen Frauen haben. Ich denke man kann das größtenteils verneinen.

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