Karlsruhe – Ein Zwischenfall am Institut für Nukleare Entsorgung (INE) beim Karlsruher Institut für Technologie (KIT) macht Naturschutzverbänden große Sorge.
Ein durch Dacharbeiten verursachter Brand hatte zunächst zum Eindringen von Rauch in den radioaktiven Kontrollbereich geführt. Beim nachfolgenden Regen zeigte sich das Dach des Laborgebäudes dann als derart beschädigt, dass es zu einem Wassereinbruch kam. Durch den Wassereinbruch wiederum kam es zu einem Kurzschluss, der die Lüftungsanlage sowie die Anlage zur Überwachung aus dem Labor freigesetzter radioaktiver Stoffe lahm legte.
Nach der Reparatur konnte die Anlage im Lauf des Tages wieder in Betrieb genommen werden. Eine Messung habe keine erhöhten Werte ergeben.
Nach dem Bekanntwerden des Brands sieht der Regionalverband Mittlerer Oberrhein des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) seine Zweifel an den Sicherheitsstandards der Atom-Labore im Hardtwald nördlich von Karlsruhe bestätigt.
„Der Zwischenfall am KIT Campus Nord zeigt gleich mehrere schwere Sicherheitsmängel. Wenn ein Missgeschick bei einer einfachen Reparatur am Dach dazu führen kann, dass ein Laborgebäude, in dem mit teils hoch radioaktiven und giftigen Stoffen hantiert wird, verraucht und nachfolgender Regen zu einem Wassereinbruch führt, dann kann von einer funktionierenden Sicherheitsbarriere keine Rede sein“, so Harry Block, Regionalvorstandsmitglied des BUND.
„Es ist ein nicht nur in Atomanlagen lange eingeführter Sicherheitsstandard, Einrichtungen zur Überwachung sowie die elektrische Versorgung mehrfach, d.h. redundant, einzubauen, sowie diese abzuschirmen.“
Beim Vorfall am KIT reiche allerdings ein Regenereignis, um beide Systeme zum Ausfall zu bringen. „Experimente in Heißen Zellen in denen mit hoch radioaktiven Stoffen hantiert wird in veralteten Behelfsgebäuden, das geht gar nicht“, so Block. „Wenn bereits ein Starkregen zum Versagen einer Anlage führt, wird deutlich, dass der notwendige Schutz vor äußeren Einwirkungen wie beispielsweise Flugzeugabsturz oder Terrorangriff in weitester Ferne liegt.“
„Das Sicherheitsniveau der Atomlabors am KIT bewegt sich offenbar eher im Bereich einer Wellblechhütte. Die Menschen in der dicht besiedelten Region Karlsruhe haben aber ein Anrecht darauf, dass wenn schon gefährliche Experimente mit radioaktiven Stoffen vor ihrer Haustüre durchgeführt werden, seitens der Forschungseinrichtungen die bestmöglichen Sicherheitsstandards gewährleistet werden“, kritisierte Hartmut Weinrebe, Regionalgeschäftsführer des BUND Mittlerer Oberrhein.
Der BUND fordert eine umgehende Überprüfung der Sicherheit aller Atomlabors am KIT durch unabhängige Sachverständige. „Unsichere Labors und Lagergebäude sind umgehend still zu legen und zu räumen. Wir fordern vom KIT und der Aufsichtsbehörde volle Transparenz“, so Weinrebe.
Bereits beim Mediationsverfahren zur Erweiterung des Instituts für Transurane (ITU) am KIT Campus Nord im Jahr 2011 hatte der BUND Regionalverband Mittlerer Oberrhein Sicherheitsmängel der Atomlabore scharf kritisiert und dringend Nachbesserungen angemahnt. Eine grundlegende Erhöhung des Sicherheitsniveaus habe nach Kenntnis des BUND allerdings auch dort bis heute nicht stattgefunden. (red)

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