
An der Gedenkstätte des Pfalzklinikums erinnerten Verantwortliche an jüdische Patienten, die Opfer der NS-Euthanasie wurden.
Bildquelle: Pfalzklinikum
Klingenmünster – Am 27. Januar 2021 fand der bundesweite Gedenktag für die Opfer der NS-Psychiatrie im Pfalzklinikum statt – wenn auch auf andere Art als in den Vorjahren.
Zur Kranzniederlegung an der Gedenkstätte des Hauses am Standort Klingenmünster waren keine Gäste und nur ein kleiner interner Kreis zugelassen. Im sicheren Abstand und ausgestattet mit FFP2-Masken gedachten Rita Becker-Scharwatz, geschäftsführendes Mitglied des Gedenkausschusses des Pfalzklinikums, Andreas Dietz, Mitarbeiter der Gedenkarbeit, Karin Römer, Psychiatrie-Erfahrene, Paul Bomke, Pfalzklinikum-Geschäftsführer, und Bernhard Dobbe, Personalratsvorsitzender, der Opfer.
Becker-Scharwatz betonte den Fokus des diesjährigen Gedenktags: „Im Pfalzklinikum zählten 19 jüdische Patientinnen und Patienten zu den Opfern der NS-Euthanasie. Wir begehen diesen Tag, um ihnen und weiteren Opfern zu gedenken und an sie zu erinnern – damit die Verfolgung von Menschen niemals mehr passiert und das Gefühl des Unbegreiflichen niemals vergessen wird. Gerade in einer Zeit, in der sich die Sprachkultur in der Politik verändert und Hass und Diskriminierung eine schnelle Verbreitung im Internet erleben, ist Gedenken erforderlich.“
Karin Römer beschäftigte sich besonders mit der Verbindung aus NS-Zeit und ihrer psychischen Erkrankung und ging der Frage nach, ob es ein lebensunwertes Leben gibt. „Ich selbst als Psychisch Kranke hätte die NS-Zeit nicht überlebt. Daher ist der 27. Januar ein besonderer Tag, der Tag der Befreiung, an dem ich wieder hätte leben dürfen. Leben, was heißt das? Selbstbestimmt handeln, an der Gesellschaft teilhaben und mehr. Aus meiner Sicht gibt es kein lebensunwertes Leben, jeder Mensch hat das Recht zu leben. Mit meinem Beitrag möchte ich zum Nachdenken anregen.“
Das Patientenradio des Hauses, der Peilsender, strahlte am 27. Januar und 28. Januar 2021 jeweils um 14 und 17 Uhr auf der Frequenz 87,9 MHz und im Internet unter peilsender.radio.de Beiträge von Theo Wieder, Bezirkstagsvorsitzender und Verwaltungsratsvorsitzender des Pfalzklinikums, Paul Bomke, Rita Becker-Scharwatz, Karin Römer, Christoph Bevier, Evangelische Klinikseelsorge, Silke Kessler, Katholische Klinikseelsorge und Andreas Dietz, Mitarbeiter der Gedenkarbeit, aus. Auch Historiker Roland Paul lieferte einen Radiovortrag zum Schicksal jüdischer Patienten der früheren Heil- und Pflegeanstalt Klingenmünster.
Interessierte können ab sofort ein Video der Kranzniederlegung mit Worten von Rita Becker-Scharwatz und Karin Römer unter: https://youtu.be/CTsel6PwwGM bei Facebook und auf der Homepage des Hauses ansehen. Die Radiobeiträge der Verantwortlichen finden sich ebenfalls zeitnah auf der Pfalzklinikum-Homepage unter Aktuelles.

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